Wolfgang Schallers hat diese n Seite freundlicher Weise zur Verfügung gestellt.Gelegentlich gestellte Fragen
Eigentlich wurden mir noch nicht so viele Fragen gestellt, dass es zu einer FAQ reichen würde, aber manche Fragen wiederholen sich doch, so dass ich sie mal hier aufführe.
Warum IIII statt IV auf Zifferblättern?
Die klassischste Frage zu Uhren! Meine Standardantwort ist, dass man es nicht so genau weiss. Folgende Argumente werden im allgemeinen gebracht:
- Die häufigste Antwort: Das Zifferblatt sieht ausgewogener aus, da die VIII der IIII gegenüberliegt und so beide Zahlen vier Ziffern haben. Wenn ich mir meine Armbanduhr mit einer IV anschaue, kann ich nicht so ganz feststellen, dass das besonders schlimm aussehen wuerde, aber naja.
- In der römischen Antike wurde häufig die IIII verwendet. Erstens ist die IV eine relativ späte Erfindung, zweitens wurde IV als Abkürzung für Jupiter verwendet, so dass die sorglose Verwendung von IV ein wenig wie eine Gotteslästerung gewirkt hat. Auf jeden Fall ist die IIII nicht falsch!
- Gelegentlich wird eine Geschichte erzählt zwischen einem Uhrmacher und einem König, wobei der Namen des Königs bei jeder Erzählung anders ist (Ludwig XIV., Karl V...). Der König bestand darauf, dass die IIII richtig ist und hat die Schreibweise per Gesetz durchgesetzt. Ist aber auch nicht so richtig glaubwürdig.
Das Reinigen alter Uhren
Armband- Taschen- und Grossuhren müssen in bestimmten Abständen gereinigt werden. Dies ist eine Wartungsarbeit wie der Ölwechsel beim Auto. Es gibt dafür zwei Gründe: zum einen verharzt das in der Uhr vorhandene Öl, zum anderen bildet das Öl, mit eingedrungenen Staub eine Schleifmasse die die reibenden Teile der Uhr stark abnutzt. Zum ersten Punkt ist zu sagen, das dabei eigentlich nicht viel passiert. Die Uhr geht immer schwerer, bis sie irgendwann stehenbleibt. Der zweite Punkt ist gefährlicher. Besonders bei Uhren mit starkem Antrieb, z.B. Standuhren laufen die Uhren noch viele Jahre mit völlig verdreckten Öl, was zu starken Schäden führen kann.
Wie oft soll eine Uhr gereinigt werden? Die meisten Uhrmacher sagen bei Armband- und Taschenuhren alle zwei Jahre. Diesen Wert haben sie wohl von einer grossen Autorität, dem Uhrmacher Ferdinand Berthoud übernommen, der dies vor 200 Jahren so empfohlen hat. Da sich mittlerweile Uhrenöle und Dichtigkeit der Gehäse weiterentwickelt haben, kann man diese Frist auf mindestens 5 Jahre heraufsetzen. Sollten Sie beabsichtigen eine antike Taschenuhr täglich zu benutzen, sollten Sie allerdings die 2 Jahre einhalten!
Bei Grossuhren würde ich ein Reinigungsintervall von etwa 10 Jahren empfehlen.
Armband- und Taschenuhren als Laie zu reinigen ist sehr schwierig. Ich kann es hier nicht empfehlen. Einfachere Grossuhren, die nicht zu wertvoll sind, kann man auch als Anfänger wieder sauberbekommen. Hierzu einige kurze Tips.
Ganz wichtig ist, dass bei einer federgetriebenen Uhr die Feder ganz entspannt ist. Am besten ist es wenn man nach dem Abspannen die Sperrklinke ganz ausser Kraft setzt! Bei Uhren mit einer offenen Feder muss im halb gespannten Zustand ein Draht oder Kabelbinder um die Feder gelegt werden und die Feder dann entspannt werden. Uhren mit sehr starker offener Feder, wie billige 30-Tage Federzugregulatoren, sollte man besser in Ruhe lassen!!
Bei Uhren mit Federhaus lässt man die Feder am einfachsten in ihrem Federhaus, ohne sie zu reinigen. Dies ist zwar ein wenig Schlamperei, aber es geht nicht wesentlich besser.
Bei den relativ robusten Uhrwerken wie sie in Kuckucksuhren und amerikanischen Uhren verwendet wurden (Ich gehe mal davon aus, da es sich nicht um Uhrwerke mit Holzteilen handelt) kann man bei der Wahl des Reinigungsmittels wenig falsch machen. Das einzige was passieren kann ist, dass Wasserreste (so diese im Reinigungsmittel sind) im Uhrwerk verbleiben und zu Rost fuehren. Deswegen (und wegen der gruendlicheren Reinigung) muss das Uhrwerk zerlegt werden. Teile die nur schlecht ganz zerlegt werden koennen (z.B. oft die Kettenraeder an modernen Kuckucksuhren), sollte man nach der Reinigung erwaermen, um sie ganz zu trocknen.
