Heinrich Sully
Uhrmacher des Herzogs von Orleans und Mitgliedes der
Societät der Künste zu Paris

Unterricht
Von der
Eintheilung der Zeit

Und
verschiedener Einrichtung
grosser und kleiner Uhren

Mit
nöthigen Figuren und Tabellen

Aus dem Französischen übersetzt
von
Antoine Charles
Uhrmacher in Magdeburg

Zweite mit Anmerkungen über das Preussische Uhrwesen
vermehrte Auflage
LEMGO

Gedruckt bey Johann Heinrich Meyer,
Hochgräfl. Lippis. Hof. Buchdrucker. 1754.


Vorrede

zur teutschen Herausgabe gegenwärtiger Abhandlung.

Daß die Uhrmacher - Kunst, unter allen denjenigen Theilen, die zur Mechanischen Mathematik gehören, eine der nützlichsten, dabey aber denen meisten am wenigsten bekannte Wissenschaft sey, wird wohl niemand leicht in Abrede seyn können, immassen die, von dieser Kunst heraus gekommene Schriften, der Gelehrten so wohl, als der Uhrmacher, nur vor die Uhrmacher, und andere Kunstverwandten, nicht aber vor diejenigen, die sich ihrer Werke bedienen, geschrieben sind.

 

Derohalben kan man es dem Verfasser gegenwärtiger Abhandlung, einem der geschicktesten Uhrmacher in ganz Europa, nicht genug verdanken, daß er darinnen nicht allein zur Verbesserung der Uhrmacherkunst an sich selbst, sondern auch zum allgemeinen Besten, nach seiner ihme ganz eigenen Deutlichkeit, sein Talent anwenden wollen.

Dann, man findet darinnen, ausser was von der Einrichtung der Uhren überhaupt, von ihren verschiedenen Sorten, von der Eintheilung der Zeit und sonsten angeführet ist, noch die nützlichsten Anmerkungen, wie man bey der Wahl der Uhren verfahren, und die guten von den schlechten unterscheiden solle; ferner: Regeln, von der Güte einer Uhr recht zu urtheilen, sie richtig zu stellen, und gehörig mit ihnen umzugehen, und endlich recht sinnreiche und nöhtige Gedanken, wie viel an der Kunst sie geschickt auszubessern gelegen sey, welches man anderswo vergeblich suchen wird.

Unser vortrefflicher Uhrmacher sahe vollkommen ein, daß man des rechten Nutzens dieser Kunst ermangeln würde, so lange nicht jedermann im Stande wäre, von ihren Werken, und denen dabey vielfältig mit unterlauffenden Mißbräuchen, zu urtheilen, so daß er sich Mühe gegeben zu haben scheinet, den Leser recht überzeugend zu unterrichten, theils, wie er sich der Uhren am nützlichsten bedienen, theils auf was Weise er sich vor allen dabey vorkommenden Betruge, verwahren könne.

Wahr ist es, der Mangel hinlänglicher Erkäntniß, von der Tauglichkeit und Untauglichkeit dieser Werke, ist eben Schuld daran, daß die meisten keinen Unterscheid, unter guten und schlechten Uhren zu machen wissen, ja mehrentheils die schlechtesten, so elend sie auch immer seyn mögen, ihres wohlfeilen Preises wegen, den guten vorzuziehen kein Bedenken tragen, damit aber so leicht betrogen werden.

Was noch mehr ist, der häufige Abgang dieser so schlechten als wohlfeilen Wahre, bringet die liederlichen Arbeiter, welche ihres geringen Lohns wegen immer voll auf zu thun bekommen, dahin, daß sie anstatt sich zu befleissigen, bessere Arbeit zu machen, sich immer auf schlechtere legen, so gar, daß man anitzo eine sehr grosse Menge Uhren antrift, die zu nichts taugen, und durchaus nicht brauchbar gemachet werden können.

