Der Herr Heinrich Sully gehöret mit unter diejenigen grossen Künstler, welchen das Glück nicht allemahl nach Verdienen begegnet hat, der aber würklich in Ruhe und Ueberfluß hätte leben können, wenn er auf die Beförderung seines zeitlichen Glücks mehr als auf die Verbesserung seiner Werke wäre bedacht gewesen. Der Herr le Roy meldet von ihm, daß er bey seinen Kunstverwandten von Haus zu Haus herum gegangen sey, wo man ihn von der Verbesserung ihrer Kunst gleichsam predigen hören, dabey er es dann weder an nöhtiger Aufmunterung, noch an seinem eigenen guten Rath ermangeln lassen.
Er hatte kaum seine Lehrjahre bey dem Herrn Greton, einem Uhrmacher in Londen, mit grossem Ruhm geendigt, als ihn sein erhabener Verstand, der von Natur zu grossen Dingen geneigt war, die Meeres Länge zu erfinden. Nachdem er einige dazu dienende Maschinen verfertiget hatte, zeigete er solche dem berühmten Herrn Newton. Hierdurch verlohr er aber seine Ruhe, immassen das grosse Lob, und die starke Aufmunterung, so er von diesem grossen Weltweisen erhielt, ihm so heftige Begierde beybrachte, diese so schwere als nützliche Erfindung, vermittelst der Uhrmacherkunst zu bewerkstelligen, daß er zu glauben anfing, daß alles dasjenige, was zur Verbesserung derselben abzielte, ihm auch zu seinem Vorhaben behülflich seyn könte.
Man urtheiltet leicht, daß alle diese Bemühungen von der Hand nicht so beschaffen waren, unsern Herrn Sully, der eben kein grosses Vermögen besaß, in bessere Umstände zu setzen, daher er dann auch vermutlich bewogen wurde, von Engeland nach Holland zu gehen. In Holland hielte er sich eine Zeitlang auf, und lernete daselbst die französische und holländische Sprache, begab sich aber von da nach Wien, woselbst er auch bald die teutsche Sprache erlernete. Allhier bekam er, noch ehe er gegenwärtigen Tractat schrieb, in der Bibliothek des Prinzen Eugenii die Memoires der französischen Academie zu Paris zum ersten mahle zu sehen, woran er ein so grosses Vergnügen fand, daß er sich nicht allein glücklich schätzte, so viel Französisch begriffen zu haben, daß er dieselbe in dieser Sprache lesen konnte, sondern er schrieb sich auch alle Artikels daraus ab, welche entweder von seiner Kunst handelten, oder was ihm sonst sonderbar und nützlich darinnen vorkam.
Sein angenehmer Umgang machte ihm bald bey verschiedenen Grossen in Wien beliebt, wie ihm denn der Prinz Eugenius, der Herzog von Aremberg und der Graf Bonneval vor andern wohl wollten, ihn auch deshalb mit zur Armee am Rhein nahmen, woselbst er ihre Taschen-Uhren besorgete, auch noch sonst viele teutsche Herren zu seinen Kunden und Freunden bekam. Als der Herzog von Aremberg nach geschlossenem Frieden zwischen dem Kayser und König von Frankreich nach Paris gehen muste, nahm er unsern Sully mit dahin, gab ihm einen jährlichen Gehalt von 200 Rthl. und eine Wohnung, die nicht weit von der seinigen abgelegen war.
Daselbst wurde der Herr le Roy durch einen seiner Freunde mit ihm bekandt. Bey ihrer ersten Zusammenkunft sprachen sie von der Güte der Pariser und Londenschen Taschen-Uhren. Herr le Roy muste dem Herren Sully nachgeben, und den Englischen, sonderlich den Repetier-Taschen-Uhren, vor den Französischen den Preis lassen, indem er zugestehen muste, daß die Pariser Uhrmacher, weilen die Taschen-Uhren daselbst über die Hälfte wohlfeiler als in Londen wären, an ihren Werken unmöglich alle ihre Geschicklichkeit wenden, noch sie für so einen geringen Preis die gehörige Vollkommenheit geben könten.