Bei der Auswahl der Reinigungsmittel kommt es darauf an, wie alt die Uhr ist, wie stark verschmutzt und wie sie nach der Reinigung aussehen soll. Uhren, die die meiste Zeit ihres bisherigen Lebens in trockenen Raeumen standen und nicht allzu alt sind, weisen im Allgemeinen nur eingetrocknetes Oel auf. Zum Reinigen muss dieses nur entfernt und durch Neues ersetzt werden. Man koennte dazu Benzin nehmen, aber im Prinzip genausogut Brennspiritus oder Spuelwasser. Spiritus hinterlaesst leider einen weissen Belag, der muehsam abgerieben werden muss, Spuelwasser muss sehr sorgfaeltig getrocknet werden. Am besten eignet sich Benzin, aber ist auch am unangenehmsten zu verarbeiten. Bei allen Verfahren ist es notwendig, die Zapfenloecher und aehnliche Stellen mit Zahnstochern oder Wattestaebchen auszureiben, bis sie sauber sind.
Bei sehr stark verdreckten Uhren kann man das Uhrwerk durchaus erst einmal in heissen Spuelwasser vorreinigen (das man einfach wegschuetten kann) und verdirbt sich damit nicht so grosse Mengen an Reinigungsmittel, das teurer ist und oft sorgfaeltig entsorgt werden muss.
Bei starker verschmutzten und aelteren Uhren sollte man eine richtige Reinigungsfluessigkeit verwenden. So etwas kann man z.B. bei Selva kaufen, allerdings auch sehr einfach selber mixen. Bei den meisten Mischungen handelt es sich um Ammoniakhaltige Fluessigkeiten. Im einfachsten Fall fuellt man einen Behaelter mit sehr heissen Wasser und Spuelmittel und gibt ca. 10% (ganz ungefaehr!) Salmiakgeist (Kein Ammonmiak!) dazu. (Stinkt bestialisch!) In dieser Loesung verbleiben alle Teile aus Messing oder Stahl/Messing fuer ca. eine Stunde. Dabei ist sehr SEHR SEHR! sorgfaeltig darauf zu achten , dass kein Teil sich ausserhalb der Fluessigkeit befindet, da dieses sonst schwarze Flecken bekommt, die man nur noch muehsam wegpolieren kann. Dies geschieht allerdings nicht in Sekunden, also keine uebertriebene Panik. Nach ca. 1 Stunde wird der Behaelter mit sehr viel Wasser gespuelt, und die Teile abgegossen. Anschliessend muessen sie mit Benzin abgerieben (Zahnbuerste ist oft sehr gut geeignet) und sorgfaeltig getrocknet werden. Die Teile sollten danach wieder sehr sauber und glaenzend sein.
Bei diesem Verfahren ist zu beachten: Es wird gesagt, dass Ammoniakhaltige Mittel bei Messing Spannungsrisskorrosion ausloesen koennen, was das Bauteil zerstoert. Mir ist dies noch nicht passiert, und ich habe auch noch von keinem konkreten Fall gehoert. Trotzdem sollten man diesen Hinweis im Hinterkopf behalten und die Loesung nicht auf sehr wertvolle und alte (vor 1800) Uhren anwenden.
Will man die Messingteile glaenzend haben (was sie allerdings im Allgemeinen bei diesen Uhren nicht waren) kann man sie auch polieren. Dabei ist aber darauf zu achten, alle Reste des Poliermittels vollstaendig zu entfernen, da sie sonst im spaeteren Betrieb alles zerschleifen. Ferner sollte man darauf achten, die Kanten der Messingteile nicht allzusehr abzurunden.
Ein weiteres Mittel das man ausprobieren kann, ist 'Never Dull', dass es im Auto und Motorradhandel gibt. Es eignet sich teilweise recht gut um angelaufenes Messing zu reinigen.
Das bisherige bezieht sich auf Schmutz und angelaufenes Messing. Bei rostigen Stahl helfen diese Methoden natuerlich nicht. Hier muss man i.A. den Rost einfach mit feinen Schleifpapier abschleifen und polieren oder mit Stahlbuersten behandeln. Andere Moeglichkeiten waeren kommerzielle Rostloeser (habe ich aber noch nie ausprobiert) oder die recht wirksame aber etwas aufwendigere elektrolytische Entrostung, mit der ich recht gute Erfahrungen gemacht habe: http://www.bhi.co.uk/hints/rust.htm
Das ist alles, was mir im Moment zum Reinigen von Grossuhrwerken einfaellt. Ich hoffe, Ihnen sind die Gefahren, die von einem Federgetriebenen Uhrwerk beim zerlegen ausgehen, bewusst. Ausserdem mochte ich Ihnen das Buch 'Reparieren alter Uhren' von Eric Smith (ISBN: 3-7667-1049-4, Preis 44,00 DM, 232 S.) empfehlen, das die meisten Aspekte dieser Arbeit sehr schoen beschreibt.
