Eine Uhr ist ein solches Kunstwerk, welches aus vielen Theilen dergestalt zusammen gesetzet ist, daß ein Theil auf den andern wirken, und dadurch gleiche Bewegungen von ziemlicher Dauer zuwege bringen, aus welchen Bewegungen man Absätze machen, und nach denenselben, die Zeit in gleiche ganz merkliche Theile abtheilen könne.
Die Hauptheile einer Uhr sind die Räder, welche solchergestalt gemachet sind, daß ein Rad durch das andere bequem umgetrieben werden könne.
Ein jegliches Rad ist gemeiniglich auf seinem Wellbaum oder Achse befestiget, deren beyde Enden, so man Zapfen nennet, darum zum Theil sehr dünne bearbeitet sind, damit sich das Rad um so viel weniger beym Umlauf reiben könne, und aufgehalten werde.
Man kan ein oder mehrere Räder auf eine, und eben dieselbe Achse befestigen, ja mehrentheils trifft man auch zwey Räder auf einer Achse an, davon das eine groß, das andere aber klein ist; sie haben beyde ganz verschiedene Namen: das grosse wird eigentlich das Rad, das kleine aber das Getriebe genennet. Man kan ihnen auch noch andere Namen geben. Ein solches Rad ist aus verschiedenen Theilen zusammen gesetzet, davon ein jedes seinen besonderen Namen hat. Dann 1) ist das eigentlich so genannte Rad, welches seine Zähne an seinem Umkreyß hat. 2) Die Achse oder der Wellbaum, auf welchem das Rad befestiget ist, hat noch an beyden Enden zwey Zapfen, auf welchen das Rad umgetrieben wird. 3) Das Getriebe und der Wellbaum sind gemeiniglich aus einem Stücke, die Anzahl der Zähne des Getriebes aber ist im insgemein weit geringer, als die Anzahl der Zähne des Rades. Man nennet sonst auch die Zähne des Getriebes dessen Stäbe oder Triebstecken, und nach den Kunst-üblichen Wörtern sagt man: die Zähne eines Rades, und die Stäbe oder Triebstecken eines Getriebes.
Um recht begreiflich zu machen, auf was Weise viele verschiedene Räder einander umtreiben können, so wird nöhtig seyn, daß wir auch diejenigen Theile beschreiben, worauf diese Räder ruhen, und worin sie mit ihren Zapfen umgetrieben werden. Die Stütze dieser beyden Räder ist doppelt, damit die beyden Zapfen eines jeglichen Rades daran aufliegen können. Zu diesem Behuf nun dienen die beyden grossen Platten, welche auf allen Seiten gleich weit, nach der Länge der Wellbäume oder Achsen, von einander abstehen, und durch Pfeiler aneinander befestiget sind. Beyde Uhrplatten haben Löcher oder Pfannen gerade gegen einander über, worinnen die Zapfen der Räder gehen, und bequem getrieben werden können. Diese Platten, mit ihren Stützen oder Pfeilern, nennt man das Gehäuse. Dergleichen Gehäuse kan man dergestalt einrichten, daß so viel Räder von derjenigen Grösse, Figur und Ordnung, als man ihnen geben wil, darinnen Raum haben, und sich gemächlich einander umtreiben können; welches ich deutlicher zeigen wil.
Man stelle sich zwey Räder in einem Gehäuse (so man will ohne Getriebe) von gleicher Grösse, oder von gleichem Durchmesser, und von einer gleichen Anzahl Zähnen vor, deren Wellbäume gleich weit von einander abstehen, solchergestalt, daß sie sich frey auf ihren Zapfen umdrehen können; man setze dabey zum Grunde, daß die Zähne beyder Räder genau in einander greiffen; so ist es offenbar, wann man das eine Rad mit dem Finger einmahl um seinen Mittelpunkt herum drehe, daß alsdann dieses Rad, das andere Rad zugleich, und in gleicher Zeit, mit um seine Achse drehen wird, weilen die Zähne beyder Räder genau in einander greiffen, und das eine Rad eben so viel Zähne hat, als das andere.
Man nehme ferner zwey Räder, welche eine ungleiche Anzahl Zähne haben, und stelle sie auf einander wie die vorigen, zum Exempel: das eine Rad habe 60, und das andere 30 Zähne, so ist es klar, daß, wann man das erstere Rad um seine Achse drehet, so wird das erste Rad von 60 Zähnen, das andere Rad von 30 Zähnen zu gleicher Zeit zwey mahl um seine Achse mit herum nehmen, wann das erste nur einmal herum gehet. Imgleichen nehme man noch zwey Räder, deren Zähne sich ineinander fügen, davon das erstere drey, vier, zehen etc. mahl so viel Zähne hat als das andere, so folget aus gleichem Grunde, daß das kleinere Rad sich drey, vier, zehen etc. mahl um seine Achse drehen wird, wann das grössere, binnen eben der Zeit, nur einmahl sich herum drehet.
