Ob ich wohl schon vorhin erkläret habe, was ich unter der scheinbaren und gleichen Zeit verstehe, und gewiesen, wie man sie beyde mit hinlänglicher Richtigkeit finden könne; so müssen wir doch, um unsere gegebene Theorie mit der Praxi recht zu verknüpfen, etwas davon wiederhohlen.
Die scheinbare Zeit, welche uns der Umlauf der Sonnen machet, ist eigentlich die wahre Zeit eines natürlichen Tages, und daher wäre zu wünschen, daß uns dieselbe auch von unsern Uhren angezeiget würde. Weilen nun die Periodi der scheinbaren Zeit unter sich ungleich sind, die grösseste Vollkommenheit aber, so man den Uhren geben kan, darinnen bestehet, daß man die Periodos ihres Ganges gleich machet, so folget daraus: daß eine Uhr auf dem Zifferblatte die scheinbare Zeit unmöglich richtig anzeigen könne, so lange ihr Gang nach der gleichen Zeit genau eingerichtet ist.
Nun zeiget aber eine gut gemachte Uhr die gleiche Zeit genau an, und also unterscheidet sie sich von der wahren Zeit, so wie die wahre von der gleichen Zeit
Da es nun aus angeführten Ursachen unmöglich ist, eine Perpendikel-Uhr dergestalt einzurichten, daß die Zeit, welche uns die Sonne machet, genau anzeigen könne; so ist nöhtig, daß man ihre Zeigernadel von Zeit zu Zeit rücke, und sie so genau als möglich, nach der scheinbaren Zeit richte.
Hieraus siehet man, daß die Streiche einer Perpendikel-Uhr, auf die gleiche, ihre Zeigernadeln aber, auf die wahre Zeit müssen gerichtet werden.
Vors erste muß man wissen, wie man die Streiche einer Perpendikel-Uhr so einrichten könne, daß sie die gleiche Zeit abtheilen; dieses geschiehet, entweder vermittelst der Sonne, oder vermittelst der Fixsterne.
Wil man die Streiche einer Perpendikel-Uhr, vermittelst der Sonne, abtheilen, so mus man ferner wissen, erstlich: um wie viel die Bewegung der Sonne von der gleichen Zeit unterschieden sey; und zweytens: die Zeit, worinnen diese Unterscheide sich eigentlich zutragen; dann der Sonnenlauf ist zu gewissen Zeiten geschwinder, als die gleiche Zeit, zu gewissen Zeiten hingegen langsamer als dieselbe. Kennet man nun diese Zeiten, und die Dauer ihrer Veränderung, so kan man die Perpendikel-Uhr leicht so einrichten, daß sie der Sonne um so viel vorkomme, als dieselbe langsamer gehet, und dagegen um so viel langsamer gehe, als die Sonne geschwinder läuffet.
Die Sternkundige, denen die Ursache dieses veränderlichen Laufs der Sonnen wohl bekandt gewesen ist, haben gewisse Ausrechnungen gemachet, und darinnen die Zeiten, und den Unterscheid der Veränderungen der gleichen Zeit bemerket, welche sie Aequations- (Gleichungs-)Tabellen des Sonnenlaufs nennen: Unter denen verschiedenen Ausrechnungen, so man davon hat, habe ich aus gewissen Ursachen diejenigen, welche von dem Verfasser des Buchs: La Connoissance des Temps, herrühren, und von der Königlichen Academie der Wissenschaften zu Paris gebilligt sind, allen andern vorgezogen.
Doch habe ich vor gut befunden, meiner Aequations-Tabelle eine ganz andere Form zu geben, als allen übrigen Tabellen, so ich sonst davon gesehen; weilen ich wahrgenommen, daß alle Tabellen, nach der gewöhnlichen Einrichtung, gemeiniglich von so beschwerlichem Gebrauch sind, daß die meisten, als Ungeübte, solche eher bey Seite legen, ohne sie anzusehen, als sich die Mühe geben, sie verstehen zu lernen. Sihe am Ende dieses Capitels die Aequations-Tabelle des ungleichen Sonnenlaufs.
