Das IX. Capitel.

Handelt von den führnehmsten Ursachen, warum man durch die gewöhnlichen Proben, von der Güte einer Taschen-Uhr, nicht sicher urtheilen könne; auch von einigen Regeln, wie man in zwey Tagen, so genau als möglich, dazu gelangen könne.

I.

Den ersten Beweis: wie schwer es sey, durch Proben die Güte einer Taschen-Uhr zu beurtheilen, sollen uns die meisten dererjenigen selbst, die sich derselben bedienen, und ihre Reden davon, worauf so wenig zu bauen ist, an die Hand geben. Kunstverständige haben es aus der Erfahrung, und werden mir beyfallen. Unter funfzigen ist mir oftmals kaum einer vorgekommen, der mit Vernunft, und nach der Wahrheit davon gesprochen hat; die meisten dagegen scheinen um die Wette, entweder viel Vorurtheile, oder wenig gründliche Wissenschaft von ihren eigenen Erzählungen zu haben, die sie davon vorbringen.

II.

Da sagt mancher zum Exempel, seine Uhr gehe allezeit richtig, und weiß doch (weil er nicht unterrichtet ist, was dazu gehöre, wann sie allezeit richtig gehen sol,) nicht einmal, was er eigentlich damit sagen wil. Denn wie sol man diese Richtigkeit verstehen? Wer sich zurücke erinnert, was wir davon in den vorhergehenden Capiteln gesaget haben, wird leicht begreiffen, daß es weder in Absicht auf die Sonne noch in Absicht auf eine Perpendikel-Uhr geschehen könne; ich meyne nemlich eine solche Richtigkeit, da einer von seiner Taschen-Uhr rühmet, sie habe sich in ganzen Monahten nicht eine einzige Minute verändert, und andere dergleichen Histörichens mehr. Als, es haben mir wol einige versichert, daß ihre Taschen-Uhren mit der Sonne allezeit richtig gingen, ohngeachtet ihr Gang, wie wir oben erwiesen haben, mit der Sonnen an sich sehr ungleich ist. Ja ich traf einmahl jemanden an, der die Lobeserhebungen seiner Taschen-Uhr, auf eine recht lächerliche Art, gar so hoch trieb, daß er nur versichern wolte, sie habe binnen drey Jahren nicht im geringsten verschälet, und bey seinen öfteren binnen der Zeit von Paris nach Wien gethane Reisen, wäre sie doch allemal mit den Uhren dieser beyden Städte richtig überein getroffen, da sie doch wegen des Unterscheides der Lage dieser beyden Oerter, über eine ganze Stunde, nohtwendig von einander unterschieden seyn müssen. Wäre dieser gute Herr in der Geographie besser bewandert gewesen, er würde mit einer so lächerlichen Geschichte, von der Fürtreflichkeit seiner Taschen-Uhr, wohl zu Hause geblieben seyn.

III.

Ich habe bey dieser Gelegenheit nur zeigen wollen, wie wenig man sich auf die vorgegebenen Kennzeichen der meisten Personen, von der Richtigkeit ihrer Taschen-Uhren, verlassen könne. Woraus ich folgere: daß alle Beurtheilungen, welche man aus so verwirreten und übel gegründeten Merkmahlen machet, sehr unsicher seyn müssen. Wann also dergleichen eingebildete Uhrenkenner sich nicht die Mühe geben, besseren Unterricht davon anzunehmen, so werden ihre angestellete Uhrenproben, wohl immer unsicher bleiben.

IV.

Damit wir aber einigen, ihren vorgefasseten Wahn zu benehmen, und ihnen richtigere Begriffe, von der Richtigkeit der Uhren, beyzubringen im Stande seyn mögen, so werde ich in folgenden untersuchen: woher es komme, daß man sich so oft in seinen vermeynten Proben betrüge, und warum man zum öfteren gute Taschen-Uhren verachtet, und dagegen schlechte hoch hält.

V.

