15. Kapitel.

Grundregel, die man zu beachten hat, wenn man die Taschen- und Pendeluhren in guten Stand erhalten und stellen will, und wie man überhaupt mit diesen nützlichen Maschinen umgehen soll, damit sie den möglichsten Nutzen gewähren.

 

1) Die Sonne braucht nicht alle Tage eine und dieselbe Zeit, um ihre Mittagshöhe zu erreichen.

2) Die Pendel- und Taschenuhren können sich daher nicht nach dem ungleichen Lauf der Sonne richten.

3)Wenn man sich überzeugen will, ob eine Taschenuhr richtig gehe und man vergleicht sie mit der Mittagslinie oder einer Sonnenuhr, so muß man die Abweichungen der Sonne in Abzug bringen und sich hierzu der Aequationstabellen bedienen.

4) Der Gang der Taschenuhren hängt von Veränderungen ab, worüber keine gewissen Regeln festgesetzt sind, da sie durch die Kälte oder Wärme und die unterschiedlichen Bewegungen, denen sie ausgesetzt sind, entstehen, so daß, wenn eine Taschenuhr täglich nur um 1 Minute abweicht, man sich noch dazu gratulieren kann. (Kap. 5.)

5) Da die Pendeluhren diesen Veränderungen nicht so ausgesetzt sind, wie die Taschenuhren, so kann man sie zur Richtung der Taschenuhr benutzen.

6) Man muß seine Taschenuhr alle 8 oder 10 Tage nach einer guten Pendeluhr stellen. Wenn sie binnen 8 Tagen nur um 8 Minuten differirt, so braucht man blos die Zeiger wieder zu stellen; Wenn sie aber in dieser Zeit um mehr als 8 Minuten abweicht, entweder zu früh oder zu spät geht, so muß man nicht allein die Zeiger wieder stellen, sondern man muß auch den Zeiger der Rückscheibe nach Proportion rücken.

7) Wenn die Taschenuhr vorgeht, so muß man, um sie zu richten, den Rückzeiger zurück stellen, auf dieselbe Weise, wie man den Minutenweiser dreht, um ihn von Ein Uhr auf Mittag zurückzustellen, wenn man nämlich die Uhr nachgehen (oder langsamer gehen) lassen will, wenn aber die Uhr zu langsam geht, so muß man den Rückzeiger vorwärts rücken, eben so wie man den Minutenzeiger von Mittag auf Ein Uhr vorrückt, um die Uhr wieder vorgehen zu lassen.

8) Man darf den Rückzeiger jedesmal nicht mehr als um ‡ Grad abrücken, im Fall die Uhr, nicht zu sehr abgewichen ist, z. B. um 4 - 5 Minuten binnen 24 Stunden; in diesem Fall müßte man freilich den Rückzeiger um 2 oder 3 Grade mehr oder weniger rücken, je nachdem nun die Abweichung ist.

9) Um eine Uhr zu stellen, bedient man sich, eines Schlüssels, mit dem man den Minutenzeiger an dem viereckigen Zapfen so lange dreht, bis er die rechte Stunde und Minute zeigt; der Stundenzeiger darf aber nicht allein gedreht werden.

10) Sobald eine Repetiruhr eine andere Stunde zeigt, als sie repetirt, so kann man den Stundenzeiger besonders drehen und ihn auf die Stunde und Viertelstunde, die das Werk repetirt hat, stellen, wobei sich jedoch der Stundenzeiger leicht drehen lassen muß, denn in solchem Fall muß man annehmen, als wenn die Uhr nur von ungefähr in diese Unordnung gerathen wäre. Nachdem man nun den Stundenzeiger auf diese Weise gestellt hat, muß man ihn mit der Spitze eines Federmessers am Centrum seiner Axe, gegen das Zifferblatt andrücken, damit er nicht wieder in Unordnung gerathen kann. Dann stellt man die Uhr wiederum auf die vorbeschriebene Weise.

Wenn sich aber der Stundenzeiger schwerer dreht, so gibt man die Uhr lieber dem Uhrmacher in die Hände; denn man könnte sonst leicht den Zeiger zerbrechen, und man muß in solchen Fall auch annehmen, daß die Unordnung oder der Widerspruch des Zeigers und der Repetition durch die unter dem Zifferblatt befindlichen Stücke herbeigeführt worden sey.