Dieses Uebel gehet wohl gar so weit, daß auch Uhrmacher, welche wohl noch den Vorsatz haben, tüchtige Werke zu liefern, oftmahls ihr Brodt zu gewinnen gleichsam gezwungen werden, dem grossen Hauffen der bösen Exempel zu folgen; und es stehet fast zu befürchten, daß sich die Uhrmacherkunst, noch unter den Händen der allergeschicktesten Maitres mit der Zeit verschlimmern dürfe, weilen sie so wenig zur Verbesserung derselben aufgemuntert werden.

Gegenwärtiger Tractat ist wohl allem Ansehen nach, von unserm Autore, den man dieserhalb die Stütze der Uhrmacherkunst nennen möchte, hauptsächlich in der Absicht mit geschrieben worden, diesem Unwesen, welches schon zu seiner Zeit im Schwange ging, jedoch noch nicht so stark als jetzo eingerissen war, dadurch zuvor zu kommen, und einen jeden in Stand zu setzen, daß er von guten und schlechten Uhren ein richtiges Urtheil fällen, und sich anbey vor Betrug hüten könne; Zugleich kan er auch beydes geschickten und ungeschickten Uhrmachern zur Aufmunterung dienen; denen ersteren, daß sie unermüdet fortfahren, gute Uhren zu liefern; denen letzteren aber, daß sie sich befleissigen bessere zu machen, weilen durch die genauere Käntniß dieser Arbeit, die ersteren Ruhm und Belohnung, die letzteren aber Schimpf und Schaden von Kennern zu gewarten haben.

Diese löbliche Absicht des Autoris auch in unsern teutschen Landen zu befördern, und so viel an mir ist zur Verbesserung dieser Kunst, mit behülflich zu seyn, habe ich mich entschlossen, die Uebersetzung desselben ins Teutsche, nicht allein zu veranlassen, sondern auch zum Besten des Publici, mit einigen Anmerkungen zu begleiten, welche von des Autoris eigenen Arbeit, mit diesen " Zeichen *  unterschieden sind. Vielleicht verdiene ich bey Vernünftigen, deren Wunsch bishero dahin gegangen ist, von der Känntniß der Uhren und ihrem rechten Gebrauch in teutscher Sprache etwas zu lesen, einigen Dank; wie ich denn nicht leugne, daß diese Uebersetzung auch ihnen mit zu Gefallen geschehen ist.

Mir selbst aber schiene sie um deswillen unumgänglich nöhtig zu seyn, weilen man zwar zugeben muß, daß die Uhrmacherkunst, noch niemahlen so hoch als jetzo gestiegen ist, dabey aber zu bedauern nicht wenig Ursache hat, daß zu keiner Zeit, weniger gute, und mehr schlechte Uhren, als jetzo in unsern Landen, jemahls zum Vorschein gekommen sind; ja man möchte fast sagen, daß unser Vaterland wegen des Betruges, der im Kauffen und Verkauffen damit getrieben wird, gleichsam ein Sammelplatz der elendsten Uhren fremder Länder geworden sey. Darf man wohl die Ursache davon, worinnen anders, als in der grossen Menge von Kaufleuten, Juden und solchen Leuten suchen, welche sich alle des Uhrenhandels anmassen, und sich doch um nichts weniger bekümmern, als gute Uhren zu Markte zu bringen, die sie dann selbst so wenig von den schlechten zu unterscheiden wissen, als diejenigen, welche sie ihnen abkaufen; Fast ein jeder wil anjetzo mit Uhren handeln, und doch trachten die meisten lediglich aus der Leichtgläubigkeit und Unwissenheit der Käufer Profit zu machen.

Rechtschaffene Kaufleute, die nach Gewissen handeln, und deren Redlichkeit in diesem Stücke bekandt ist, werden hierunter, wie leicht zu erachten, nicht verstanden, sondern man ist ihnen vielmehr allen gebührenden Dank schuldig, daß sie sich die Mühe geben, gute und tüchtige Uhren aus fremden Landen zu uns zu bringen.