Sie kamen hierauf als Nachbaren zum öftern zusammen. Herr Sully zeigete ihm einige seiner saubersten Werkzeuge, imgleichen seine schöne Maschine zu Einschneidung der Räder, wie denn auch der Herr le Roy einige Stücke bey ihm gewahr wurde, welche ihm als Theile einer grossen Uhr vorkamen, und von welchen er glaubte, daß sie zu einer See-Uhr bestimmet gewesen, weil Herr Sully davon den Gebrauch nicht recht sagen wolte.
Kurz darauf unterfing sich Herr Sully vor der Königlichen Academie erweislich zu machen: Daß die Anbringung der Rad Linie bey den Perpendikel-Uhren nicht nur unnütze, sondern selbst schädlich sey, und weilen er die Herren der Academie wider diese Meinung sehr eingenommen fande, so suchte er dieselbe nachgehends schriftlich zu behaupten.
Damahls trug er die Verfertigung der von ihm nach einer ganz neuen Einrichtung erfundenen Taschen-Uhr, davon er im Jahr 1716 der Königlichen Academie der Wissenschaften eine Beschreibung übergab, dem Herrn le Roy auf; Doch unterbrach die damahlige Veränderung seiner Wohnung, immassen er dem Herzoge von Aremberg in einem anderen Quartiere der Stadt folgen muste, ihrer beyder Umgang auf eine Zeitlang gänzlich. Nach drey oder vier Monathen holete er besagte Uhr, woran der Herr le Roy bereits angefangen hatte zu arbeiten, von demselben ab, welcher dann nachgehends erfuhr, daß sich Herr Sully verheyrahtet, nicht weniger, das er mehr erwehnte Uhr vollends zum Stande gebracht, und ohne des Herrn le Roy Wissen der Academie bereits überreichet, auch von derselben eine sehr vortheilhafte schriftliche Versicherung disfals erhalten hätte, welcher er sich, um als ein Ausländer unter den Uhrmachern zu Paris als Maitre aufgenommen zu werden, nützlich zu bedienen gedachte.
Allein er bekam darinnen wegen seiner grossen Reputation, welche sich schon überall ausgebreitet hatte, die meisten Uhrmacher wider sich, zu welchen sich der Herr le Roy auf ihr Ansuchen gleichfals gesellete, und es mit ihnen dahin brachte, daß der Hr. Sully zu seinem Zweck nicht gelangen konte, worüber er zwar mit dem Herrn le Roy in etwas zerfiel, bald aber wieder ausgesöhnet wurde.
Dem Ansehen nach brachte ihm dieser widrige Zufall mehr Nutzen als Schaden; dann seine Freunde nahmen daher Gelegenheit, dem Regenten vorzustellen, daß man so einen geschickten Künstler durch eine Königliche Gnade aufzumuntern und unter die Arme zu greiffen suchen müste, worauf Herr Laws 500 Rthl. an ihn auszuzahlen befehliget ward, der dann zugleich bey ihm einsprach. Die schönen Werke, welche er bey ihm zu sehen bekam, nebst der Bündigkeit seines Verstandes, und das gute Ansehen, worin Herr Sully wegen seiner Geschicklichkeit bey jedermann stand, verursachten, daß ihm Herr Laws die Anlegung einer Uhrmacher-Manufactur auftrug, und ihn zu dem Ende insgeheim nach Londen schickte. Von Londen brachte er eine grosse Anzahl Uhrmacher mit sich nach Paris, worunter sich dann sehr geschickte Arbeiter mit befanden. Man wiese ihnen zusammen eine bequeme Wohnung zu Versailles an, allwo sie eine Uhrmacher-Manufactur errichteten, welche ohngefehr zwey Jahre lang dauerte.
Unser Herr Sully, der sie angeleget hatte, bekam darüber die Aufsicht. Sie kam auch binnen kurzer Zeit in solchen Ruf, daß sich die vornehmsten in Paris daraus mit Taschen-Uhren versahen. Zu der Zeit befand sich Herr Sully in den glücklichsten Umständen seines Lebens; er hatte eine bequeme Wohnung, seinen Haus-Hofmeister und andere Bedienten, eine Chaise roulante, und sonst alles, was zur Gemächlichkeit und zum Vergnügen dienete; und weil er sich in seinem damaligen Glücke versichert hielt, so sol er den Gehalt, welchen ihm der Herzog von Aremberg noch beständig auszahlen ließ, weiter anzunehmen sich geweigert haben.
