bei Johann Daniel Claß 1800
Uhren, sind bekanntlich künstlich eingerichtete
Maschinen oder Zeitmesser, die die ganzen und Viertelstunden, ja
sogar die Minuten und Sekunden genau anzeigen, und von mancherlei
Art, Materie und Einrichtung in den Handel kommen. Man hat
Wasseruhren (Montres a l'eau), die durch eine Quantität Wassers,
welches aus einem Glas in das andere successive läuft, die
Stunden anzeigen, so wie dies die Sanduhren (Sabliers), auch mit Sand
thun. Die Sonnenuhren (Cadrans solaires), zeigen durch den Schatten
eines Zeigers die Stunden an, und sind von mancherlei Gestalt. In
Ansehung des Orts oder der Stellung, sind die Uhren in unbewegliche,
als Thurm- Kirchen- und Stadtuhren, Wanduhren, oder in bewegliche,
als Stutz-, Stock- und Kabinetuhren, Sackuhren (Montres) eingetheilt.
Die Stutz- Stock- oder Kabinetuhren werden in schöne und
wohlverzierte Gehäuse oder Uhrenstöcke gemacht, und auf
Tische, Consols, Commoden und Schränke gestellt, die
Taschenuhren aber, die wieder sehr verschieden sind, in der Tasche
getragen.
In den Handel kommen zunächst die Sand- Stock- und Taschenuhren,
folglich kann nur von diesen hier die Rede seyn.
Die Sanduhren werden in Menge in Sonnenberg, Nürnberg und
Fürth gemacht, und nach dem Duzende gehandelt. Man hat deren mit
2 Gläsern oder einfach, und mit 2 Paar Gläsern oder
doppelte, mit rothem und mit weissem Sand, in Metallblech und in Holz
gefaßt, und handelt sie, wenn sie besonders schön gemacht
sind, auch nach dem Stück.
Die Stockuhren hat man mit und ohne Schlagwerke, gewöhnlich,
wenn sie die Stunden schlagen, mit Repetierwerken, verschiedene mit
Glockenspielen, Pfeifenwerken oder Flötenuhren. Man macht sie
überall, wo sich sogenannte Großuhrmacher befinden, am
meisten aber für den Handel in England, Frankreich und der
Schweiz, zu London, Birmingham, Paris, Rouan, Strasburg und Genf. In
Deutschland in Augsburg, Mergentheim, Mannheim, Wien, Berlin und
Dresden. Die Stöcke oder Gehäuse, worinnen diese Uhren
aufgehängt werden, sind eine Waare der Bildschnitzer. Die
mathematischen Uhren, oder astronomischen und Seeuhren, welche durch
Gewichte getrieben werden, gehören nicht hierher, und werden nur
auf Vorherbestellung gemacht, wohl aber die in Menge auf dem
Schwarzwalde gemacht werdenden Hängeuhren mit hölzernen
Triebwerk, darunter man Stücke für 1 fl. 30 kr., aber auch
mit künstlichen Spielwerken oder musicalische Uhren, zu 4 bis
600 fl. das Stück am Werthe hat. Man nimmt an, daß auf dem
Schwarzwalde, namentlich um die Gegend des Städtchens Neustadt
und in Neustadt selbst, jährlich für 200 tausend Gulden
hölzerne Uhren gemacht, und meist nach den nordischen Gegenden
abgesetzt werden.