Wann und von wem wurde die Automatikuhr erfunden?
Die Automatikuhr (oder das Prinzip des automatischen Aufziehens) wurde wohl von Louis Perrelet im Jahre 1770 erfunden, allerdings bewerben sich auch andere, wie Breguet, um diese Ehre. Bei Taschenuhren hat sich das Prinzip allerdings nie durchgesetzt, zum einen wohl wegen der geringen Bewegung der Uhr in der Uhrentasche, zum anderen wurde der automatische Aufzug nach Einfuehrung des Kronenaufzugs weniger wichtig (Bei der Einfuehrung des automatischen Aufzugs bei der Taschenuhr stand weniger der Aspekt der Bequemlichkeit im Vordergrund, als der Verzicht auf einen leicht verlierbaren Aufzugschluessel und ein Aufzugsloch, durch das Schmutz in die Uhr eindringen kann)
Bei Armbanduhren wurde der automatische Aufzug komplett neu erfunden. Im Jahr 1923 meldete der Englaender John Harwood einen Mechanismus zum automatischen Aufzug von Armbanduhren zum Patent an, der in etwa den heutigen Konstruktionen entspricht. Auch hier war der Verzicht auf die Aufzugskrone und die damit verbundene Oeffnung im Uhrengehaeuse ein wichtiger Aspekt. Die Zeigerstellung erfolgte ueber eine drehbare Luenette, die Uhr konnte nicht von Hand aufgezogen werden. Die Uhr wurde ab 1929 von der Firma Schild in der Schweiz hergestellt, und unter dem Namen Harwood verkauft. Dies ist die erste in Serie hergestellte automatische Armbanduhr. Im Rahmen der Wirtschaftskrise 1931 wurde die Produktion dieser Uhren eingestellt.
Ab 1931 wurden verschiedenste Systeme von Automatikuhren angeboten, bei den meisten allerdings wurde weiterhin auf einen zusaetzlichen Handaufzug verzichtet. Richtig durchgesetzt hat sich der automatische Aufzug in seiner modernen Form mit Handaufzug und Zeigerstellung ueber die Krone, aber trotzdem dichten Gehaeuse, wohl erst mit der 1932 erschienen Rolex Perpetual.
Was sind Glashütter Uhren?
Irgendwann in der Mitte des 19.Jhdts gruendete ein Herr Adolf Lange in Glashuette eine Uhrenfabrik, um der dortigen Region Aufschwung zu verleihen. Vorher ernaehrten sich die Leute dort im wesentlichen von der Strohflechterei. Die Firma wurde bald fuer die extreme Qualitaet ihrer Uhren bekannt. Verschiedene Angestellte der Firma machten eigene Betriebe auf, andere siedelten sich an, so dass sich Glashuette zu einem Ort entwickelte, in dem Uhren aller Art (auch Pendeluhren und Seechronometer) und Werkzeuge hergestellt wurden, alles von bester Qualitaet. Auch eine Uhrmacherschule wurde gegruendet. Taschenuhren aus dieser Uhrmacherschule (die als Meisterstuecke hergestellt wurden) gehoeren heute zu den teuersten Uhren ueberhaupt (die Preise gehen in die Hunderttausende). In der DDR wurden in Glashuette immer noch Uhren gebaut, deren Ruf war alledings weniger gut, konnten allerdings dem Namen auch nicht schaden. Nach der Wiedervereinigung wurden einige Firmen neu oder wiedergegruendet, die fast sofort zu den absoluten Spitzenmarken aufgestiegen sind (Lange, Nomos, Glashuette Original). Diese liegt z.T. an der guten Qualitaet der Uhren, aber auch an dem legendaeren Ruf der Stadt.
Was sind Jahresuhren?
Die Jahresuhr in der heutigen Form (heutige Form deswegen, weil gelegentlich auch konventionelle Uhren gebaut wurden, die durch sehr lange Pendel und sehr schwere Gewichte auf ein Jahr Laufzeit gebracht wurden) wurde 1881 von Anton Harder erfunden. Harder war kein Uhrmacher, sondern, wenn ich mich recht erinnere, Offizier, sozusagen ein Amateur, der eine gute Idee hatte. Leider wollte diese Idee lange niemand haben, die Produktion wurde dann aber doch von der Firma Schatz in Triberg aufgenommen. Spaeter wurden diese Uhren von verschiedenen Firmen hergestellt, ganz gelegentlich werden sie heute noch angeboten, so dass zu vermuten ist, dass sie auch noch heute hergestellt werden.