Hierzu wird nun erfordert, daß man einen Unterscheid zu machen wisse, unter: richtig gehen, und ordentlich gehen. Denn, das eine ist von dem anderen sehr unterschieden. Richtig gehen, heisset eigentlich: die wahre Tageszeit, die uns von der Sonne abgetheilet wird, anzeigen; und dieses ist der allerbesten Perpendikel-Uhr zu thun nicht möglich, geschweige dann einer Taschen-Uhr, sie sey so gut als sie wolle. Dahingegen kan eine Taschen-Uhr wol ordentlich gehen, und wann sie dieses thut, so ist sie leicht so zu richten, daß sie gut gehet. Dann ordentlich gehen, heisset eigentlich: eine beständig gleichförmige Bewegung haben. Wann also eine Taschen-Uhr täglich sechs, acht, oder auch zehen Minuten geschwinder gehet, wann sie nur in gleicher Proportion täglich fortfähret; oder, wann sie alle Tage in gleicher Proportion beständig langsamer gehet, so kan man doch sagen: sie gehe ordentlich. Im 10ten Capitel wollen wir zeigen, wie man dieses geschwinde und langsam gehen an einer Taschen-Uhr richten und verbessern könne.

VI.

Wir wollen dann zum Grunde setzen, daß das Gutgehen einer Uhr in ihrem ordentlichen Gange bestehe. Hiebey werde ich Gelegenheit nehmen, zwey ganz besondere Fälle im folgenden etwas genauer zu erklären. Nemlich: auf was Weise es erstlich, ganz natürlich zugehen kan, daß eine Taschen-Uhr, ohngeachtet ihres ordentlichen Ganges, vor eine schlechte, und zweytens, eine Uhr, welche sehr unordentlich gehet, dagegen nicht selten vor eine gute Taschen-Uhr gehalten werde. Hierauf wil ich die sichersten Regeln geben, die zu finden sind, wie man durch Proben, eine gute, von einer schlechten Taschen-Uhr zu unterscheiden lernen möge.

VII.

Was den ersten Fall anlanget, so wird aus folgenden Ursachen ganz begreiflich werden, woher es komme, daß eine gute Uhr oftmahls ihrem Besitzer nicht gefallen wil, und vor eine schlechte, oder vor eine solche Uhr gehalten werde, welche nicht gut gehet. Es komt nemlich, erstlich daher: wann jemand glaubt, es gehöre zum wesentlichen Stücke einer guten Taschen-Uhr, daß sie beständig richtig gehen müsse, ohne daß man nöhtig habe, von Zeit zu Zeit ihre Zeigernadel, bald etwas vor, bald etwas rückwerts zu stellen, oder ihren Gang, bald geschwinder, bald langsamer einzurichten. Zweytens: weil man sich nicht die Mühe giebt, sie entweder nach der Sonne, oder nach einer guten Perpendikel-Uhr zu stellen, und sich nur blos auf die öffentlichen Uhren verlässet, welche mehrentheils schlecht im Stande erhalten werden. Und endlich: daß man nicht weiß, oder verabsäumet, ihren Gang geschwinder, oder langsamer zu machen, wie doch die allerbesten Taschen-Uhren solches von Zeit zu Zeit unumgänglich erfordern.

VIII.

Zum Exempel, wann jemand, der in den Gedanken stehet, seine Uhr müsse allemahl von selbsten richtig gehen, eine Taschen-Uhr hat, deren Gang binnen einer Zeit von vier und zwanzig Stunden, nur eine Minute allemahl geschwinder oder langsamer ist, (welches dann einen vollkommen ordentlichen und so guten Gang anzeiget, als man von einer Taschen-Uhr nur immer verlangen kan,) und lässet sie einen Monaht lang so weggehen, ohne ihren Zeiger zu rücken, der wird finden, daß dieselbe binnen dieser Zeit, eine halbe Stunde von einer guten Perpendikel-Uhr, von der Sonnen aber nicht mehr oder weniger, nachdem der Monaht es mit sich bringet, verschälen wird: folglich wird er, aus Mangel dieser Ueberlegung, mit seiner guten Taschen-Uhr übel zufrieden seyn, und sich würklich einbilden, sie gehe nicht gut.

IX.

Ein anderer, dessen Taschen-Uhr (gesetzt, daß es möglich wäre,) im ganzen Monaht nicht eine einige Minute sich verändert hätte, wann er in der Meynung, daß die öffentlichen Uhren richtig gehen (welche doch zum öftern zweymahl in der Wochen, eine Viertel- bis halbe Stunde verschälen,) seine Uhr darnach richtet, wird leicht dahin gebracht werden, die Unrichtigkeit der öffentlichen Uhren, seiner guten Taschen-Uhr zuzuschreiben.