Es ist aber diese Tabelle um so viel leichter zu begreiffen, je kürzer sie ist; und ob ich sie gleich mit den kleinesten Theilen der Zeit, von dem veränderlichen Lauf der Sonne vor jeden Tag, bis auf die Secunden, (als mit einer zum gemeinen Gebrauch ohnedem unnöhtigen Sache) nicht angefüllet habe, so muß man ihr doch diesen Vorzug lassen, daß sie nur den zwanzigsten Theil von Zahlen in sich begreiffet, als andere dergleichen Tabellen. Dann da man auf einem guten Sonnenweiser die Tageszeit nicht leicht genauer als bis auf ohngefehr ein bis zwey Minuten sehen kan, so dürfte der Nutzen wohl sehr geringe seyn, wann man zum gemeinen Gebrauch in der Ausrechnung noch genauer gehen wolte, als bey anzustellenden Observationen. Doch wir wollen diese Tabelle weiter erklären.
Sie ist demnach in so viel abgesonderte Columnen eingetheilet, als Monate im Jahre sind. Den Namen eines jeden Monahts trift man über jeder Columne an.
Die Zahlen in jeder Columne bemerken die Tage desselben Monahts, und der Unterscheid des Sonnenlaufs mit der gleichen Zeit, beträget zwischen diesen Zahlen allemahl zwey Minuten, von dem ersten Tage des Monahts anzurechnen; die Zahl aber, welche unten auf jeder Columne befindlich ist, zeiget die Anzahl der Minuten vor jeden Monahte überhaupt an.
Ueberdem muß man merken: daß in denenjenigen Monahten, deren Namen mit gewöhnlicher Fracturschrift gestochen sind, der Sonnenlauf langsamer ist, als die gleiche Zeit,weßhalb auch unter den Columnen dieser Monaht mit eben dergleichen Schrift gestochen ist: Die Sonne gehet langsam.
Dagegen in denen Monahten, deren Namen mit Schwabacherschrift gestochen sind, ist der Sonnenlauf geschwinder als die gleiche Zeit, und die natürlichen Tage von Mittag bis wieder zu Mittag gerechnet, sind kürzer als vier und zwanzig Stunden, und unten stehet mit eben solcher Schrift: Die Sonne gehet geschwinde.
Also siehet man gleich mit einem Blicke, daß im Januario, Maio, Junio, Julio, Novembri und Decembri die Sonne langsam, hingegen, im Februario, Martio, Aprili, Augusto, Septembri und Octobri geschwinde gehe.
Wil man sich dieser Tabelle bedienen, und darnach eine Perpendikel-Uhr nach der gleichen Zeit einrichten, so muß man sie den ersten, oder an einem andern auf jeder Columne bemerkten Tage, im Monahte, des Mittages mit der Sonne gleich stellen, und Acht geben, ob die Sonne in diesem Monahte geschwinde oder langsam gehe; man wird bald sehen können, ob die Perpendikel-Uhr mit der gleichen Zeit genau eintreffe: dann wann man einige Tage nachher die Uhr gegen den Sonnenlauf hält, und es findet sich, daß sie um eben so viel geschwinder gegangen, als der Sonnenlauf vor der gleichen Zeit langsam gewesen ist, oder im Gegentheil; daß sie um eben so viel langsamer gegangen, als der Sonnenlauf vor der gleichen Zeit geschwinde gewesen ist, so gehet sie richtig nach der gleichen Zeit, das ist: sie gehet vollkommen richtig.
Ist aber die Perpendikel-Uhr geschwinder gegangen, als der Sonnenlauf langsam gewesen ist; oder im Gegentheil, ist sie langsamer gegangen als der Sonnenlauf geschwinde gewesen ist, so muß man sie stellen. Dieses geschiehet nun folgender Gestalt: Sol die Uhr geschwinder gehen, so erhöhet man die Kugel des Perpendikels, sol sie aber langsamer gehen, so erniedriget man dieselbe ein wenig.Zu mehrerer Erläuterung, wil ich einige Exempel anführen.
