12. Kapitel.

Art und Weise, wie man Mittagslinien behufs der Pendel- und Taschenuhr-Regulierungen zu suchen hat.

 

Erstes Thema. 

Eine Mittagslinie auf einer horizontalen Fläche zu suchen.

Man nehme eine Steinplatte A B C D (Tafel IV. Fig. 3.) die ganz glatt und eben ist, lege sie mit Hülfe einer Bleiwage horizontal und hebe den Stein so lang, bis der Faden senkrecht an die Vertikallinie V sich unbeweglich anschließt, worauf man den Stein niedersenkt und ihn befestigt. Hierauf stelle man den Stift oder Kegel (Index) E G auf der Mittagsseite der Steinfläche auf. In die oben am Stift befindliche Platte E mach man ein Loch von ungefähr 1 Linie im Durchmesser, durch welche das Sonnenlicht fallen kann. Durch die Mitte dieses Lochs zieht man einen Faden, der unten mit einem Stück Blei versehen ist (und zwar so, daß der Faden durch dieses Stück Blei, welches egal gleich seyn muß, hindurch gehen und am untern Theil desselben wieder etwas hervorstehen muß, Fig. 6.) und läßt ihn senkrecht fallen. Dann bezeichnet man auf der Steinplatte den Punkt, der gerade unter der Spitze n der Figur 6. ist. Von diesem Punkt F aus ziehe man mit einem Zirkel die Kreislinien a b c und nehme ungefähr gegen 9 oder 9 ‡ Uhr Vormittags den Augenblick wahr, in welchem der durch das Loch des Stifts fallende Lichtstrahl diese Kreislinien berührt; in diesem Augenblick markire man auf der Linie c, durch die Mitte des Schattens, den Punkt H, bemerke dann nach Mittag den Punkt I in dem Augenblick, wo der Lichtstrahl dieselbe Linie wieder berührt. Nach diesem theile man den Bogen H I mit dem Zirkel in 2 gleiche Theile und ziehe dann von dem Mittelpunkt c und dem Punkte F aus die Linie M F, welches dann die gesuchte Mittagslinie ist.

 

Zweites Thema. 

Wie man eine Mittagslinie auf dem Fußboden eines Zimmers zieht.

Um eine solche Mittagslinie ziehen zu können, muß man vorher den Mittagspunkt auf einer horizontalen Fläche gefunden haben.

Zu diesem Behuf kann man den Stein in einem Garten legen, der nicht zu entfernt vom Zimmer liegt, in dem man die Mittagslinie ziehen will; man kann ihn auch auf das Getäfel der Fensterbekleidung setzen, wenn die Lage desselben es gestattet. Nachdem man nun den Stein, der 2 bis 3 Fuß lang seyn kann, aufgestellt hat, so schnitzt oder drechselt man sich ein Stück Holz zu einem Kegel oder Stift aus (Tafel IV. Figur 5.) dessen Knopf, (oder Kopf) der ungefähr 6 Linien stark ist, und über seiner Basis so hoch absteht, daß um 9 Uhr sein Schatten das Ende des Steins berührt. Im Mittelpunkt seiner Basis (untern Theils) setze man eine Spitze P ein, welche in das Loch, welches bei F (Fig. 3.) auf der Mittagsseite des Steins gemacht ist, paßt. Von diesem Loch aus, als Zentralpunkt, ziehe man die Linien a b c und suche dann nach vorhergehendem Beispiel die Linie M F, welche die gesuchte Mittagslinie gibt.

Man befestige hierauf auf der Horizontalfläche des Fensterraumes des Zimmers eine gerade Stange (nämlich den Stift oder Index), welche oben ein Loch von ungefähr 8 Linien Weite hat. Bevor man diesen Stift festsetzt, muß man, um ihm die schickliche Höhe zu geben, zu Mittag die Entfernung vom Fensterraume bis an das Ende des Zimmers, indem man dabei die vom Schatten, welchen die Fensterseite auf den Fußboden wirft, angegebene Richtung verfolgt, messen. Dies wird die Länge der Mittagslinie ergeben, die ich zu 10 Fuß annehmen will. In der letzten, den Aequationstabellen - angefügten Tafel findet man die Höhe, welche der Stift haben muß, angegeben, nämlich zu 3 Fuß und 2º Zoll. Hierauf befestigt man den Stift, dessen Loch oben um 3 Fuß 2º Zoll vom Fußboden abstehen oder vielmehr in die Höhe stehen muß, (d.i. die ganze Länge des Stifts) auf der horizontalen Fläche des Fensterstocks. Tags darauf beobachte man den Augenblick, wo der Schatten des Stiftkopfes gerade die Linie M F durchschneidet. In diesem Augenblick wird man auf dem Boden den Lichtpunkt wahrnehmen, welcher durch das Loch des im Fensterstock befestigten Stifts fällt (es ist ein solcher Punkt davon ein Mittagspunkt). Um einen zweiten solchen Punkt zu finden, lasse man durch das Loch des Stifts einen Faden gehen, der bis zu dem ersten Mittagspunkt reicht, hänge unten das Bleiloth daran (Fig. 6.) und markire gerade unter der Spitze des herunter hängenden und am Boden aufstehenden Bleifadens den Punkt. Durch diesen zweiten Punkt, und jenen schon gefundenen ziehe man nun eine Linie, welche dann die gesuchte Mittagslinie ist.

 

Drittes Thema. 

Eine Mittagslinie an der Mauer eines Hauses oder Gartens zu suchen. 

Man suche nach schon angezeigter Art und Weise den Mittelpunkt auf einem horizontalen Flächenraum und bestimme die Länge, welche die Mittagslinie haben soll; suche dann die Höhe des Stifts, die er haben soll und befestige den Stift auf der Mauer, so daß die Mitte seines Lochs um die durch die Tafel angezeigte Höhe von der Mauer absteht; warte dann den Augenblick ab, wo der Schatten des Knopfs die Linie M F durchschneidet; in diesem Augenblick, wo dies geschieht, markire man auf der Mauer den Punkt des Sonnenstrahls, welcher durch das Loch des Stifts fällt; hänge das Senkblei daran, so daß der Faden den Mittagspunkt durchschneidet; markire dann an dem Ende, wo der Faden angehängt ist, einen andern Punkt, der auch durch diesen Faden durchschnitten wird und ziehe durch beide Punkte die Linie, welches die gesuchte Mittagslinie seyn wird.

 

Bau der Setzwaage (Taf. IV. Fig. 4.)

 

Wenn man keine Setzwaage hat, um den Flächenstein, auf welchen man eine Mittagslinie ziehen will, eine horizontale Lage zu geben, so kann man sich selbst eine auf folgende Weise machen.

Man nehme ein Stück Bret (Fig. 4.), welches auf allen Seiten glatt und eben ist, und messe es in zwei gleiche Theile ab. Von dem Mittelpunkt V V aus beschreibe man den Halbzirkel a b und von diesen Punkten aus, beschreibe man die beiden Kreislinien, die sich in c durchschneiden, ferner ziehe man durch die Punkte c und V die Linie c v welche mit der Seite a b perdendikulär ist. Wenn man dann vom Punkt c aus einen Faden herunter hängen läßt, und an denselben eine Bleikugel d hängt, so hat man eine recht brauchbare Setzwaage in Stand gesetzt.

nächste Seite

Berthoud Eingangseite

zurück zur Uhrenseite

www.info-uhren.de