X.

Ein dritter, der nicht verstehet, oder sonst verabsäumet, seine Taschen-Uhr nach Erfordern geschwinder oder langsamer zu richten, und lässet sie etwa so lange ungehindert gehen, bis ihre Veränderung in vier und zwanzig Stunden 10 bis 15 Minuten beträget, wird die Schuld davon schwerlich einem andern, als seiner Taschen-Uhr beymessen, ohngeachtet sie doch gewiß nicht an ihr, sondern einzig und allein an ihm selbst lieget, der sie besser hätte regieren sollen.

XI.

Nachdem ich nun gewiesen habe, auf was Weise, eine an sich gute Taschen-Uhr, zum öfteren vor eine schlechte gehalten werde, so wil ich nun anderntheils auch zeigen, wie es zugehe, daß eine Uhr, die würklich einen sehr unordentlichen Gang hat, vor eine gute, einen recht ordentlichen Gang habende Uhr, angesehen werden könne. Um dieses desto begreifflicher zu machen, so muß ich vorhero einige Unordnungen anführen, welche die schlechten Taschen-Uhren gemeiniglich an sich haben.

XII.

Ich würde sehr viel sagen müssen, wann ich diese Unordnungen alle berühren wolte, dahero werde ich nur einen Entwurf davon zu geben, blos von zweyen, als den merklichsten, handeln.

XIII.

Die erste Unordnung ihres Ganges rühret von der übel verfertigten Conischen Schnecke her, um welche sich die Kette windet, wann sie aufgezogen wird, und bestehet darin: daß dieselbe nicht die gehörige Verhältnis mit der Feder hat, dergestalt, daß ihr Durchmesser nicht in der Proportion genau zunimmt, in welcher die Kraft der Feder, beym allmähligen Ablauffen der Uhr, sich schwächet. Dieser Fehler ist sehr gemein, und kommt theils von der Unwissenheit, theils von der Nachlässigkeit des Uhrmachers her; er verursachet, daß die Taschen-Uhr währender Zeit, da sie vom Anfang bis zum Ende (in vier und zwanzig Stunden) abläuffet, sehr unordentlich gehet, also, daß sie oftmahls in den ersten zwölf Stunden 10 bis 15 Minuten geschwinder, und in den zwölf folgenden Stunden, eben so viel langsamer zu gehen pfleget; und so man sie etwa aufzuziehen vergisset, daß sie noch drey bis vier Stunden, über vier und zwanzig Stunden gehen muß, so wird sie noch mehr zurück bleiben. Ein dergleichen grober Fehler findet sich an den besten Uhren niemahls, sondern fast allemahl, in gewissen Graden, an den ganz schlechten, oder mittelmäßigen Taschen-Uhren.

XIV.

Die andere Art der Unordnung des Ganges an einer Taschen-Uhr, wird durch ihr verschiedenes Lager verursachet, worinnen sie sich Wechsel-weise befindet. Wann man sie zum Exempel aufhänget, bald bey sich träget, und bald wieder platt auf den Tisch leget; tauget sie nichts, so wird sie bey diesen drey veränderlichen Lagern, in vier und zwanzig Stunden, viele Minuten verschälen, zumahlen, da es überhaupt wenig Taschen-Uhren giebt, welche nicht in geringem, oder in höherem Grad, diese Unvollkommenheit an sich haben, jedoch mit dem Unterscheide, daß diese Unordnung an den besten kaum merklich, an den übel gemachten aber, dann und wann 4, 5 und mehr Minuten in 24 Stunden betragen wird. Es gibt noch sehr viele Ursachen der Unordnungen, womit übel beschaffene Taschen-Uhren behaftet sind, dergleichen man aber bey Uhren, die mit Geschicke verfertiget sind, gar nicht antrift.

XV.

Gesetzt nun, eine Taschen-Uhr hätte die erste von obererwehnten Unordnungen, welche von der Conischen Schnecke herkomt, an sich, sie würde täglich um eine und dieselbe Stunde aufgezogen, sie träfe auch täglich zu einer gewissen Stunde mit einer Perpendikel-Uhr beynahe zu; wann sie nun schon in der Zwischenzeit, nemlich von der bemerkten Stunde des einen, bis zur bemerkten Stunde des andern Tages, einige Stunden, bald länger, bald kürzer machet, und ihr Besitzer giebet nicht stündlich auf ihren Gang Achtung, so wird er sich bey allen ihren Unordnungen leichte überreden; seine Uhr seye recht gut.