Man stelle den 1ten Januarii, als welchem Monahte, nach unserer Tabelle, die Sonne langsam gehet, seine Perpendikel-Uhr just nach einem Sonnenweiser, und gebe Achtung, ob sie vom ersten bis zum fünften Tage dieses Monahts zwey Minuten, vom 5ten bis zum 10ten wieder zwey Minuten, ferner vom 10ten bis zum 15ten zwey Minuten, noch vom 15ten bis zum 22ten zwey Minuten, und dann endlich vom 22ten bis zum 31ten wieder zwey Minuten, also im ganzen Monaht überhaupt zehen Minuten, wie unten in der Columne bemerket ist, geschwinder als die Sonne gehet; thut sie dieses, so zeiget sie die gleiche Zeit richtig an, und gehet vollkommen richtig.
Liesse sich etwa, trüben Wetters halben, am ersten Tage im Monahte die Sonne nicht sehen, so fängt man seine Observation den fünften Tag im Monaht an, und fähret damit fort, wie vorhin gewiesen, bis zum Ende des Monahts; gehet nun inzwischen die Uhr zehen Minuten geschwinder als die Sonne, so kan man sicher glauben, daß sie die gleiche Zeit genau anzeiget.
Weiter: im Monaht April sol die Perpendikel-Uhr langsamer gehen als die Sonne; richtet man sie nun den 1ten dieses Monahts nach dem Sonnenweiser ein, so wird sie von da an bis zum 8ten, zwey Minuten, vom 8ten bis zum 15ten wieder zwey Minuten, noch vom 15ten bis zum 24ten zwey Minuten, und vom 24ten bis zum Ende des Monahts eine Minute, überhaupt aber im ganzen Monaht sieben Minuten langsamer gehen als die Sonne, wie diese Columne solches unten nachweiset.
Ich habe nur diejenigen Tage in der Tabelle gesetzet, zwischen welchen der Unterscheid der Sonnen mit der gleichen Zeit zwey Minuten beträget, und weilen von dem letzten, in jeder Monahtscolumne bemerkten Tage, bis zum Ende des Monahts der Unterscheid nur eine Minute ausmachet, so ist solcher, zum Exempel, wie vorhin im April, imgleichen im Junio, Julio, Augusto, Septembri und Novembri, der ganzen Summa, welche dahero ungleich ist, am Ende jeder Columne hinzugethan worden. Nur in denen beyden Monahten, dem Februario, und Maio, wo der Unterscheid der Sonnen im ganzen Monahte nicht völlige zwey Minuten beträget, stehet gar nichts angesetzet, angesehen dieser Unterscheid so klein ist, daß er nicht verdienet bemerket zu werden.
Ein jeder, der nur ein wenig Acht gehabt, wird nunmehro durch obige Exempel, die Einrichtung und den Gebrauch unserer Aequations-Tabelle leicht begreiffen lernen, indem alles, was ich vom Januario gesaget, auch beym Maio, Junio, Julio, Novembri und Decembri in Acht genommen werden muß, sintemalen es lauter Monahte sind, worinnen die Sonne langsam gehet, und alles, was beym April gewiesen ist, auch vom Februario, Martio, Augusto, Septempri und Octobri, als vor lauter solchen Monahten zu verstehen, worinnen die Sonne geschwinde gehet; Man darf also nur bloß auf die verschiedene Zeiten und auf die Anzahl der Minuten bey der Veränderung des Sonnenlaufs Acht haben, wie solche in, und unter jeder Monahtscolumne, durch Zahlen und Schriften, angedeutet sind.
Wir haben also gesehen, wie man eine Perpendikel-Uhr nach der Sonne stellen müsse, wann sie uns die gleiche Zeit anzeigen sol; im folgenden werde ich Anleitung geben, auf was Weise man eben dieses vermittelst der Fixsterne bewerkstelligen könne.
