Wie man Taschenuhren in gutem Zustand erhält.
Wenn man nun auch zum Besitz einer guten Taschenuhr gelangt, so darf man es doch nicht dabei bewenden lassen, sondern man es auch verstehen, wie man mit ihr umgehen soll, wie man sie zu richten hat; man muß ferner darauf Bedacht nehmen, sie von Zeit zu Zeit ausputzen und das, was Zeit, Bewegung und Reibungen in der Maschine verderben, wieder herstellen zu lassen. Deshalb rathe ich, daß man sich in diesen Fällen an verständige und redliche Uhrmacher wende; noch besser aber ist es, wenn man sich so viel als möglich wieder an den wendet, der die Uhr gemacht hat, denn sein eigenes Gefühl von Ehre und Rechtlichkeit und die Nothwendigkeit, den einmal erworbenen guten Ruf sich zu erhalten, muß ihn schon verpflichten, die Uhr in gutem Zustand zu erhalten; weil sonst sein, vielleicht nicht so geschickter Kunstgenosse wenig Rücksicht auf das Interesse des Fertigers der Uhr nehmend, sie beim Ausbessern aus Unwissenheit, ja oft wohl auch aus böslicher Absicht leicht verderben könnte.
Sollten sich manche Künstler durch diese Wahrheiten getroffen fühlen, so ist es ihre eigne Schuld. Ich, meines Theils, halte es für unerlässige Pflicht, das Publikum darauf aufmerksam zu machen; denn die meisten Taschenuhren werden unter solchen Händen mehr verwüstet, als durch Zeit und Reibungen je geschehen konnte. Ich kenne für diesen Fall, wie schon gesagt, kein besseres Mittel, diesem Unheil vorzubeugen, als die Uhr ihrem Verfertiger selbst oder irgend einem andern Uhrmacher, der eben sowohl durch seine Redlichkeit als Geschicklichkeit in Ruf gekommen, zur Ausbesserung anzuvertrauen; blos durch die Behandlung des letztern kann die Uhr besser werden, als sie gewesen ist; denn je geschickter der Mann ist, umso weniger kann er es über sich gewinnen, die Schöpfung seines Kunstgenossen zu verachten; die Liebe für seine Kunst und der löbliche Eifer, diese zu vervollkommnen, muß ihn anspornen, alle Werke, die in seine Hände kommen, in den möglichst hohen Grad von Vollkommenheit zu setzen. Durch eine oft sehr übel angebrachte Sparsucht schadet sich mehrentheils der Uhrenbesitzer mehr, als er dabei gewinnt; er will kein oder nur wenig Geld ausgeben, um seine Uhr in gutem Stand zu erhalten, ohne dabei zu bedenken, wie sehr seine Uhr darunter leidet; er geht zum Uhrmacher und sagt ihm, er solle sie nur ausputzen, der Uhrmacher sieht nun die vielen Fehler, die durch unrichtige Struktur und andere Ursachen entstanden sind; was soll er aber machen? er wird ja nicht dafür bezahlt! Wie oft trägt es sich dann zu, daß die Uhr nach ihrem Ausputz noch immer schlecht geht, selbst dann noch, wenn nur einige Fehler derselben ausgebessert worden sind. Nun heißt es: der Uhrmacher hat mir meine Uhr verdorben, was doch nichts weniger als wahr ist, und zwar aus Gründen von denen ich nur das Hauptsächlichste ausheben und hier anführen will.
Der Zustand von Freiheit, in welchen man die Uhr durch Reinigung oder Ausputz versetzt, stört den Zustand des Gleichgewichts, der vorher zwischen der Bewegenden und gleich erhaltenden Kraft statt gefunden hat und hebt denselben einigermaßen auf, worauf der Druck der Bewegungskraft, die Ungleichheit der Eingriffe etc. mehr auf die Unruh wirkt, als vorher.
Wenn man seine Uhr also immer in gutem Stand erhalten will, so muß man sie auch, so oft es nöthig ist, immer sichern Händen zur Korrektur anvertrauen und sie wenigstens von 3 zu 3 Jahren einmal ausputzen lassen.
Es gibt Leute, deren Uhrtaschen so warm sind, daß oft in sehr kurzer Zeit das Oel der Uhr vertrocknet; dieses stört dann den gleichförmigen Gang der Uhr und bringt sie endlich gar ins Stocken; die Zapfen der Uhr nutzen sich ab und ist es eine Cylinderuhr, so wird der Cylinder durch das Rad ausgehöhlt und nach und nach auslaufen; daher diejenigen, deren Uhren sich in diesem Zustand befinden, gebunden sind, dieselben öfter ausputzen zu lassen und sie gegen zu starke Wärme des Körpers sicher zu stellen, was sich durch doppelte Ausfütterung der Uhrtaschen einigermaßen bewerkstelligen läßt. Da sich bei Feuchtigkeit Rost an die Metalle setzt, so muß man die Uhr so viel als möglich an einem trocknen Ort verwahrt halten. Wenn Staub und Schmutz sich in die Uhren einnistet, vertrocknet das Oel. Es erzeugen sich dadurch Stoffe, die, wenn sie durch die Bewegung der Räder mit dem Oel verreiben, den innern Maschinenbau nach und nach zerstören.
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