XVI.

Was die andere Ordnung im Gange anlanget,, welche von ihren verschiedenen Lagern herrühret, so habe ich sehr wenig angetroffen, welche darauf Acht gehabt hätten, so groß sie auch immer mag gewesen seyn. Ja es fügt sich wol zum öftern, daß wann schon beyde oberzählte Unordnungen, mit noch mehr andern, die an schlechten Taschen-Uhren nicht selten sich einzufinden pflegen, zusammen kommen, man sich doch einbildet, seine Taschen-Uhr seye gut; und dieses gehet so zu:

XVII.

Gesetzt, man habe seine Taschen-Uhr just nach einer öffentlichen Uhr gestellet, gesetzt ferner, derjenige, dem die Aufsicht über die letztere anvertrauet worden, habe sie, so ofte es ihm, entweder sein Fleiß und Geschicklichkeit, oder seine Nachlässigkeit und Ungeschicklichkeit eingegeben, bald geschwinder, bald langsamer gehen lassen; fügt es sich nun, daß die Taschen-Uhr, indem sie nach ihrem gewöhnlichen unordentlichen Gang, eben auch, bald geschwinder, bald langsamer gehet, nach Verlauf von drey bis vier Wochen etwa einmal mit der öffentlichen Uhr genau übereintrift, so wird alsdann kein Lob so groß seyn, welches man nicht dieser Verwunderungs-würdigen Maschine und ihrem geschickten Maitre beyleget, ja hundert andere Unordnungen wird man ihr, um dieser einigen glücklichen Begebenheit willen, zu gute halten, und lieber alle Uhren von Europa, als seiner eigenen Taschen-Uhr, einer Unrichtigkeit beschuldigen.

XVIII.

Und endlich werde ich von diesen Thorheiten keinen besseren Begriff machen können, als wann ich sage: daß einige von ihren Taschen-Uhren solche Richtigkeit verlangen, die ihnen keiner geben kan, wann ihnen hingegen andere eher eine Viertelstunde, als die ersteren eine Minute zu gute halten; und an statt der beständigen Unzufriedenheit des ersteren, mit seiner Taschen-Uhr, so schreyet der andere wol Wunder, wann ihr Zeiger nur bis auf einen Zoll breit die rechte Tagestunde weiset.

XIX.

Zuletzt wil ich diejenigen, welche zu wissen Verlangen tragen; auf was Weise man gute von schlechten Taschen-Uhren, durch anzustellende Proben, so gut als möglich unterscheiden könne, eine Regel geben, dadurch sie dieselbe in zweymal vier und zwanzig Stunden richtiger und sicherer zu beurtheilen im Stande seyn werden, als ohne dieselbe in zwey Monahten nicht geschehen dürfte.

XX.

Wir setzen zum Grunde: daß eine Taschen-Uhr, die ordentlich gehet, auch gut gehe. Man rechne also vor keine Unordnung an einer Uhr, die man probieren wil, wann sie etwa 4, 5 oder mehr Minuten täglich geschwinder oder langsamer gehet, wann sie nur beständig so fortfähret, immassen, wie ich unten zeigen werde, diesem leicht geholfen werden kan. Wann nun die Uhr aufgezogen, und nach einer richtigen Perpendikel-Uhr gestellet ist, so behalte man sie die ersten vier und zwanzig Stunden beständig in einem Lager, zum Exempel, man lasse sie hängen, und vergleiche sie währender Zeit, von vier zu vier Stunden mit obgedachter Pendul-Uhr, schreibe auch alle vier Stunden die Minuten und Theile der Minuten auf, um wie viel sie von der Perpendikel-Uhr unterschieden ist. Diese Observation von vier zu vier Stunden dergestalt fortgesetzet, wird sehr genau zu erkennen geben: ob die Taschen-Uhr in diesen vier und zwanzig Stunden einen gleichen oder ungleichen Gang behalte. Nach Ablauf der vier und zwanzig Stunden, (ohne aufgezogen) so fortgehen; zeiget es sich nun, daß sie sieben bis acht und zwanzig Stunden in einem Lager beständig ordentlich gehet, so ist es ein Zeichen, daß sie die erste Unordnung, nemlich: die Unvollkommenheit der Conischen Schnecke nicht an sich habe, welches dann schon ein Kennzeichen von einer gar guten Taschen-Uhr ist. Findet es sich aber, daß sie binnen der Zeit sehr unordentlich gehet, so hat man Ursache zu muhtmassen, daß sie nur mittelmässiger Art sey.

