Wie man die Pendel- und Taschenuhren nach dem Meridian (Mittagslinie) zu richten hat.
Ich habe bisher angenommen, daß man, um eine Taschenuhr zu reguliren, sich des leichten und bequemen Mittels, den Gang einer Taschenuhr mit einer guten schon nach der mittlen Zeit gerichteten Pendeluhr zu vergleichen, zu bedienen hätte. Da aber der größte Theil der Taschenuhrbesitzer keine solche Pendeluhr zur Vergleichung hat, so muß man ein Mittel anwenden, welches in unterschiedlichen Ländern sich auch leicht ausführen läßt, und das ist, der Durchgang der Sonne durch die Mittagslinie. Da aber diese Mittagslinien noch nicht sehr gebräuchlich sind, so werde ich im folgende Kapitel die Methode zeigen, wie man solche Mittagslinien zu suchen hat, die sich zum Reguliren der Taschenuhren eignen. Da man nun schon weiß, daß die Sonne abweicht (Kap. 1.) und die Pendel- und Taschenuhren nach der mittlen Zeit gerichtet sein müssen, so hat man, wenn man eine Pendel- oder Taschenuhr nach der Mittagslinie richten will, die Abweichungen der Sonne in Abzug zu bringen. Die Abweichung der Sonne für jeden Tag des Jahres ist auf den Gleichungstafeln, am Ende dieses Buchs, angegeben. Die erste Colonne jeder Monatstafel enthält die Tage der Monate; die Anfangsbuchstaben Z. und V. welche vor den Ziffern der II. Colonne stehen, bezeichnen den Sinn der Veränderung (nämlich das Zurückbleiben oder Vorausgehen der Sonne); die Zahlen der II. Colonne bezeichnen die Anzahl der Minuten und Sekunden, um welche der Sonnenmittag gegen die mittle Zeit abweicht. Man ersieht z. B. aus den Tafeln, daß am 1. Januar die Sonne sich gegen die mittle Zeit um 3 Minuten 59 Sek. verspätet und am 1. Sept. um 27 Sek. der mittlen Zeit vorausgeht etc.
Die letzte Colonne bezeichnet für jeden Tag des Jahres die Anzahl der Sekunden, um welche die Sonne gegen die mittle Zeit in 24 Stunden abweicht. Es sind dies die Quoten, die hinzu gezählt oder abgezogen, die Gleichungen der Sonne ergeben. Durch diese erfähret man, daß wenn man zu der Gleichung 3 Min. 59 Sek. vom ersten Januar 29 Sek., um welche die Sonne von 1. bis zum 2. variirt, hinzuzählt, man 4 Min. 28 Sek. erhält, welches dann die Gleichung des 2. Januars ist und wenn man von der Gleichung des 1. März, welche 12 Min. 36 Sek. beträgt, 13 Sek., um welche die Sonne vom 1. zum 2. abgewichen ist, abzieht, so erhält man die Gleichung des 2. März, welche in 12 Min. 23 Sek. besteht.
Diese letzte Colonne ist zum Reguliren der Uhren nicht besonders geeignet, sondern sie dient nur dazu, um mit einen Blick die täglichen Abweichungen der Sonne zu übersehen
Wir wollen den 6. October annehmen, an welchem die Uhr nach der mittlen Zeit gestellt werden soll. Man sehe nun in der Gleichungstafel nach, um wieviel der Mittag der Sonne gegen die mittle Zeit abweicht, und man wird da finden, daß sie um 12 Minuten vorausgeht; also im Augenblick, wo die Sonne die Mittagslinie passirt, stellt man die Uhr um 12 Minuten gegen die Mittagslinie zurück und dann wird die Uhr ihre mittle Zeit messen. Um nach diesem zu sehen, ob sie regulirt ist, warte man noch einige Tage ab, ungefähr bis zum 14. October, ehe man wieder man nach der Mittagslinie sieht; dann suche man auf der Tafel, um wieviel die Sonne am 14. vorausgeht - welches 14 Minuten seyn wird. Wenn also die Uhr regulirt ist, so muß, wenn die Sonne Mittag zeigt, der Mittag der Uhr um 14 Minuten später seyn; trifft dies aber nicht zu und die Uhr verspätet sich um einige Minuten mehr oder weniger, so ist es ein Beweis, daß sie noch nicht regulirt ist. In diesem Fall rückt man nach Verhältnis dieser Abweichungen den Rückzeiger.
Anmerkung.
Aus diesem Beispiel kann man sich eine Regel zur genauen Untersuchung des Gangs einer Wanduhr aufstellen. Wenn man am 6. October oder an irgend einem anderen Tag den Mittag der Pendeluhr nach der mittlen Zeit gerichtet hat und man dabei annimmt, daß die Pendeluhr richtig geht, so wird die Sonne gegen letztere am 1. Nov. um 16 Min. 9 Sec. voraus gehen und am 23. Dec. um 4 Sec. nachgehen; am 11. Febr. wird sie um 14 Min. 44 Sec. nachgehen, und nach diesem Verhältnis so fort differiren, wie auf den Gleichungstafeln angegeben ist. Dieses geht schon aus den Anmerkungen hervor, die wir im 1. Kapitel aufgestellt haben.