Das vorhergehende Capitel gibt uns Anleitung, wie man die gleiche Zeit, mit Hülfe der Fixsterne finden könne, auch daß ein Stern, nach jeder Revolution des Himmels, in vier und zwanzig Stunden weniger drey Minuten und 57 Secunden, an seinen vorigen Ort am Himmel wieder zu stehen komme. Um nun eine Perpendikel-Uhr nach dieser Observation einzurichten, so muß man sie einige Tage um Mittag aus, nach einem Sonnenweiser stellen, damit sie solchergestalt die wahre Tageszeit beynahe anzeige; in der folgenden Nacht observire man den Augenblick, in welchem ein Fixstern sich hinter einem gewissen Vorwurf verbirget, und bediene sich dabey des Unterrichts, den ich im vorhergehenden Capitel gegeben habe; die Stunde, Minute und Secunde, welche die Perpendikel-Uhr, in dem Augenblick, da sich der Fixstern zum erstenmahl verbirget, anzeiget, schreibe man gleich auf, und stelle in der hierauf folgenden Nacht, vorbeschriebene Observation abermahl an, der ersehene Stern wird sich so dann, an eben dem Ort, um drey Minuten und 57 Secunden früher, als in der vorhergehenden Nacht, verbergen, zeiget nun unsere Perpendikel-Uhr bey dieser Observation, den bemerkten Augenblick just drey Minuten und 57 Secunden früher, als bey der vorhergehenden Observation, so gehet sie nach der gleichen Zeit richtig; verbirget sich aber im Gegentheil bey dieser anderen Observation der Stern früher als drey Minuten und 57 Secunden vor der bemerkten Zeit, so gehet die Uhr zu langsam: und dagegen zu geschwinde, wann sich der Stern später als drey Minuten und 57 Secunden verbirget: man muß sie derohalben richten, dadurch, daß man die Kugel an ihrer Perpendikelstange, um ein weniges erhöhet, oder um etwas erniedriget.
Fügt es sich etwa, daß man trüben Himmels halben in etlichen Nachten hinter einander den Stern nicht siehet, so darf man ohne einen Irrthum zu befürchten, nur so viel mahl drey Minuten und 57 Secunden zusetzen, als Nächte verflossen sind, darinnen man an der Observation behindert worden.
Zum Exempel, es wäre die Uhr den ersten Januarii des Mittages just nach der Sonne gestellet, und man hätte in der darauf folgenden Nacht, die Observation mit dem Fixstern angefangen, der Stern aber hätte sich um 10 Uhr 7 Minuten und 25 Secunden hinter den erwählten erhabenen Vorwurf verborgen. Erlaubt es die Klarheit des Himmels, die Observation in der folgenden Nacht fortzusetzen, so wird der Stern 3 Minuten und 57 Secunden vor 10 Uhr 7 Minuten und 25 Secunden, nemlich um 10 Uhr 3 Minuten und 28 Secunden an eben dem Ort sich verbergen; in der dritten Nacht schon um 7 Minuten 54 Secunden früher, als bey der ersten Observation, nemlich: um 9 Uhr 59 Minuten und 31 Secunden, und so immer in gleicher Verhältnis fort. Trift nun die Perpendikel-Uhr mit diesen Ausrechnungen ein, so zeiget sie die gleiche Zeit genau an.
Damit man aber des öfteren beschwerlichen Addirens und Substrahirens könne überhoben seyn, so habe ich eine kleine Tabelle verfertiget, darinnen man die Voreilung (Acceleration) der Fixsterne, so gleich sehen kan. Siehe am Ende des Capitels die Tabelle von der Acceleration der Fixsterne, vor der mittlern Bewegung der Sonnen.
