Von den Ursachen der Veränderlichkeiten der Taschenuhren; der höchste Grad von Richtigkeit, der sich von ihnen erwarten läßt.
Die Richtigkeit einer Taschenuhr wird durch die stete Gleichheit der Unruhschwingungen (Schläge) bedingt.
1) Die Unruhschläge geschehen schneller oder langsamer, je nachdem die Kraft, welche ihnen durch die Räder mitgetheilt wird, mehr oder minder groß ist. Das Vor- oder Nachgehen der Taschenuhr hängt also von der Ungleichheit dieser Kraft ab.
2) Die Geschwindigkeit der Unruh wird durch die größere oder mindere Kraft der Spiralfeder bestimmt (siehe Kapitel 9.). Da nun die Spiralfeder mehr oder weniger elastisch ist, je nachdem es warm oder kalt ist, so richtet sich auch ihre Bewegungskraft nach den Eindrücken, die sie von der Luft erhält.
3) Die Kraft, welche den Gang der Taschenuhr unterhält, ist eine Feder, deren Triebskraft nicht stät ist; sie nimmt nach und nach ab. Sie ändert sich auch, nachdem es warm oder kalt ist. Diese Ungleichheiten haben also einen natürlichen Einfluß auf den Gang der Taschenuhren.
4) Die Bewegung der Räder, indem sie sich um ihre Zapfen drehen und indem eins gegen das andere wirkt, bringt einen Widerstand hervor, den man Reibung oder Friction nennt. Dieser Widerstand nimmt in der Maße zu, als die Politur der Zapfen sich abnutzt, und das Oel, welches man den Zapfenlöchern gibt, um die Reibung zu lindern, sich verdickt. Da nun auf solche Weise die der Unruh mitgetheilte Kraft nicht mehr dieselbe bleiben kann, so muß natürlich auch sich die Richtigkeit der Taschenuhr zu ihrem Nachtheil ändern.
5) Die Unruh einer Taschenuhr hat mehr oder weniger Bewegskraft, je nachdem der Widerstand der Luft mehr oder weniger wirksam ist. Die dadurch verursachten Abweichungen sind jedoch so unbedeutend, daß sie gar nicht in Anschlag zu bringen sind.
6) Endlich tragen auch noch die ungleichen Bewegungen, Stöße, Lagen, etc., denen eine Taschenuhr ausgesetzt ist, dazu bei, ihre Richtigkeit zu stören.
Wenn man nun eine jede dieser Ursachen von Störungen besonders in Erwägung zieht, so muß man über den Grad von Richtigkeit staunen, den in unserer Zeit diese Maschinen erreicht haben. Diese Richtigkeit geht so weit, daß eine gutgebaute Taschenuhr täglich kaum eine ‡ Minute abweicht; ja, man kann diese Genauigkeit sogar noch weiter ausdehnen. Was die gewöhnlichen Taschenuhren anlangt, so kann man sich gratuliren, wenn sie täglich nur um 1 Minute differieren.
Hiernach kann man den großen Unterschied der Richtigkeit einer Taschenuhr und einer Pendeluhr beurtheilen; denn während eine Taschenuhr täglich um 1 Minute abweicht, so geschieht dies bei einer Pendeluhr erst während eines Zeitraums von 14 Tagen, und eine gute Sekundenpendeluhr weicht in einem Jahre kaum um 1 Minute ab.
Anmerk. Viele Leute behaupten, ihre Uhr wiche in 14 Tagen nur 1 Minute ab. Wenn dies nun auch wahr seyn sollte, so ist es doch mehr Spiel des Zufalls, als ein Beleg für die Geschicklichkeit desjenigen, der sie gemacht hat; denn diese vermeintlichen Wunderwerke sind fast gewöhnlich sehr alte Maschinen oder von ungeschickten Meistern verfertigt, die gar sehr in Verlegenheit gerathen würden, wenn man ihnen den Grund abfragen wollte, warum eine solche Uhr gut geht, oder wenn sie eine Uhr machen sollten, die eben so gut ginge. Nach diesen Leuten, welche ihre Uhr mit der Sonne vergleichen, kehre ich mich aber nicht, sie mögen sagen was sie wollen; weil sie einmal gesehen haben, daß ihre Uhr vierzehn Tag lang mit der Sonne gleich gegangen ist, so glauben sie steif und fest, es sei dies ein Beweis ihrer Güte, haben aber nicht dabei berücksichtigt, daß in den Zwischenräumen dieser Zeit die Uhr um º Stunde mehr oder weniger abweichen und dann wieder mit der Sonne gleich gehen konnte.
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