Indessen, weilen der Betrüger gar zu viel sich einfinden, die in und ausser Landes, alle schlechte Uhren, wo sie nur am wohlfeilsten zu haben sind, zusammen raffen, und sie hernach, in Absicht auf ihren wahren Werth, wieder verkauffen, und dadurch ihre leichtgläubigen Käuffer, ganz ohne Scheu hinters Licht führen, ja die ganze Uhrmacherkunst in üblen Ruff bringen, so hat mir gegenwärtige Abhandlung, worinnen die Kennzeichen der guten und schlechten Uhren aufs deutlichste beschrieben sind, am bequemsten geschienen, die Kunst-Griffe dieser Leute hinlänglich aufzudecken.

Kenner haben schon vorlängst davor gehalten, daß die sinnreichen Gedanken unsers Autoris in demselben richtig wohl überleget, und mit grossen Fleisse ausgearbeitet worden, überall aber bey der Uhrmacherkunst, und denen dabey vorkommenden Mißbräuchen, nicht allein das rechte Ziel treffen, sondern auch von des Autoris grossen Einsicht und Begierde das Beste der Kunst befördern zu helfen, ein ohnstreitges Zeugniß ablegen, zumahlen da die Erfahrung gelehret, daß dieses schöne Buch, an denen Orten, wo es bekannt geworden, zur Verbesserung der Uhrmacherkunst, nicht wenig behülflich gewesen ist.

Mehr Ursachen darf ich nicht anführen, meinen Entschluß zu rechtfertigen, der mich bewogen, denenjenigen von meinen Landsleuten zu gefallen, welche lieber Teutsch als Französisch lesen, dieses nützliche Buch in ihrer Muttersprache vorzulegen.

Was die Uebersetzung selbst anlanget, so werde ich davon nicht viel sagen dürfen, wann ich sie, wie billig, dem Urtheil des Lesers überlasse. Es wird derselbe leicht gewahr werden, daß sich der Übersetzer nicht allemahl an den Worten seines Originals genau gebunden hat; die Art und Natur der teutschen Sprache leidet solches ohnedem nicht. Doch hat es an einigen Orten, um der genauen Deutlichkeit der Sachen nicht zu nahe zu treten, nohtwendig geschehen müssen. Ueberall aber ist der Sinn des Autors beybehalten worden so, daß der Leser hoffentlich mit derselben wird zufrieden seyn können.

 

 

Vorrede des Autoris

Unter allen denjenigen Werken, welche uns die seltensten und nützlichsten Künste hervorbringen, wüßte ich keine, die von so allgemeinem Gebrauch, ihre Natur aber, und die Art und Weise sich derselben recht zu bedienen, dabey so wenigen bekandt wäre, als diejenigen, welche uns die Uhrmacherkunst liefern. Mir deucht, die Ursachen liegen hauptsächlich darinnen: weilen sich die Uhrmacher nicht so sehr befleissigen, das Publicum von der Beschaffenheit ihrer Kunst zu unterrichten, als selbst gute Uhren zu verfertigen; oder, weilen sie sich vielleicht befürchten, daß sie darunter wohl gar leiden möchten, wann sie das Publicum in diesem Stücke allzu klug machten. Was Gelehrte sind, solche würden zwar ihre darinnen erlangte Wissenschaft der Welt gern mittheilen, allein, sie dürften von vielen zur Ausübung dieser Kunst gehörigen Dingen, selbst nicht mit genugsamen Unterricht versehen seyn, wann sie gleich die Theorie derselben vollkommen inne hätten. Zu wünschen wäre es, daß die Künstler, in der Theorie ihrer Profession es so weit gebracht hätten, daß sie nicht allein die Einsichten der Gelehrten sich zu Nutze machen, sondern auch denenselben ihre eigenen Erfahrungen zum allgemeinen Unterricht mit beyfügen könten.

Wie gut würde es seyn, wann auch diejenigen, welche Uhren zum Gebrauch haben, sich die Mühe gäben, sie als Werke einer Kunst anzusehen, woran Wissenschaft und Geschicklichkeit, wann ihnen von der Kunst die Hand geboten wird, zeigen, was die Zusammensetzung vieler kleinen Theile von einer gewissen Materie zu thun vermag, zumahlen wenn sie sich dabey befleissen das Nöhtige sich bekandt zu machen, wodurch ihnen diese Maschinen, die ihrer Bequemlichkeit gewidmet sind, erst recht brauchbar werden könten.