In dieser Tabelle darf man nur auf der ersten Columne die Anzahl der Nächte suchen, welche währender Zeit, da man an Beobachtung des Fixsterns behindert worden, verflossen sind, so findet man gegen über die Anzahl der Minuten und Secunden, welche der Stern in so viel Nächten, vor der Perpendikel-Uhr voraus bekommen muß; wenn man nun diese Minuten und Secunden, von der bey der ersten Observation durch die Perpendikel-Uhr bemerkten Zeit abziehet, so zeiget der Ueberrest die Zeit an, welche die Uhr bey der zweyten Observation weisen sol, wann sie richtig gehet.
Zum Exempel: man richtete seine Perpendikel-Uhr, den ersten Martii recht nach einem Sonnenweiser ein, und unser Fixstern verbärge sich die folgende Nacht, just um 11 Uhr; man liesse darauf fünf Nächte verlauffen, bevor man die angefangene Observation mit eben dem Fixstern fortsetzete, das ist: man sähe bey dieser zweyten Observation den Stern an dem ersten Ort sich verbergen; so siehet man gleich nach der Uhr, und bemerket die Stunde, Minute und Secunde, wann dieses geschiehet, und suchet in der ersten Columne der Tabelle die Zahl 5, als die Anzahl der verflossenen Nächte, zwischen der ersten und zweyten Observation, und findet gegen über 19 Minuten und 45 Secunden stehen, diese ziehet man von 11 Uhren, als der Zeit der ersten Observation, ab, bleiben 10 Uhr 40 Minuten 15 Secunden vor die Zeit, welche die Perpendikel-Uhr bey der andern Observation anzeigen muß. Thut sie dieses, so gehet sie ganz richtig: zeiget sie aber mehr oder weniger, so muß man sie auf vorbeschriebene Manier langsamer oder geschwinder richten. Dieses einzige Exempel mag genug seyn zur Nachricht: wie man sich der Tabelle von der Acceleration der Fixsterne, vor der mittlern Bewegung der Sonnen, bedienen könne.
Und also habe ich gewiesen, auf was Art und Weise man die Streiche der Perpendikel-Uhr, entweder nach der Sonnen, oder nach den Fixsternen, dergestalt einrichten könne, daß sie die gleiche Zeit richtig anzeigen müssen,. Weilen uns aber die Sonne die wahre oder scheinbare Zeit abtheilet, so wird, wann die Streiche der Perpendikel-Uhr nach der gleichen Zeit genau eingerichtet sind, ihre Zeigernadel von der Zeit, welche uns eine Sonnen-Uhr anzeiget, eben so unterschieden seyn, als der Sonnen Lauf von der gleichen Zeit; und diesen letzten Unterscheid findet man in den Aequations-Tabellen aufgezeichnet.
Jetzt erwehnten Veränderungen abzuhelfen, wil ich noch eine Regel denen vorhergehenden beyfügen, damit man desto eher im Stande seyn möge, den Zeiger der Perpendikel-Uhr also zu stellen, daß er die wahre oder scheinbare Zeit, so genau als möglich anzeigen müsse, wann inzwischen die Streiche des Perpendikels die gleiche Zeit richtig abmessen.
Zum Exempel: die Perpendikel-Uhr sey den ersten Martii mit der Sonnen gleich gestellet; sie muß also vom ersten bis zum letzten dieses Monahts, 8 Minuten langsamer gehen als die Sonne, und wenigstens den ersten April mit der Sonne wieder gleich gestellet werden. (Gesetzt, man habe den ganzen Martium durch, keine Observation anstellen können.) Scheinet nun die Sonne an diesem Tag nicht, und man wil versichert seyn, daß die Streiche Perpendikel-Uhr, durch die entweder nach der Sonne, oder nach einem Fixsterne (vorhin) angestellte Observationes, richtig nach der gleichen Zeit gehen sollen, so darf man nur die Zeigernadel den ersten April 8 Minuten fortrücken, und dann wird die Uhr mit der Sonne so genau zutreffen, als wann sie täglich darnach wäre gestellet worden.