Indessen sind die Sackuhren doch zunächst der allerbedeutendste
Handelsgegenstand aus dem Artikel Uhren. Man unterscheidet sie in
goldene, silberne und semilorne oder tombackene in Ansehung des
Gehäuses; und in Stunden- Minuten- und Sekundenuhren,
rücksichtlich des Zeigerwerks; in Parthieuhren, wenn sie Monats-
und Wochentage und die Declinationen des Mondes anzeigen; in
Cylinderuhren, wenn sie ohne Kette blos durch die Feder gangbar
gemacht werden; und in Repetieruhren, wenn sie durch einen Druck an
den Bügel, die verflossenen Stunden, Vierteln und Minuten, durch
Schläge auf einer in dem Gehäuse angebrachten Glocke, oder
an dem Gehäuse selbst anzeigen. Die meisten dieser Art Uhren
liefern Genf, Paris, London, Augsburg, Wien, Constanz, Locle,
Chaudefond, Fürth, Aichach und Friedsberg in Baiern, Grieshaber
bei Augsburg, und die fast in jeder Stadt sitzenden einzelnen
Uhrmacher. Die Güte der Uhren und der Gehalt an den
Gehäusen, rücksichtlich der bei letztern verwendeten edlen
Metalle, ist sehr verschieden, man hat daher Ursache, auf guter Hut
zu seyn, um nicht betrogen oder doch wenigstens nicht
übervortheilt zu werden. Die ächt englischen und ächt
französischen Uhren werden für die besten gehalten,
indessen macht man sie in Deutschland und in der Schweiz auch sehr
gut. Man handelt diese Waare nach dem Stück, und sieht darauf,
daß man immmer die neueste Fasson rücksichtlich der
äussern und innern Forme bekommt. Die Kennzeichen einer guten
Sack- oder Taschenuhr sind hauptsächlich die, daß sie gut
und lebhaft, und mit gleichem Unruhschlage gehe, oder nach der
Sprache der Uhrmacher, gleich abfalle; daß die Zähne und
Getriebe rein, gleich und fleissig ausgearbeitet sind, und die
Spindels von gutem Stahl, wohl gehärtet und gut poliret werden,
und das ganze Werk eine starke Vergoldung habe. Die Uhr muß gut
in das Gehäusse passen, und letzters stark und von ächten
Metall seyn, von Tomback oder Semilor aber, eine starke Vergoldung
haben.
Uhrfournituren. Man begreift unter diesem Artikel alles dasjenige, was zu einer Uhr gehört, und von dem Uhrmacher nicht selbst gemacht wird, als: Zifferblätter, Triebstahl, Ketten, Federn, Spiralfederchen, Zeiger, Uhrglässer und die Gehäusse. Man bringt die meisten dieser Artikeln aus der Schweiz, aus Frankreich und aus England zum Handel. Die Gläser kommen aus den böhmischen und französischen Glashütten; die Zifferblätter von Genf, Lausane, Paris und Rouen; die Ketten und Federn aus England, Frankreich und von Genf, die Gehäusse von Genf, Paris, Rouen, Augsburg, Fürth und Nürnberg.
Der Uhrmacher-Werkzeug wird auch zu den Fournituren gezählt, man erhält ihn am besten aus England und Frankreich, jedoch ist auch der, so in Genf gemacht wird, nicht zu verachten, er wird auch in Wien, Augsburg und Nürnberg ziemlich gut nachgemacht.
Uhrgehäuse. Diejenigen Uhrgehäuse, welche zu den Taschenuhren gehören, sind ein bedeutender Waarenartikel. Man macht sie von Gold, Silber, Semilor und Tombak. In den Handel kommen am meisten diejenigen, welche zu Paris, Rouen, Genf, Neuburg in der Schweiz, Augsburg, Nürnberg und Fürth gemacht werden. Die semilorne und tombackene Waare weggerechnet, welche blos eine gute Vergoldung haben soll, ist der Gehalt der silbernen und goldenen Uhrgehäuse, sehr verschieden, und man hat alle Vorsicht nöthig, um nicht betrogen zu werden. Bei den goldenen französischen Uhrgehäusen, ist der Gehalt des Goldes auf 20 1/4 Karat mit 1/4 Karat Remedio bestimmt, bei den silbernen aber auf 11 Deniers 12 Grains, mit 2 Grains an Remedium. Die französischen Gehäuse sind gestempelt und kontrollirt, worauf man genau zu sehen hat, besonders ob der Stempel auch ächt ist. Mit den Uhrgehäusen, die von Genf, aus andern Plätzen der Schweiz und von Augsburg, Fürth und Nürnberg kommen, muß man es noch genauer nehmen. Selten findet man Gold daran, das 18 Karat, und Silber, das 9 bis 10 Deniers hielte. Letzteres bleibt sich meist gleich, allein unter den goldenen Gehäusen der letztgenannten Plätze, trift man 14 karatige, ja mehrere 8 und 6 karatige an; nicht selten auch welche, denen der Name Gold gar nicht mehr gebührt, und eine elendere Mischung als Semilor haben, auch in der Folge des Gebrauchs müssen vergoldet werden. Die Uhrgehäuse zu den Stockuhren, sind eine Waare der Bildhauer, die meisten und schönsten kommen von Wien.
Adresse des Originals: http://www.ub.uni-bielefeld.de/diglib/jacobi/neues/index3.htm
Seite 228-231
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