Doch dieses anscheinende Glück war nicht so beständig als der Herr Sully dachte; Dann etwa sechzig Arbeiter von Londen nach Paris zu bringen, sie zu überreden ihre Nahrung in Londen fahren und sich in einem Römisch-Catholischen Lande niederzulassen, ihnen allen Wohnung und Hausrath zu Versailles zu verschaffen, ihnen ihre Reise-Versäumniß gut zu thun, und überhaupt ihre Umstände so erträglich einzurichten, daß ihre Frauens nicht murren durften in Frankreich gekommen zu seyn, dieses alles nebst seinem, und des Unter-Directoris Unterhalt, welcher letztere unter der Hand Oel ins Feuer goß, erforderte grossen Aufwand, und dieser machte den Herrn Laws endlich ungeduldig, daß er ohngeachtet aller Mühe, die er sich sonst gab das Königreich durch Manufacturen ins Flor zu bringen, den Unter-Director Herrn R..... in des Herrn Sully Stelle als Director setzete, weilen er glaubte, daß der letztere gar zuviel drauf gehen liesse.
Als Herr Sully hierauf wieder nach Paris kam, fiel er in eine gefährliche Krankheit; Der Verdruß, sein Glück solchergestalt auf einmal verschwunden zu sehen, verursachete, daß es mit seiner Besserung lange anhielt. Indessen sprach ein gewisser grosser Herr bey dem Herrn Laws vor ihn, und brachte ihm einige Actien von etwa 4000 Rthl. werth zu wege.
Bey diesen seinen, nun wieder in etwas gebesserten Umständen, nahm er sich zwar anfänglich vor, seine Sachen hinkünftig besser einzurichten, allein sein herrschender Trieb bekam bey ihm bald wieder die Oberhand, und er fing bald wieder an, alle seine Gedanken auf die Verbesserung der Uhrmacher-Kunst zu wenden. Unter vielen dahin einschlagenden Projecten, erwählete er, dem Marschall Herzog von Noailles den Vorschlag zu einer, zu St. Germain neu anzulegenden, unter des Marschalls Schutz stehenden Uhrmacher-Manufactur zu thun, vermittelst welcher er es dahin zu bringen gedachte, daß beyde Manufacturen, nemlich die zu Versailles und diese neue, in ständiger Bestrebung erhalten werden solten, eine der andern an tüchtiger Arbeit es immer zuvor zu thun.
Der Herzog von Noailles lies sich nicht allein diesen Vorschlag gefallen, sondern unterstützete auch denselben mehr, als Herr Sully von ihm vermuhten konte. Die neue Manufactur kam also würklich zum Stande, und da unter des Herrn Sully Aufsicht und beständiger Aufmunterung viele Uhrmacher aus Paris, Londen und Amsterdam daran arbeiteten, so stritte sie binnen Zeit von einem Jahre mit der zu Versailles um den Vorzug.
Während dieser Zeit ward der Director der Manufactur zu Versailles Herr R..... auf einmahl reich, denn Hr. Laws wurde des Gebens überdrüssig, und schenkte dem Herrn R.... alle in dieser Manufactur vorhandene Wahren und Sachen, die an Werthe wenigstens 40000 Rthl. betrugen.
Nachhero veränderten sich die Zeiten sehr; Herr Laws gieng weg aus Frankreich; Das Geld fing an rarer zu werden, und alle Manufacturen litten darunter, sonderlich des Herrn Sully seine, als deren geringe Einkünfte nicht mehr hinreichen wolten, geschickte Künstler zu befriedigen, welche Herr Sully zu verschiedenen Werken gebrauchte, die er gar zu vollkommen zu machen suchte, und welche dahero allzuviel Zeit erforderten.
Dieses Verfalls, worinnen damahls die Manufacturen des Herrn Laws gerahten waren, suchten sich einige englische Herren nützlich zu bedienen. Sie beredeten disfals unsern Herrn Sully und den Herrn R.... mit dem Englischen Gesandten Ritter Stuton zu sprechen, welcher sie nicht allein sehr gnädig empfing, sondern es auch dahin zu bringen wuste, daß sie sich entschlossen, mit allen ihren Arbeitern, wozu sie noch die Arbeiter einer dritten Manufactur, die bey Rouen errichtet war, bekamen, nach Londen zurück zu kehren. Hiezu wurden ihnen von dem Englischen Ministerio 3000 Pf. Sterlings in dreyen Terminen ausgemachet.
