Anwendung der Spiralfeder. Wie man den Rückzeiger zu drehen hat, um die Taschenuhr zu richten.
Die Schläge der Unruh sind mehr oder weniger geschwind, je nachdem die Spiralfeder stärker oder schwächer ist. Wenn sie stärker ist, so sind die Schläge geschwinder; wenn sie aber schwächer ist, so sind die Schläge langsamer.
Wenn man diese Spiralfeder verlängert, so werden die Unruhschläge langsamer, weil die Feder dadurch geschwächt worden ist; kürzt man sie im Gegentheil, so werden die Schläge schneller. Dieses ist das einzige Mittel, welches man anwendet, um die Taschenuhren zu reguliren. Wenn sie vorgehen, verlängert man die Spiralfeder und wenn sie zu spät gehen, so verkürzt man sie. Diese Wirkung ist dieselbe, welche durch Rückung des Rosettenzeigers hervorgebracht wird. Ich will dieses hier etwas deutlicher aus einander setzen. Rosettenzeiger oder Zeiger der Rückscheibe, auch Rückzeiger genannt, nennt man das Stück d (Taf. III. Fig. 1.), welches auf der viereckigen Axe des Rades K (Fig. 2.) befestigt ist; dieses Rad hat Zähne, welche in den Rechen b c eingreifen, der sich unter dem Flügel I L, der auf der Fig. 4. perspectivisch dargestellt ist, um das Centrum der Unruh dreht. Sobald man mit dem Uhrschlüssel den Zeiger d und das Rad K dreht, so bewirkt solches die Umdrehung des Rechens. Dieser Rechen trägt den Arm b Fig. 2., auf welchem zwei Stifte eingesetzt sind. Die Spiralfeder liegt zwischen diesen zwei Stiften, so daß sich diese Feder, welche sich bis zum Centrum der Unruh ausdehnt, blos am Punkte b bewegt. Die Spiralfeder wirkt also mit mehr oder weniger Kraft auf die Unruh, je nachdem die Stifte a b oder c eingeschoben sind; befinden sie sich am Punkte c, so ist die Spiralfeder stärker, welches die Uhr zum Vorgehen bringt; sind diese Stifte in a, so ist die Spiralfeder schwächer, wodurch sich die Uhr verspätet.
Um die Uhr zum Vorgehen zu bringen, drückt man den Rückzeiger von R nach A; denn in diesem Fall hat das Rad K den Arm oder Stift b gegen c geschoben und um die Uhr zum Nachgehen zu bringen, muß man den Zeiger von A nach R rücken.
Es entsteht hieraus folgende Regel:
Wenn eine Taschenuhr zu spät geht, rückt man den Rückzeiger vorwärts und zwar von derselben Seite, von welcher man die Uhrzeiger rückt, um die Uhr von Mittag auf Ein Uhr zu stellen und im Gegentheil, wenn die Uhr vorgeht, rückt man den Rückzeiger rückwärts, nämlich von derselben Seite, von welcher man den Uhrzeiger von Ein Uhr auf Mittag zurückstellen würde. Um wieviel man den Rückzeiger jedesmal zu rücken hat, wenn es nöthig sein sollte, die Uhr zu reguliren, muß man wissen, daß nicht bei allen Taschenuhren ein und dieselbe Anwendung stattfinden kann: denn wenn man den Rückzeiger einer Taschenuhr um 1 Grad der kleinen Rückscheibe vorrückte und diese betrüge in 24 Stunden 3 Minuten Vorgang (avancement) und man wollte dieselbe proportionirte Rückung auch an einer anderen Taschenuhr vornehmen, so würde dies oft die Uhr, anstatt sie um die beabsichtigten 3 Minuten vorgehen zu lassen, vielmehr um ‡ oder 4 Minuten mehr oder weniger, vorgehen lassen. Man kann also nicht sagen: Wenn meine Uhr in 24 Stunden um so und so viel vorgeht, muß ich den Rückzeiger um so und so viel rücken; weit gefehlt - denn man gelangt erst nach vielen Versuchen zu der Erfahrung, um wie viel Striche oder Grade der Rückscheibe der Zeiger gerückt werden muß.
Man wendet hierbei folgende Regel an:
Hat man seine Taschenuhr nach einer guten Pendeluhr gestellt und sie ist nach Verlauf von 24 Stunden um 4 Minuten vorgelaufen, so rücke man den Rückzeiger um einen Strich oder Grad rückwärts und stelle sie dann wieder nach der Wanduhr. Findet man dann, daß sie nach Verlauf von 24 Stunden noch um 2 Minuten vorgeht, so erfährt man dadurch, daß ein Ruck von einem zum andern Grad in 24 Stunden 2 Minuten Vorgang ausmacht, und daß man daher, um die Uhr nun zu berichtigen, den Rückzeiger noch um 1 Grad rückwärts zu schieben hat.
Um einer Taschenuhr leicht und in möglichst kurzer Zeit die beste Richtung zu geben, muß man den Rückzeiger von einem Ende der Rückscheibe zu dem andern nach und nach fortrücken.
Wenn nemlich die Uhr nachgeht, muß man den Zeiger vorrücken, so daß die Uhr fast um ebensoviel vorgeht, als sie vorher nachgegangen ist; sodann hat man blos den Zeiger rückwärts zu rücken und zwar um die Hälfte des Wegs, den man ihm vorwärts gehen ließ.
Was ich soeben angeführt habe über die Art, die Taschenuhren, wenn sie so gebaut sind, wie die Figuren 1. und 2. (Taf. III.), welche man französische Uhren nennt, ist auch bei den sogenannten englischen Uhren, Figur 3., anzuwenden. Um also eine englische Uhr zu richten, dreht man ebenso, wie bei den französischen, den viereckigen Zapfen o (Fig. 3.) mit dem Schlüssel; bei dieser Uhr aber trägt der Zapfen o die durch Striche oder Punkte abgetheilte Rückscheibe A, welche sich mit dem Zapfen zugleich dreht, während das Zeiger- Merkmal H unbeweglich bleibt; dagegen bei der französischen Uhr (Fig. 1. und 2.) die Rückscheibe sich nicht bewegt, sondern blos der Zeiger. Wenn demnach eine englische Uhr nachgeht, muß man die Stellscheibe vorwärts drehen, gerade so, als wenn sie der Zeiger selbst wäre wobei man sich nach dem Schnabel des Merkmals H oder irgend einem andern der um die Scheibe herumstehenden unbeweglichen Punkte zu richten hat. Wenn die Uhr vorgeht, muß man dagegen die Scheibe rückwärts drehen.
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