Wenn Sie ein technisch interessierter Mensch sind, werden sie die Vorteile des Torsionspendels sofort erkannt haben: Ein Schwinger in einer Uhr erfordert immer eine Schwungkraft des Pendels oder der Unruh und eine Gegenkraft, beim Pendel die Schwerkraft, bei der Unruh und beim Drehpendel eine Feder. Die Gegenkraft der Aufhaengungsfeder beim Drehpendel ist extrem gering. Damit ergibt sich auch eine sehr geringe Schwingfrequenz des Pendels. Andererseits laueft das Drehpendel fast reibungsfrei, nur gegen den Luftwiderstand, und erfordert eine sehr geringe Antriebskraft. Beides ermoeglicht lange Laufzeiten.
Es gibt zur Altersunterschiedung bei Jahresuhren nur zwei Typen: Beim aelteren Typ ist das Drehpendel eine flache Scheibe, auf der zwei Gewichte liegen. Diese Gewichte werden zur Einstellung der Schwingfrequenz mit Hilfe einer Gewindespindel nach innen oder aussen gestellt. Diese Uhren wurden bis in die 30er Jahre hergestellt. Beim neueren Typ, der bis heute hergestellt wird, besteht das Pendel aus vier Kugeln, die auseinander oder zusammengestellt werden koennen.
Was ist ein Regulator?
Im 19.Jhdt hat sich ein bestimmter Praezisionsuhrentyp herausgebildet, in einem einfachen rechteckigen Holzgehaeuse, Gewichtsaufzug und sehr hochwertigen Werk. Das Pendel war i.A ein Sekundenpendel (d.h. das Pendel macht in der Sekunde eine Halbschwingung). Diese Uhren werden eigentlich Regulatoren genannt (Name stammt wahrscheinlich daher, dass sie haeufig von Uhrmachern zum Regulieren anderer Uhren verwendet wurden, bin mir aber jetzt nicht sicher). Diese Art Uhren waren sehr teuer und wurden in geringen Stueckzahlen hergestellt. Hier sehen Sie zwei Exemplare einer Sonderform dieser Uhren, der Wiener Regulator.
Ende des 19. Jhdts begannen die meisten Uhrenfabriken damit, abgeleitet von dieser Form, relativ billige Federzugregulatoren zu bauen, d.h. Antrieb mit Zugfeder anstatt Gewicht, mit einem sehr einfachen Uhrwerk und meist mit Schlagwerk ('Echte' Regulatoren haben i.A. keine Schlagwerke). Als Pendel wurden kuerzere Pendel als das Sekundenpendel verwendet. Auch diese Uhren werden Regulatoren, allerdings besser Federzugregulatoren genannt.
Das Alter solcher Uhren kann man relativ einfach und genau einschaetzen. Von ca. 1870 (Beginn der weiten Verbreitung) bis ca. 1915 waren die Gehaeuse im neogotischen Gruenderzeitstil gestaltet, mit vielen gedrechselten und geschnitzten Verzierungen. Der Begriff Gruenderzeit, den Sie auch erwaehnten, leitet sich meines Wissens nach von der Gruendung des Deutschen Reiches 1871 ab. Damit verbunden war ein Umschwung in der Industrie in Deutschland. Die Fabriken wurden durch den groesseren Binnenmarkt und bessere Kreditvergabe u. ae. groesser, die verwendeten Techniken entwickelten sich mehr zur Massenproduktion. In unserem Zusammenhang hat sich dies dahingehend ausgewirkt, dass die Herstellung billiger, massenproduzierter Blechverzierungsteile moeglich wurde, die oft in hohem Masse Uhren dieser Zeit "verzieren". Spaeter kam die Zeit des Jugendstil und Art Deco. Diese Zeiten sind meiner Erfahrung nach relativ schwer auseinanderzuhalten - Jugendstil ist etwas verspielter und floraler als Art Deco. Beide Stilarten spielten aber in der deutschen Uhrenindustrie keine allzu grosse Rolle. Beispiele finden Sie hier. Ab ca 1925 setzte sich ein ganz einfacher und strenger Stil durch, der noch vom Art Deco beeinflusst war, und in den 40er Jahren zu fast voelliger Schmucklosigkeit ueberging. In den 30er bis 40er Jahren wurde ausserdem der Regulator durch die "Napoleonshutuhr" als Standard-Wohnzimmeruhr langsam abgeloest.