Nachdem Herr Sully in Londen angekommen war, empfing er einen Theil der Gelder, welche man ihm insbesondere vor seine Zurükkehr versprochen hatte, und wurde seinen Verdiensten gemäß begegnet. Allhier fing er an, an seinem Echapement zu arbeiten, auch davon einige Proben vor dem Mylord Parker, als damahligen Canzler von Groß-Britannien, und dem Mylord Islay abzulegen, die er nachgehends in Gegenwart vieler gelehrten und curieusen Personen, nicht weniger vor den Königlichen Uhrmachern wiederholete.
Doch dieser gute Anfang daurete nicht lange, denn der damahlige Staats-Secretarius, an dem er recommendiret war, ging mit dem Tode ab, und dessen Nachfolger blieb dem Herrn Sully nicht so gewogen. Er bekam nicht die ganze versprochene Summe; Dann ob ihm wohl der Mylord Canzler 20 Guineen zu einiger Schadloshaltung auszahlen lies, so machte doch dieses Geschenke und die bereits empfangene Gelder nur den dritten Theil der Summe aus, wozu man ihm Hoffnung gemachet hatte. Als er nun solcher gestalt wenig Vortheil in Londen vor sich sahe, so brachte ihn seine Neigung vor Frankreich wieder nach Paris, und von da nach Versailles, wo er mit eigener Hand an Ausbesserung der Taschen-Uhren zu arbeiten anfing. Unter anderen lies er gedruckte Zettuls unter die Officiers herum tragen, um dadurch ihre Kundschaft zu bekommen; so schlecht waren seine jetzigen Umstände gegen seinen vorigen beschaffen. Weilen er aber sehr geschickt und hurtig arbeitete, zumahlen da seine widrige Zufälle ihn erst recht arbeitsam gemachet hatten, so erhohlete er sich bald wieder, immassen die Hof-Leute, curieuse und andere Personen in grosser Menge zu ihm kamen, theils seinen Umgang zu geniessen, theils ihre Uhren ausbessern zu lassen.
Als er sich wieder in etwas besseren Umständen befand, zog er den Herrn Halstedt, einen geschickten Uhrmacher aus Paris, nebst noch einigen andern Uhrmachern mehr nach Versailles, und nahm sie zu Gehülfen an. Dadurch bekam er Ruhe seine alten Absichten, zu Erfindung einer See-Uhr, wieder vorzunehmen; er verfertigte eine Uhr mit Hebel, wo er sein neues in Londen probirtes Echapement anbrachte, und sich davon eine grosse Richtigkeit versprach.
Diese, fast bis zur höchsten Vollkommenheit ausgearbeitete Uhr, zog ihm neue Bewundere zu; sie gieng auch würklich einige Wochen lang so gut, daß er sich selbst dadurch verführen ließ. In diesem ersten Vertrauen überreichte er sie der Königlichen Academie, und folglich dem Könige selbst, der ihn kurz darauf einen jährlichen Gehalt von 200 Rthl. bewilligte, welcher ihm auch allemahl richtig ist ausgezahlet worden.
Seine neue Uhr mit Hebel ward so wohl aufgenommen, daß jeder Gesandte eine dergleichen vor seinen Souverain verlangete; weilen sich nun noch mehrere Liebhaber in Paris dazu anfanden, so nahm er von einem jeden, der eine haben wolte, eine gewisse Summe Vorschuß darauf an. Hierdurch bekam er so viel in die Hände, daß er seine Gehülfen vermehren konte, die er denn an seinen See-Uhren arbeiten ließ. Jedoch währender Zeit, darinnen eine gewisse Anzahl Uhren fertig werden solte, wurde er gewahr, daß seine eigene anfieng in Unordnung zu gerahten. Er schrieb dies nicht ohne Ursache seinem neuen Echapement zu, davon das Reiben nach einer gewissen Zeit veränderlich wurde, und nunmehro wohl, daß die guten Eigenschaften, welche er sich davon versprochen hatte, so gut als verschwunden waren. Ob nun wohl einem jedem dergleichen hätte begegnen können, indem die Erfindung noch neu und unbekannt, seine Uhr auch über einen Monath lang gut gegangen war, so kostete es ihm doch nicht wenig Mühe davon abzustehen, er that es auch nicht anders, als mit dem grösten Widerwillen, und erst nach vielen, noch vorhero daran gemachten Veränderungen, bis er sie endlich so vollkommen machte, als sie werden konte. Der Herr le Roy hat nach dessen Tode dieses Echapement noch zur Vollkommenheit gebracht.