11) Wenn die Zeiger einer Repetir- oder anderen Uhr gegen 1 oder auch 2 Stunden mehr oder weniger zurückbleiben, so muß man sie nach der Seite zu drehen, wo sie den kürzesten Weg zu machen haben, entweder rück- oder vorwärts; man hat dabei weder auf der einen noch der andern Seite etwas zu riskiren. Es folgt hieraus, daß, wenn man vergessen hat, seine Uhr aufzuziehen, und der Minutenzeiger gäbe eine ‡ Stunden, 2 Stunden etc. mehr oder weniger an, als an der Zeit eigentlich sey, man diesen Zeiger um dieses Zeitquantum rückwärts drehen muß, so lange bis er den richtigen Zeitpunkt angibt; man darf ihn aber nicht um etwa 11‡ Stunden mehr oder weniger vorwärts drehen, was indes viele Leute thun, aus Besorgnis, ihre Uhr durch Rückwärtsdrehen zu verderben - und gerade dadurch bewirken sie das Gegentheil, denn wenn man die Zeiger zu vielmal dreht, so wird die Axe oder das Rohr, von welchem sie getragen werden, locker, so daß dann der geringste Umstand sie in Unordnung bringen kann. Gar oft tritt der Fall ein, daß die Uhr fortgeht, während der Zeiger stehen bleibt.

12) Wenn man eine Schlag- oder Weckuhr oder sonst irgend eine von einer besondern Bauart hat, der man durch die retrograde Umdrehung des Zeigers zu schaden glaubt, so mache man erst folgende Probe: man rücke den Zeiger nur um ein wenig rückwärts; empfindet man während dem einen plötzlichen Widerstand, so unterlasse man das Rückwärtsdrehen, denn dann ist es besser, wenn der Zeiger vorwärts gedreht wird.

13) Man ziehe seine Uhr alle Tage immer um dieselbe Stunde auf, denn manche Uhren gehen, nachdem sie aufgezogen worden sind, oft schneller oder langsamer, je nachdem die Bewegskraft der großen Feder mehr oder minder stark ist. Man hat deshalb, um der Unregelmäßigkeit der Uhr abzuhelfen, die Schnecke an der Uhr angebracht. Selten sind aber die Schnecken so gut gemacht, daß sie die Wirkung der Feder auf das Räderwerk gleichförmig machen können; denn es trifft sich bei mehrern Uhren, daß sie nach dem Aufzug, während der ersten 12 Stunden vor oder nachgehen und so umgekehrt in den folgenden 12 Stunden. Wenn man daher seine Uhr alle 24 Stunden aufzieht, so regulirt sich die Uhr dadurch von selbst, denn das Vorgehen in den ersten 12 Stunden gleicht sich durch das Nachgehen in den anderen 12 Stunden aus. Wenn man aber die Uhr länger als 24 Stunden gehen läßt, ohne sie aufzuziehen, so nimmt das Nachgehen zu und kann dann nicht mehr ausgeglichen werden. Die Abweichungen werden also immer bedeutender, wenn man die Uhr immer nur zur unbestimmten Stunde aufzieht.

14) Man muß seine Uhr so viel als möglich immer in ein und derselben Lage zu erhalten suchen. Wenn man die Uhr trägt, so ist sie in einer ähnlichen Lage als wenn sie hinge. Wenn man sie nicht mehr trägt, so hänge man sie wieder hin, mit dem Gehäuse nach der Wand zu, damit nicht der Unruhschlag seine Bewegung der Uhr mittheile.

15) Man erhalte seine Uhr immer in derselben Temperatur. Im Winter, Abends, wenn man seine Uhr ablegt, so hänge man sie wieder an einen Ort, der eine mittle Temperatur hat.

16) Man stecke seine Uhr so ein, daß das Glas nach außen zu gekehrt sei, damit man sich, wenn das Glas durch irgend einen Stoß zerbräche, nicht verletzen kann.

17) Bei der Repetiruhr, wenn sie noch im Schlagen begriffen ist, darf man die Zeiger nicht drehen.

18) Wenn eine Repetiruhr zu schnell oder langsam schlägt, so läßt sich dem leicht abhelfen, und zwar mittels des hierzu bestimmten Zeigers E L (Taf. III. Fig. 1.) Beim Aufmachen der Uhr fällt dieser Zeiger neben dem Unruhkloben gleich in die Augen. Wenn die Repetiruhr zu langsam schlägt, so muß man den Zeiger bei seinem viereckigen Rohr E auf die Seite des Anfangsbuchstabens V, (welches vitement [schnell] bedeutet) zu drehen und wenn die Uhr zu schnell schlägt so drehe man den Zeiger nach L zu (welches lentiment oder langsam bedeutet.)

19) Ein Reisender kann nicht beurtheilen, ob seine Uhr richtig gehe; es wäre denn, daß er auf den Unterschied des Mittags des einen Orts, wo er gewesen und den des anderen, wo er jetzt ist, d. h. auf die Zeitlänge beider Orte Achtung gegeben habe. Wenn z. B. einer, der von Paris nach Petersburg reiset, seine Uhr nach der Sonne gestellt hat, so wird er bei seiner Ankunft in Petersburg finden, daß die Uhr, im Fall sie immer richtig gegangen ist, um 2 Stunden gegen den Petersburger Meridian zu langsam geht. Diese Abweichung darf er aber seiner Uhr nicht zuschreiben, sondern vielmehr dem Unterschied beider Mittage, weil, wenn in Petersburg es schon halb zwei Uhr Nachmittags ist, in Paris sicher erst die Mittagsstunde schlägt.