Ferner, man habe die Perpendikel-Uhr den ersten December mit der Sonnen gleich gestellet; vom ersten bis zum letzten Tag im Monaht, sol sie nach unserer Tabelle 14 Minuten geschwinder gehen als die Sonne; kan man sich nun den ersten Januarii nach der Sonne richten, so wird man sehen, daß der Uhrzeiger alsdann 14 Minuten zurück gestellet werden müsse. Ist dem nun also, und man hat wie vorher die Uhr nach der gleichen Zeit richtig gestellet, so darf man sie den ersten Januarii nur 14 Minuten zurück stellen, die Sonne mag scheinen oder nicht scheinen. Die angeführten Exempel werden hoffentlich zum Unterricht hinlänglich seyn, auf was Art und Weise man mit allen übrigen Monahten, nach Maaßgebung der Aequations-Tabelle verfahren müsse.
Was die Taschen-Uhren anlanget, so kan man solche, nach einer, auf vorbeschriebene Weise in Ordnung gebrachten Perpendikel-Uhr, am besten stellen, ja sie müssen wenigstens alle Wochen einmahl darnach gestellet werden. Diejenigen, welche hierzu keine Gelegenheit haben, können sich, so oft es angehen wil, dazu eines Sonnenweisers bedienen.
Inzwischen können die, nach den Fixsternen angestellte Observationes auch bey Richtung der Taschen-Uhren, gute Dienste thun, wann man statt drey Minuten und 57 Secunden, täglich vier volle Minuten, zu Vermeidung der Brüche, nimt, welche der übrigen drey Secunden wegen, entstehen dürften, immassen dergleichen Kleinigkeiten bey den Taschen-Uhren nicht gemerket werden.
Weilen die Taschen-Uhren häuffig im Gebrauch sind, so habe ich mir vorgenommen in den vier folgenden Capiteln von den Fehlern und Mißbräuchen zu handeln, welche theils im Einkauf bey deren Wahl, theils auch bey ihrem täglichen Gebrauch, in Absicht auf ihre Richtung und Erhaltung, von denenjenigen, die sich darauf nicht verstehen, begangen werden können.
Weilen nicht alle Personen die Gelegenheit haben, ihre Taschen-Uhren nach einer richtigen Perpendikel-Uhr oder Sonnenweiser zu stellen, und sich dahero der öffentlichen Uhren dazu bedienen müssen, so wil man ihnen einige Anleitung geben, wie sie solches aufs behutsamste verrichten können, nemlich: wann sie sich nach den öffentlichen Uhren richten wollen, so muß solches an einem Tage, da die Sonne scheinet, geschehen, die Taschen-Uhr aber nicht eher darnach gestellet werden, als bis des Mittages die Glocke zwölfe schläget; nicht darum, weilen die öffentlichen Uhren zu der Zeit besser, als zu andern Zeiten gingen, sondern darum, weilen ihre Aufseher sie gemeiniglich um Mittag aus, nach einem zu diesem Behuf an dem Glockenthurn mehrentheils befindlichen Sonnenweiser oder Mittagslinie zu stellen pflegen. Den folgenden Tag, oder einige Tage darauf, wann die Sonne wieder scheinet, kan man um eben dieselbe Mittags-Stunde leicht sehen, ob sie richtig gegangen ist; Und auf diese vorgeschlagene Weise, vertrit die öffentliche Uhr die Stelle einer Perpendikel- oder Sonnen-Uhr, sintemahl es solchergestalt eben so viel ist, als ob man sich nach dem Sonnenweiser oder der Mittagslinie am Thurne richtet, deren Mittagsstunde die Glocke bekandt machet. Nur müste man versichert seyn, daß der Glöckner sein Amt wohl in Acht nähme.