Nachgehends gerieht unser Herr Sully wieder auf seine alten Absichten, zum Nutzen der Seefahrenden etwas Nützliches zu erfinden, er that auch zu dem Ende, um auf der See selbst Versuche anzustellen, im Jahre 1726 eine Reise nach Bourdeaux, und wurde von der Königlichen Academie zu Paris mit Recommendations-Schreiben dahin versehen.
Allein die viele Zeit, so er auf seine Uhren, sie zur höchsten Vollkommenheit zu bringen, verwand hatte, die ansehnlichen auf seinen Reisen nach Bourdeaux verwandten Kosten, der Verlust seines vor rückständige Hausmiethe in seiner Abwesenheit verkauften Hausraths und kostbaren Werkzeuges, alles dieses warfen ihn dermassen darnieder, daß er für Gram in eine Krankheit verfiel, die lange anhielt, ehe er wieder zu Kräften kommen konte. Nach seiner Wiedergenesung zeichnete er die Mittags-Linie, an der prächtigen Kirche des heiligen Sulpitit, woran er selbst grosses Vergnügen fand. Währender Zeit, da er hieran arbeitete, thaten ihm einige Glieder von der Societät der Künste, deren Zusammenkünfte ehedem unter dem Schutz des Regenten im Louvre waren gehalten worden, und zu deren Ausrichtung er vieles beygetragen hatte, den Vorschlag, sich mit ihnen dahin zu bestreben, daß ihre unterbrochene Versammlungen wieder vorgenommen werden möchten. Wegen seiner grossen Neigung zu den Künsten und Wissenschaften, nahm er diesen Vorschlag nicht allein mit Freuden an, sondern half es auch dahin bringen, daß die Zusammenkünfte kurz darauf wieder angefangen werden konten. In der letzten Versamlung, welcher er beywohnete, laß er einen von ihm aus dem Englischen übersetzten Brief der Herrn Gregori, von dem Nutzen der Mathematik, öffentlich ab. Am Ende eben dieser Woche vernahm er, daß jemand in der Vorstadt St. Marceau der Societät der Künste etwas sonderbares zeigen wolte; Man hatte ihm aber die Wohnung dieser Person unrecht angezeiget, dahero muste er in dieser grossen Vorstadt viele Wege, ohne den Ort zu finden, vergeblich thun; Dadurch verhitzete er sich, und bekam die Brustkrankheit, woran er fünf Tage darauf, nemlich im October 1728, seinen Geist aufgab.
Der Pfarherr bey der Kirche des heiligen Sulpitii leistete ihm währender seiner Krankheit nicht allein allen geistlichen Beystand, und besorgete nach seinem Tode seine Begräbnis mit behörigem Gepränge, sondern lies ihn auch in seiner Kirche, nicht weit von dem Orte, wo der Verstorbene wenig Tage zuvor noch die Mittags-Linie abgezeichnet hatte, beysetzen.
Und so endigten sich die Tage eines der geschicktesten Uhrmacher in Europa, davon die letzteren, welche er auf die Verbesserung seiner See-Uhren, zum Nutzen der Schiffarth verwandte, nicht so heiter und glücklich waren, als es seine löbliche Unternehmungen wohl verdienet hätten, immassen dadurch viele tausend Menschen denen Meeres-Wellen würden entrissen worden seyn, wenn er damit zum Stande gekommen wäre.
Indessen muß man ihm doch dieses nachrühmen, daß er durch die Errichtung der beyden Uhren-Manufacturen zu Versailles und St. Germain, ohngeachtet sie von keinem langen Bestande gewesen sind, die Verbesserung der Uhrmacherkunst in Frankreich nicht wenig befördert, und die vor ihm sehr geringe Anzahl der guten und tüchtigen Arbeiter daselbst, um ein grosses vermehret habe.
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