Was nützet uns ein Werk, das alle Vollkommenheiten an sich hat, wann wir es nicht zu gebrauchen wissen? Die Schiffahrt würde ohne den Compas, und der Krieg ohne die Waffen wenig bedeuten, und wann man gleich mit beyden versehen wäre, und wüste sich derselben nicht zu bedienen, wahrlich weder unbekandte Länder würden entdecket, noch Städte erobert und Siege befochten werden. Einem elenden Reuter beschimpfet sein schönes Pferd, das er nicht zu regieren weiß, und ein noch so prächtig ausgerüstetes Schiff, erreichet den Hafen nimmermehr, wann das Steuer-Ruder nicht mit Verstande geführet wird. Gleichwohl verlanget man gemeiniglich, daß die Uhren von sich selbsten richtig gehen, und ohne nöhtige Hülfe die Zeit genau abmessen, oder sich wohl gar nach den wunderlichen Einfällen eines eigensinnigen Kopfs, der eben nicht nöhtig findet, allemahl vernünftig zu seyn, richten sollen.

Ich würde aber sehr unbillig handeln, denenjenigen, welche keine Gelegenheit zum Unterricht gehabt haben, ihre Unwissenheit aufzurücken, da ich vielmehr gestehen muß, daß sich dieselbe fast gar nicht findet. Noch niemand bishero hat meines Wissens von dieser Materie solcher Gestalt gehandelt, daß ein jeder, der Unterricht nöhtig hat, sich daher Rahts erhohlen könte. Dann überhaupt sind mir wenige Bücher davon zu Gesichte gekommen, kein einiges aber, das zum Unterricht eines ganz Unwissenden in dieser Kunst die erforderte Beschaffenheit gehabt hätte.

Ohngefehr vor sechzehen Jahren gab Herr Derham, ein Mitglied der Königlichen Societät der Wissenschaften in London, ein recht curieuses und nützliches Buch in Englischer Sprache heraus, welches er Artificial Klockmacker (den künstlichen Uhrmacher) betittelt; allein ist es blos vor Uhrmacher geschrieben, immassen er darinnen nur von dem Arithmetischen Theil, oder von der Kunst die Anzahl der Zähne des Räderwerks in allerhand Arten grosser und kleiner Uhren auszurechnen, eigentlich handelt.

Imgleichen schrieb ein geschickter Uhrmacher gleichfals in Londen etwa vor achtzehn oder zwanzig Jahren einen kleinen Tractat, unter dem Titul: Horological Disquifitions, (Untersuchungen von der Uhrmacherkunst,) worinnen er die Ursachen, warum die Bewegung der Sonnen das ganze Jahr über nicht allezeit gleich ist, aus der Astronomie zeiget, und dabey wohl eingerichtete Tabellen ertheilet, wornach man die Perpendikel-Uhren richten könne, als welches eigentlich sein Haupt-Endzweck bey diesem Buche war; sonst habe ich nichts darinnen angetroffen, das der Mühe wehrt gewesen wäre. Ob nun zwar beyde Schriften, in der Haupt-Sache, wovon sie handeln, ihren guten Nutzen haben, so gehen sie doch nicht so weit, als zu einem nöhtigen Unterricht in dieser Materie erfordert wird.

Diesen Mangel zu ersetzen, so habe ich mich bemühet, einen neuen Weg, in einem noch wenig bereiseten Lande zu suchen, worinnen mir, statt Gelehrsamkeit, und Naturgabe, etwas von Erfahrung und Ueberlegung zum Wegweiser dienen müssen. Bey dem allen muß ich doch sagen, daß der Weg sehr gerade ist, und zum Ziel führet; hat er gleich nicht alle Annehmlichkeiten eines belustigenden Spazierganges an sich, so kommt es von dem Erdreiche selbst her, welches noch nicht gleich und wegsam genug gemachet worden, daß man vergnüglich, und ohne Anstoß darauf fortkommen könne.

