10. Kapitel.

Über die Art, die Wanduhren (oder Pendeluhren) zu richten.

 

Je länger der Pendel ist, desto langsamer sind seine Schläge und je kürzer der Pendel ist, desto schneller sind die Schläge. Wenn man also den Pendel einer Thurm- oder Wanduhr verlängert, so geht die Uhr nach, verkürzt man ihn aber, so geht sie vor. Dieses Mittels bedient man sich zur Richtung dieser Maschinen.

Zu dem Ende richtet man die Stange A V (Fig. 2. Taf. IV.) so, daß die Linse B an der Stange aufsteigen und wieder fallen kann. Man macht unten an der Stange eine Schraubenmutter C D, welche auf die Schraube der Stange paßt und die Linse an der Stange zurück hält. Wenn man nun die Schraubenmutter von D nach C, nemlich rückwärts dreht, so fällt die Linse nieder und die Uhr geht zu spät; wenn man dagegen die Schraube von C nach D, d.h. vorwärts dreht, so steigt die Linse und die Uhr geht vor.

Ich muß hierbei noch bemerken, daß bei den meisten Pendeluhren, die heutzutage verfertigt werden, die Linse mit im Gehäuse eingeschlossen ist, damit sie die Schraubenmutter nicht berühren oder gar daran anhängen kann. Diese Pendeluhren sind aber in diesem Fall so eingerichtet, daß man den oben an der Stellscheibe befindlichen viereckigen Zapfen drehen muß, wenn man die Uhr reguliren will. Indem man diesen Zapfen mit dem Uhrschlüssel von der Linken zur Rechten dreht, verkürzt man den Pendel und die Uhr geht vor; wenn man ihn aber von der rechten zur linken dreht, so verlängert man den Pendel und die Uhr geht nach.

Die Pendel die 3 Fuß 8‡ L. Länge von A zu B zu haben, thun in jeder Sekunde einen Schlag, folglich 60 in einer Minute und 3600 in einer Stunde. Wenn man nun die Linse einer solchen Uhr um 1 Linie senkt, so wird die Uhr in 24 Stunden um 1 Minute 38 Sek. nachgehen, während eine Pendeluhr deren Pendel 9 Zoll 2º L. in der Länge mißt und dessen Linse man um eine º Linie senkt, um eben so viel in 24 Stunden nachgehen würde. Daraus ersieht man also, daß die Anzahl von Drehungen an der Schraubenmutter, beim Reguliren der Uhr, sich nach der Länge oder Kürze des Pendels richtet; es richtet sich selbige auch noch nach der größern oder mindern Entfernung der Schraubenfüße von einander, es läßt sich also nicht genau vorschreiben, wie viel man die Schraube für eine solche Abweichung zu drehen hat. Um indes das lange Probieren zu umgehen, kann man folgende Regel sich zu nutze machen.

 

Beispiel.

 

Stelle die Pendeluhr zu einer gesetzten Stunde nach einer andern, die regulirt ist, oder nach der Sonnenuhr und beobachte dann, um wieviel sie in 24 Stunden vor oder nachgeht. Nimmt man an, daß sie um 3 Minuten vorgegangen sey, so drehe die Schraube um 10 Grade mehr oder weniger (wenn sie nämlich in solche Grade abgetheilt ist) vorwärts; ist die Schraube nicht abgetheilt, so läßt man eine º Tour machen; hierauf stelle die Uhr von neuem nach der Normaluhr: findet man nach Verlauf von 24 Stunden, daß sie noch um 1 Minute vorgeht, so trifft man auf den Beweis, daß 10 Grade oder eine º Tour der graduirten Schraube die Uhr in 24 Stunden um 2 Minuten vorgehen läßt und man hat nach diesem zur Richtung der Uhr die Schraube um 5 Grade oder º Tour fortzurücken. Dieses Verhältnis findet auch in allen übrigen Fällen statt.

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