20) Man muß seine Uhr alle 3 Jahre einmal ausputzen lassen und zwar von einem geschickten Uhrmacher, denn ein anderer könnte sie leicht verderben.

21) Man darf die Sekundenzeiger der Uhr nicht drehen. Will man Sekundenuhren auf die Minute und Sekunde stellen, so muß man die Unruh im Augenblick, wo der Sekundenzeiger auf der 60. steht, durch den Stecher (oder Stopphaken) aufhalten. Darauf stellt man die anderen Zeiger auf die Stunde und Minute; im Augenblick nun, wo die Sonne die Mittagslinie passirt, wenn es gerade Mittag ist, zieht man den Stecher zurück und die Uhr geht fort und ist wieder im richtigen Gange.

 

Anmerkungen über die Art und Weise, wie man die Pendeluhren zu behandeln hat.

 

1) Um eine Pendeluhr dahin zu bringen, daß sie schneller gehen soll, muß man die Linse ihres Perpendikels vermittelst der unten befindlichen Schraube in die Höhe ziehen, und wenn sie langsamer gehen soll, so schraubt man die Linse wieder um etwas hinunter. Wenn die Pendeluhr ein Hängegehäuse hat, und man kann nicht an die Linse kommen, so hat man an dem Zifferblatt noch ein anderes zifferblattähnliches Stahlplättchen, das einen Zapfen führt. Diesen dreht man mit einem Uhrschlüssel von der Linken zur Rechten, wenn die Uhr schneller gehen soll, und von der Rechten zur Linken, wenn sie langsamer gehen soll. Wie vielmal man diesen Zapfen zu drehen hat, lehrt schon das 9. Kapitel dieses Werkchens.

2) Bei Schlagpendeluhren darf man die Weiser nicht über ‡ Stunde zurückdrehen, und selbst dieses muß mit Vorsicht geschehen, sobald man einen Widerstand fühlt, den die Vorfälle verursachen. Auch darf man den Minutenzeiger nicht rückwärts drehen, wenn er bei 28 oder 58 Minuten steht, welches mit anderen Worten heißt: wenn das Werk bald schlagen will; denn wenn man in diesem Augenblick den Zeiger rückwärts dreht, so schlägt die Uhr und wenn der Zeiger wiederum auf den Punkt kommt, den er bei der Zurückstellung verlassen hat, so schlägt die Uhr noch einmal und Zeiger und Schlag stimmen dann nicht zusammen, denn die Uhr schlägt da schon die Stunde, während sie noch die halbe zeigt. Sobald dieses vorfällt, darf man den Minutenzeiger nicht weiter als um 2 Minuten von der Stunde oder halben Stunde, wo die Uhr schlägt, zurückdrehen, das ist: bis zur 28. oder 58. Min. des Zifferblatts; sodann läßt man den Zeiger dahin, wo die Uhr wieder schlägt, zurückgehen. Hierauf rückt man ihn wieder vor und es schlägt von neuem. Nach diesem wird die Uhr endlich wieder die vom Zeiger gezeigte Stunde und halbe Stunde schlagen, und man hat dann nichts weiter dabei zu thun, als die Zeiger auf die richtige Stunde und Minute zu stellen.

3) Wenn das Schlagwerk einer Pendeluhr nicht mehr mit den Zeigern übereinstimmt, so daß, wenn z. B. es Mittag schlägt, der Zeiger auf 1 steht, so muß man den Stundenzeiger (den Minutenzeiger aber nicht mit) drehen und auf die Stunde stellen, die das Werk schlägt und dann den Minutenzeiger so lang drehen, bis die Pendeluhr auf die Stunde gestellt ist.

Um die Pendeluhr in die bestmöglichste Lage zu bringen, muß man darauf sehen, daß man sie so fest als möglich an die Wand anmache, und zwar so gerade richte, das die Linse (oder Perpendikel), wenn man sie in Bewegung setzt, vollkommen gleiche Schwingungen verrichten kann. Zu diesem Behuf muß man unten auf der einen Seite des Gehäuses Pappe oder ein Stück Bret unterlegen und zwar so lange, oder so viel, bis man vom Perpendikel vollkommen gleiche Schläge oder Schwingungen wahrnimmt. Wenn das Gehäuse ein Hänggehäuse ist, so läßt sich dieses noch viel leichter bewerkstelligen: man darf nur den Boden des Gehäuses von dieser oder jener Seite drehen, bis man vollkommen gleiche Schläge hört; dann stützt man den Boden des Gehäuses mit einem Nagel, damit die Uhr fest hängt.

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