Kan man sich aber, als zum Exempel auf dem Lande, oder während einer langen Reise zu Lande oder zur See, auch dieses Hülfs-Mittels, seine Taschen-Uhr zu stellen, nicht bedienen, so gebe man statt dessen, wann der Mond nicht scheinet, auf den Anfang der Morgen- und Abenddämmerung eines Tages Achtung, der des Morgens früh, und des Abends spät, gleich helle ist, und verfahre dabey folgender Massen: So bald es des Morgens anfänget nur so helle zu werden; daß man die Stunden auf dem Zifferblade der Uhr unterscheiden kan, so merke man so gleich die Stunde und Minute dieser Beobachtung in seine Schreibtafel; des Abends thue man eben dieses, zu der Zeit, wann nicht mehr Tag da ist, als des Morgens zu Unterscheidung der Stunden auf der Uhr, erfordert ward. Stehet nun die Stunde, welche die Uhr des Abends anzeiget, von zwölf Uhr eben so weit ab, als sie des Morgens beim Tagesanbruch davon entfernet war, so gehet die Taschenuhr richtig.
Gesetzt zum Exempel: die Taschen-Uhr hätte auf vorbeschriebene Weise, des Morgens auf 6 Uhr gewiesen, und des Abends zeigete sie, nach gleichmässig angestelleter Observation, wiederum auf 6 Uhr, weilen die Zwischenzeiten der Morgenstunden von 6 bis zu 12 Uhr Mittages, mit den Nachmittagesstunden von 12 Uhr Mittages, bis Abends um 6 Uhr, von der Mittagsstunde gleich weit entfernet sind, so muß die Taschen-Uhr richtig gestellet seyn, und gut gehen.
Ist aber die Zeit der Morgenstunden, von 6 bis 12 Uhr länger, als die Zeit der Nachmittagesstunden, so gehet die Uhr zu langsam; sind hingegen die Nachmittagsstunden von 12 Uhr Mittags bis Abends um 6 Uhr, länger als die Morgenstunden, so gehet die Uhr zu geschwinde.
Kan man nun, (um unser gegebenes Exempel beyzubehalten,) wann die Uhr des Morgens 6 weiset, die Stunden auf dem Zifferblade besser unterscheiden, als des Abends um 6 Uhr, so gehet sie zu langsam, weilen die Morgenstunden von 6 bis 12 Uhr Mittags länger sind, als die Nachmittagesstunden, von 12 Uhr Mittags bis Abends um 6 Uhr; unterscheidet man sie hingegen des Abends um 6 Uhr besser, als des Morgens um 6 Uhr, so gehet sie zu geschwinde, weilen die Nachmittagsstunden von 12 Uhr Mittags bis Abends um 6 Uhr länger sind, als die Morgenstunden von 6 bis 12 Uhr Mittags.
Wil man wissen, um wie viel die Taschen-Uhr zu geschwinde oder zu langsam gehet, so ist solches leicht zu finden, wann man die Zeit der Morgen- und Abenddämmerung obbeschriebener Massen, an seiner Uhr genau bemerket hat; dann sie gehet allemahl halb so langsam, als die Zeit, von der ersten Observation an, bis Mittags um 12 Uhr länger ist, wie die Zeit vom Mittage bis zur zweyten Observation: und halb so viel zu geschwinde, als die Zeit von 12 Uhr Mittags bis zur andern Observation länger ist, wie die Zeit vom Anfange der ersten Observation, bis zum Mittag.
Zum Exempel: es zeigete die Taschen-Uhr bey der Observation des Morgens 5, und des Abends 6 Uhr, so gehet sie eine halbe Stunde zu langsam; dann von 5 Uhr Morgens, als von Zeit der ersten Observation, bis 12 Uhr Mittags, sind sieben Stunden verlauffen, dagegen sind nur noch 6 Stunden von 12 Uhr Mittags, bis 6 Uhr Abends, als der Zeit der andern Observation übrig, folglich: weilen die Zeit der Morgenstunden, bis Mittag, um eine ganze Stunde länger gewesen ist, als die Zeit der Nachmittagsstunden bis Abend, so gehet die Uhr um eine halbe Stunde zu langsam.