Jedoch ich höre auf verblümt zu reden, und gebe vielmehr Rechenschaft von der Ordnung und Lehr-Art, der ich in dieser Abhandlung nachgegangen bin.

Anfänglich habe ich die verschiedene Einrichtung grosser und kleiner Uhren, und dabey die Stärke und Schwäche einer jeden Manier gewiesen, wie solches gemeiniglich im Anfange zu geschehen pfleget, wobey ich aller nur möglichen Deutlichkeit mich beflissen.

Die Ursachen, warum die Taschen-Uhren nicht so richtig gehen können, als die Perpendikel-Uhren, habe ich mit gutem Vorbedachte in einem ganzen Capitel abgehandelt, und dieses darum, weilen es viel Personen giebet, welche von diesen kleinen Maschinen weit mehr Richtigkeit verlangen, als sie thun würden, wann ihnen die Natur ihrer Einrichtung recht bekandt wäre.

Damit ich mich kurz und deutlich ausdrücken, und meinen Lesern zugleich hinlängliche Begriffe, von Sachen, die noch keiner vor mir getrieben hat, beybringen möchte, so bin ich genöhtiget worden, einiger neuer Kunstwörter (Terminorum) als z. E. die Redens-Arten: bewegende Kraft, fortpflanzende Kraft, richtende Kraft sind, mich zu bedienen, weilen ich dieselben zu Formirung richtiger Begriffe, von den Sachen, davon ich reden wollen, vor die bequemsten und kürzesten gehalten habe.

Nachdem ich von den verschiedenen Arten grosser und kleiner Uhren, was man von ihnen sich versprechen könne, und wie man mit ihnen umgehen müsse, das Nöhtige beygebracht, so gehe ich fort zu dem Unterscheid, der natürlichen und künstlichen Eintheilung der Zeit, womit das dritte Capitel angefüllet ist. Auch hiebey habe ich neue Kunstwörter gebrauchet, und an statt der von den Astronomis angenommenen beyden Redens-Arten: wahren Zeit, und nach der mittlern Bewegung der Sonnen eingerichteten Zeit (Temps moyen) mich der Wörter: scheinbaren Zeit, und gleichen Zeit, bedienen wollen, weilen ich geglaubet, daß die beyden letzteren Wörter den Unterscheid erwehnter Zeiten natürlicher ausdrücken würden, als die ersteren.

Das vierte und fünfte Capitel weiset die Mittel an, diese beyde Zeiten durch die Sonne und Fixsterne zu finden, und das sechste Capitel giebt allen nur möglichen Unterricht von dem Gebrauch dieser Zeiten, und von der Art und Weise die grossen und kleinen Uhren darnach zu richten.

Alles vorhergehende setzet gute Uhren zum Grunde, die ein jeder zu haben wünschet; weilen aber bey mehreren Kunst-Verwandten zum Unglück viel Betrug und etwas Ungeschicklichkeit mit unterläuffet, und die Liebhaber der Taschen-Uhren vielen Mißbräuchen ausgesetzet sind, so habe ich das ganze siebende und achte Capitel angewandt, eines Theils denen übelen Folgen des ersteren einiger Massen vorzubauen, andern Theils aber auch Regeln gegeben, wie man sich vor der Würkung des letzteren verwahren könne.

In dem neunten Capitel findet man so deutlich, als es sich wollen thun lassen, ausgeführet: wie nohtwendig es sey, daß man den Gang der Taschen-Uhren (dann und wann geschwinder oder langsamer) richten, und wie vorsichtig man damit umgehen müsse.

Nachdem ich auch überzeuget war, daß die Taschen-Uhren beym Gebrauch sich abnützen, und allerhand Zufällen unterworfen bleiben, zumahlen beym Einkauf nicht wenige damit betrogen werden, so ist im zehenden Capitel, der Beschluß mit einer Anleitung gemachet worden, wie die würklich guten Taschen-Uhren im brauchbaren Stande zu erhalten, die Ausbesserung der andern aber, so derselben bedürfen, befordert werden könne.