XXI.

Wann man nun den Gang einer hängenden Taschen-Uhr, wie vor gemeldet, beobachtet hat, so gebe man Acht, wie stark die ganze Veränderung binnen vier und zwanzig Stunden aufs genaueste gewesen ist, und ziehe die Uhr so dann abermal auf, stelle sie wieder just nach einer Perpendikel-Uhr, lege sie aber auf den Tisch oder sonst wohin, und lasse sie andere vier und zwanzig Stunden gehen, ohne sich, wie vorhero die Mühe zu geben, von vier zu vier Stunden nach ihr zu sehen. Nach Ablauf der 24 Stunden aber, muß man die Veränderungen, die sie liegend bey der letzteren Observation mit den Veränderungen, welche sie hängend bey der ersteren Observation, mit der Pendul-Uhr gemacht, zusammen halten. Beträget nun der Unterscheid dieser beyden Veränderungen, nur ohngefehr eine Minute, so ist nichts daraus zu machen, ist er aber von vier, sechs oder mehr Minuten, so zeiget er einen grossen Fehler an, und darf man sich von der Güte der Uhr, sonderlich wann sie neu ist, nicht viel Gutes versprechen. Dann den meisten Uhrmachern sind nichtsweniger, als die Ursachen dieser Unvollkommenheiten bekannt, davon einige überdem sehr schwer zu entdecken stehen. Doch kan eine recht gute Uhr, wann sie aus den Händen des Maitres ist, in diesem Stücke, durch einen ungeschickten Uhrmacher gar leicht verhudelt werden.

 

So man wil, kan man in einem dritten Tage die Uhr noch auf das Ziefferblad legen, und die vorige Probe mit ihr wiederholen, immassen eine Taschen-Uhr, wann man sie bey sich träget, sonderlich beym Reiten, so, und mit dem Glase unterwerts, leicht kan zu liegen kommen.

XXII.

Wir haben also die sichersten Manieren, die gemeinen Fehler der übel gemachten Taschen-Uhren zu entdecken, gesehen, und das ist es auch fast alles, was sich durch anzustellende Proben ausrichten lässet. Bey diesem allen aber muß noch wissen, daß aus keiner Probe auf die Güte einer Uhr ohnfehlbar zu schliessen ist, sintemahlen eine gute Uhr nicht allein bey der Probe gut gehen, sondern auch so verfertiget seyn muß, daß sie beständig gut und ordentlich gehen könne: und dieses lässet sich durch Proben und Versuche von kurzer Zeit nicht vorher sehen. Dann erstlich, so kan die beste Uhr von der Welt, durch einen kleinen Zufall, oder ganz leichten Fehler, einer geringen Unordnung unterworfen werden, welche oftmahls im Stande ist, denjenigen, der die wahre Ursache davon nicht einsiehet, zu verleiten, ohngeachtet sie doch würklich gut ist. Wer wird es aber denen von unserer Kunst, die mehr List als Ehrlichkeit besitzen, verwehren, sich in diesem Stücke der Kunstgriffe eines guten Roßhändlers zu bedienen?

XXIII.

Zum Beschluß weiß ich kein besser Mittel in Vorschlag zu bringen, sich von der Güte der Taschen-Uhren hinlänglich zu versichern, als daß man auf solche Maitres in unserer Kunst, die in gutem Ruff stehen, und von deren Redlichkeit man untrügliche Proben hat, sich so lange gänzlich verlasse, bis man lehrbegierige Personen mit solchen Regeln versehen kan, wornach sie von den Werken unserer Kunst, eben so richtig, als von den Werken anderer Künste selbst zu urtheilen im Stande seyn können.

Zur Sully-Eingangseite

Zur nächsten Seite

zurück zur Uhrenseite

www.info-uhren.de