Oder die Uhr wiese, wie im vorigen Exempel bey dem Anbruch des Tages 5, und bey der Abenddämmerung 8 Uhr, so gehet sie eine halbe Stunde zu geschwinde; dann von 5 Uhr Morgens, als von Zeit der ersten Observation bis Mittags um 12 Uhr, sind nur sieben Stunden, dahingegen von 12 Uhr Mittags bis 8 Uhr Abends, als der Zeit der andern Observation sind 8 Stunden, folglich gehet die Uhr um eine halbe Stunde zu geschwinde, weilen die Zeit der Nachmittagsstunden, von 12 bis 8 Uhr Abends um eine ganze Stunde länger, als die Zeit der Morgenstunden gewesen ist.
Dieses was wir bisher gesagt haben, noch begreiflicher zu machen, so stelle man sich vor, daß die Stunden, welche nach Maßgebung der Taschen-Uhr von Zeit der ersten Observation bis zur andern verlauffen, die eigentliche Tageslänge, der Mittag aber das Mittel derselben ausmachen, theilet man nun die Stunden, welche zwischen beyden Observationen verlauffen, in zwey gleiche Theile ein, so wird die eine Hälfte der Summe die Stunde der Abenddämmerung, so wie die andere Hälfte, die Stunde des Tages Anbruchs bemerken. Man stelle derohalben seine Uhr bey der letzten Observation nach Erfordern auf die Hälfte der Summe rückwerts oder vorwerts, so wird sie richtig gestellet seyn.
Wir wollen dieses mit unserm vorigen Exempel wieder erläutern: Wann die Taschen-Uhr bey der ersten Observation 5, und bey der andern 6 Uhr weiset, so sind zwischen beyden Observationen überhaupt dreyzehen Stunden verlauffen; die Hälfte von 13, thut 6 und eine halbe, es muß derowegen der Zeiger, weilen die Uhr eine halbe Stunde zu langsam gehet, fortgerücket, und auf halb sieben gestellet werden, dann stehet sie recht.
Und dergestalt verfahre man mit den übrigen Fällen auch; mit einem Worte: man stelle den Zeiger nach Erfordern vor- oder rückwerts, so viel als die Hälfte des Unterscheides, welchen die Zeit der Morgenstunden, von der ersten Observation an, bis zum Mittag, mehr oder weniger beträget, als die Zeit der Nachmittagsstunden, von Mittag, bis zur andern Observation, so wird die Uhr, so gut als es durch dieses Mittel geschehen kan, gestellet werden.
Wann nun die Uhr also gestellet ist, und man findet, bey einer, etliche Tage nachher abermahl angestellten Observation, daß die Uhr entweder zu geschwinde oder zu langsam gehet, so muß man die Scheibe der Spiralfeder, nach unsers Autoris Anweisung im zehenden Capitel ein wenig drehen, und ihren Gang nach Nohtdurft geschwinder oder langsamer richten.
Man siehet also hieraus, daß, in Ermangelung richtiger Perpendikel-Uhren und Sonnenweiser, oder einer guten Mittags-Linie, man sich auf dieses vorgeschlagene Mittel (nur, daß die Observationes mit nöhtigem Fleiß angestellet werden,) weit sicherer, als auf die, zum öffentlichen Gebrauch bestimmte Uhren und Sonnenweiser verlassen könne, sintemalen dieselbe mehrentheils sehr unrichtig sind. Denen Sonnenweisern, die man bey sich tragen kan, ist eben so wenig zu trauen.
Jan. Febr. Merz April May Jun. Jul. Aug. Sept. Octo. Nov. Dec. 5 10 15 22 31 lang. 0 ges. 9 16 23 29 ges. 8 15 24 ges. 0 lang. 12 22 lang. 13 lang. 16 25 ges. 7 13 19 25 ges. 8 16 18 ges. 20 27 lang. 6 10 15 19 23 27 31 lang. 10 0 8 7 0 5 3 5 9 6 5 14
Anzahl der Nächte Minuten Secunden 1 3 57 2 7 54 3 11 51 4 15 48 5 19 45 6 23 42 7 27 39 8 31 36 9 35 33 10 39 30 11 43 27 12 47 24 13 51 21 14 55 18 15 59 15
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