Die Beschaffenheit derer in den fünf ersten Capiteln abgehandelten Sachen, hat mich genöhtiget, mich verschiedener Wörter (Terminorum) zu bedienen, die nicht jedermann bekandt sind; derohalben bin ich bemühet gewesen, damit ich denen Gelehrten nicht zu weitläuftig fallen, denen in dergleichen Wissenschaften Ungeübten aber zu Hülfe kommen möchte, solche durch Erklärungen, welche den Zusammenhang meiner Schrift nur würden unterbrochen haben, zu erläutern.

Sonst habe ich hauptsächlich einer reinen Schreib-Art mich beflissen, und eine allen nicht bekandte Materie, lieber wiederholen, als dunkel schreiben, und zur Unzeit angebrachter Zierlichkeiten mich anmassen wollen. Ueberhaupt aber bitte ich den Leser zu erwegen, daß ich nicht in meiner Muttersprache geschrieben habe.

Noch finde ich es nöhtig, meine Leser zu erinnern, daß es nicht genug seyn werde, wann sie diesen Tractat nur lesen, blos ihrer Curiosität ein Genügen zu thun; dergleichen Lesen dürfte nicht hinlangen, so viele Regeln und Unterricht ihnen genugsam einzuprägen; die Materie, welche wir abhandeln, ist zwar so schwer eben nicht, allein sie erfordert etwas Aufmerksamkeit, sonderlich von denen, welche in einigen derer Sachen, wovon wir nohtwendig reden müssen, noch unerfahren sind. Vielleicht treffen die Gelehrten darinnen etwas an, so sie nicht vermuhtet, und ihrer gefälligen Beurtheilung nöhtig haben möchte, immassen es von einer Person kommt, die nicht von ihrem Handwerke ist.

Solten sich einige finden, die gegenwärtige Zeilen etwa nicht vor voll anzusehen vermeynen, weilen sie einen Künstler zum Uhrheber haben, so wil ich eben nicht sagen, daß sie ganz und gar unrecht urtheilen, indem es ein anders ist, die Feile, ein anders, die Feder zu führen; doch wollen sie bedenken, daß, ob es zwar einem Handwerksmann übel anstehen dürfte, wann er in dem Titel eines scharfsinnigen Geistes (bel Esprit) seinen Ruhm suchen wolte, dennoch mancher in den Laufgräben arbeitet, der wohl die ganze Belagerung regieren könte, und daß nicht ein jeder, der sich eine Ehre macht ein Soldat zu heissen, sich darum eben verbindet, die Mußkete zu tragen.

Im übrigen ist die Republic der Künste und Wissenschaften ein freyes Land, worinnen es zwar schwer fällt, ohne Anstoß öffentlich zu erscheinen, doch kan man, meines Erachtens, darinnen glücklich durchkommen, wann man überall blicken lässet, daß weder Eigennutz noch Prahlerey, sondern blos die Begierde zum gemeinen Besten, und eine redliche Absicht, die Triebe unserer Handlungen sind.

Folgender Auszug, aus des Herrn Julien le Roy (eines der geschicktesten und berühmtesten Uhrmachers in Paris) seinem Memoire pour fervir a líhistoire de líhorlogerie depuis 1715. jusquíen 1729. von einigen Lebens-Umständen unsers Verfassers, wird dem Leser hoffentlich nicht unangenehm seyn.

 

Approbation.

Auf Befehl Seiner Excellenz des Herrn Canzlers, habe ich den Tractat des Hn. Heinrich Sully, welchen er Regle artificielle du Temps betitelt, gelesen, und gefunden, daß dessen darinnen gegebene Regeln, auf was Weise man die verschiedene Grade der Richtigkeit in den Perpendikel- und Taschen-Uhren erkennen, was man bey der Wahl derselben beobachten, und wie man sie so genau als möglich richten solle, dem Publico nicht anders als überaus nützlich und angenehm seyn können. Paris, den ersten May 1717.

 

Cassini

 

* In dieser Online Ausgabe sind die Anmerkungen des Übersetzers kursiv gedruckt.

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