7. Kapitel.
Wie man die Richtigkeit einer Taschenuhr erfahren kann.
Um den Grad von Richtigkeit einer Taschenuhr zu erforschen, muß man sie zu einer gewissen Stunde nach einer guten Pendeluhr stellen, und sie, immer in derselben Lage 24 Stunden lang gehen lassen, so dann von 6 zu 6 oder 5 zu 5 Stunden die Abweichungen, welche sie gegen die Pendeluhr macht, sich aufschreiben. Wenn sie nun in den ersten 6 Stunden um 1 Minute zu spät oder zu früh geht und dann wieder um 1 Minute in den folgenden 6 Stunden, so daß sie in 24 Stunden um 4 Minuten differirt, so ist dies ein Beweis, daß die große Feder ungleichförmig auf das Räderwerk und dieses eben so auf die Unruh wirkt. Diese Prüfungen setzt man noch einige Tage hindurch fort, um zu sehen, ob der Gang der Uhr sich auch in diesen Abweichungen consequent bleibe.
Hierauf kann man seine Uhr wieder in die Tasche stecken, ungefähr für eine Zeit von 10 oder 12 Stunden, mehr oder weniger; wenn sie dann um eben so viel abweicht, als sie im Hängen gethan haben würde, so ist dieses ein sicheres Zeichen, daß die Bewegung des Tragens keinen Einfluß mehr hat. Jetzt kann man erst sagen, daß die Uhr gut geht. Um sie zu reguliren, braucht man dann nur am Rosettenzeiger zu rücken.
Wenn aber die Taschenuhr, nachdem sie während des Hängens um 4 Minuten in 24 Stunden differirt hat, beim Tragen um mehrere Minute als vorher abweicht, dann kann man für bestimmt annehmen, daß sie variirt, und in diesem Fall muß man sie dann einem geschickten Uhrmacher zur Korrektur geben.
Um die Richtigkeit einer Taschenuhr zu beurtheilen. darf man sie nicht nach der ersten besten Wand- oder Turmuhr oder nach einer anderen Taschenuhr, oder wohl gar nach einer Sonnenuhr stellen; denn es trifft sich fast immer, daß die Sonnen- Wand- und Turmuhren um eine º Stunde mehr oder weniger gegen einander abweichen. Da glauben nun die Beobachter ihrer Uhren, daß ihre Uhren schlecht gingen, während doch die Schuld an den Wand- Turm- und Taschenuhren lag, mit denen sie ihre Uhren verglichen haben. Daher kömmt es auch, daß eine sehr gute Uhr in gewissen Händen wie ein altes abgenutztes Werk geht und auch für ein solches gehalten wird.
Wenn man also mit der Taschenuhr eine Vergleichung vornehmen will, muß man sich einer guten Pendeluhr bedienen und sich immer nach derselben richten, oder will man eine Sonnenuhr dazu gebrauchen, sich immer nach dieser richten. Diese Sonnenuhren weichen übrigens öfter auch gegen einander um mehrere Minuten ab.
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