Um eine Sekundenpendeluhr genau nach der Mittagslinie zu stellen, bedient man sich einer Sekundentaschenuhr, welche man vermittelst Drucks des Spielers F (Taf. III. Fig. 2.), dessen Bestandtheil G die Unruh hemmt, bis zum Moment, wo die Sonne die Mittagslinie durchschneidet, aufhält; in diesem Augenblick zieht man den gedachten Spieler zurück, damit die Uhr wieder fortgehen kann. Nach dieser Weise wird die Richtung aufs genauste hergestellt. Nun bleibt mir noch übrig, die Pendeluhr nach der Taschenuhr richten zu lassen.
Wir wollen annehmen, man habe am 10. Januar seine Taschenuhr nach der Sonne gestellt, und man wolle sie am 20 d. M. von neuem stellen.
Bevor man an dem Zeiger rückt, muß man sehen, um wie viel die Uhr gegen die Sonne differirt. Angenommen, daß sie um 3 Minuten gegen die Sonne vorausgegangen sey, stellt man sie von neuem mit der Sonne gleich und wenn man dann sehen will, ob es die Uhr ist, welche diesen Unterschied bewirkt hat, so sehe man auf der Tafel nach, wieviel der Unterschied zwischen der Gleichung des 10. und 20. Januars ausmacht. Man wird da finden, daß am 10. Januar die Sonne um 8 Min. und am 20. sich um 11 Min. 30 Sec. verspätet hat; es beträgt sonach der Unterschied dieser Verspätung vom 10. bis zum 20. Januar 3‡ Min. oder mit andern Worten, die Taschenuhr ist in der Zeit vom 10. bis zum 20. Jan. um 3‡ Min. gegen die Sonne vorausgegangen. Wenn sie um mehr oder weniger differirt, so rücke man nach Proportion dieser Differenz am Rückzeiger.
Hat man am 11. Dec. die Taschenuhr nach der Mittagslinie gestellt und will man nun sehen, ob sie am 31. Dec. noch richtig gehe, so sehe man nach der Gleichung dieser beiden Tage: man wird da finden, daß am 11. Dec. die Sonne um 6 Minuten voraus und den 31. um 4 Min. zu spät geht, daß sie also in der Zeit vom 11. bis zum 31. Dec. um 10. Min. vorausgegangen ist. Wenn die Taschenuhr dann regulirt ist, muß sie sich um 10 Minuten gegen die Sonne verspäten; denn wenn sie statt dessen mit der Sonnenlinie gleich stände, so wäre dies ein Beweis, daß sie um 10 Minuten vorausgegangen wäre. Wenn die Abweichung größer ist, so rücke man am Rückzeiger. Nach diesem Verhältnis kann man sich so viele Beispiele aufstellen, als man will, sie müssen alle dieselbe Probe halten.
Ich habe ein Taschenuhr-Zifferblatt verfertigen lassen, welches statt einer Gleichungstabelle gebraucht werden kann. Es zeigt die Differenz zwischen der wahren und mittlen Zeit für jeden Monat des Jahres an. Man bedient sich desselben um die Uhr zu richten und jederzeit die Stunde der wahren und mittlen Zeit zu wissen.
Diese Scheibe ist in 12 Theile getheilt, welche die Monate des Jahres vorstellen; jeder Monatsraum ist wieder in drei Fächer abgetheilt, nemlich in den 10. 20. und letzten des Monats; über jeder dieser letztern Abtheilungen steht die Anzahl der Minuten, um welche an diesen Tagen die Sonne gegen die mittle Zeit voraus oder zu spät geht. Die Anfangsbuchstaben A und R, welche auf jedem Monatstheil stehen, bezeichnen die Abweichungsart der Sonne, ob sie nemlich vor- oder nach geht. Beim Februar z. B. sieht man, daß die Sonne am 10. um 15 Min., den 20. um 14 Minuten und den 28. um 13 Minuten zurück geblieben ist. Den Wechsel der Gleichung erfährt man durch die Anfangsbuchstaben A und R, welche unmittelbar vor den Minutenzahlen stehen. Der Sinn dieser Figur ist also ohne weitere Erklärungen leicht aufzufassen. Ich habe schon im 8. Kapitel gesagt, daß man seine Uhr alle 8 oder 10 Tage stellen müsse; hierzu bedient man sich nun der Zeitabschnitte des 10. 20. und des letzten Tages der auf der Zifferblattscheibe abgetheilten Monate. Wenn man also seine Uhr an diesen Tagen mit der Sonne gleich stellt, so wird man sehen, ob sie seit dem letztenmal, wo man sie gestellt hat, abgewichen ist und sie dem gemäß nach der vorhin gezeigten Art und Weise reguliren, wozu nun daß mehr gedachte Aequationszifferblatt als Gleichungstafel gebraucht werden kann.
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