Nun wollen wir einmahl drey Räder zum Grunde setzen, davon das erstere kein Getriebe hat, weilen demselben keines nöthig ist, da kein Rad vorher gehet, so das Getriebe in Bewegung setzen könne; dieses Rad sol 64 Zähne haben. Das andere Rad sol ein Getriebe von 8 Triebstecken oder Stäben, das Rad aber 48 Zähne haben. Das dritte Rad habe ein Getriebe von 6 Stäben, und 30 Zähne. Um die Zusammenfügung dieser Räder mit ihren Getrieben desto deutlicher zu zeigen, so wollen wir sie in folgender Ordnung setzen:
Räder Getriebe
1) Rad. 64 8 (8 Umläufe des zweiten Rades, wann währender Zeit
das erste nur einmahl sich herum drehet.
2) Rad. 48 6
3) Rad. 30 (8 Umläufe des dritten Rades, wann währender Zeit
64 das zweyte nur einmahl sich herum drehet.
Nach dieser Vorstellung siehet man ganz deutlich, daß die obersten 64, die Zahl der Zähne des ersteren Rades bemerke, und daß 64 ...8 nachweise: das erstere Rad von 64 Zähnen gehe in das Getriebe des anderen Rades von 8 Stäben; die Zahl 8 aber, welche als ein Divisions-Facit gesetzet ist, zeiget an, daß, wann das erstere Rad von 64 Zähnen, das Getriebe des anderen Rades von 8 Stäben umtreibet, dieses Getriebe 8 mahl herum gehen müsse, wann inzwischen das Rad von 64 Zähnen nur einmahl herum gehen darf. Noch mehr, es zeiget der Querstrich, welcher neben 48/8 stehende beyde Zahlen vereiniget an, daß das zweyte Rad von 48 Zähnen mit dem Getriebe von 8 Stäben auf einer Achse befestiget ist, und sich folglich damit herum drehet; imgleichen daß das zweyte Rad von 48 Zähnen, das Getriebe des dritten Rades 6 Stäben umtreibet, wie solches durch 48.. 6 ausgedrucket ist. Ferner findet man noch (8 als ein Divisions-Facit, welches die Zahl der Umläuffe des Getriebes des dritten Rades von 6 Stäben ist, wann inzwischen das zweyte Rad von 48 Zähnen, sich nur einmahl herum drehet, und der Querstrich 6/30 bezeichnet, daß das dritte Rad von 30 Zähnen, auf einer gemeinen Achse mit dem Getriebe von 6 Zähnen stehet, und sich damit zugleich herum drehet; hieraus folgt ganz klar, daß das zweyte Rad und Getriebe 8/48 sich 8 mahl um seine Achse drehet, wann inzwischen das erstere Rad von 64 Zähnen nur einmahl um seine Achse herum gehet, und daß das dritte Rad und Getriebe 6/30 8 mahl herum lauffen muß, wann während der Zeit das zweyte Rad von 48 Zähnen nur einmahl herum läuffet, daß also die Zahlen (8 die Quotienten oder das Facit sind, welche heraus kommen, wenn man die Zahl der Stäbe an den Getrieben, welche von den Rädern umgetrieben werden, dividiret. Da nun das zweyte Rad 3 mahl umläuffet, wann das erste Rad solches nur einmahl thut, und das dritte Rad auch 8 Umläuffe währenden einen Umlauff des zweyten Rades verrichtet, so ist es augenscheinlich, daß , wann man die beyden Quotienten (8 mit einander multipliciret, daß Product 64 alsdann die Anzahl aller Umläufe anzeigen wird, welches das dritte Rad thun muß, währenden einen Umlauff des ersteren. Nimt man noch ein Rad dazu, von so viel Zähnen als man wil,, zum Exempel von 15, und gibt dessen Getriebe 5 Triebstecken oder Stäbe, welches man durch 5/15 bemerket, so zeiget sich, daß alsdann das dritte Rad von 30 Zähnen, das Getriebe des vierten Rades von 5 Stäben umtreibet, indem es so zu stehen kommt 30 ......5/15 (6 und das Divisions-Facit beträget so dann 6. Wil man nun wissen, wie vielmahl dieses vierte Rad von 15 Zähnen durch einen einzigen Umlauff des ersteren Rades von 64 Zähnen um seine Achse getrieben wird, so darf man nur 64 mit 6 multipliciren 64 * 6 = 384 so giebt das Product 384 die verlangte Anzahl; und dergestalt kan man weiter fortfahren, mit so viel Rädern als einem beliebt.
Dieses, was angeführet worden, wird genug seyn, uns einen hinlänglichen Begriff zu machen, auf was Weise die Räder einer Maschine sich einander umtreiben. Nun wollen wir weiter untersuchen, auf was Art die Räder einander ihre Bewegung mittheilen, und die Kraft, so sie von dem Ursprunge ihrer Bewegung empfangen, betrachten.
Zu diesem Behuf wollen wir uns ein Gewichte von beliebiger Schwere vorstellen, an welchem das Ende eines Strickes befestiget ist, dessen anderes Ende man etliche mahl um der Achse eines Rades gewunden hat. Man siehet gleich, daß das Gewichte, so tief als es nach dem Maaß seiner Schwere hinunter steiget, auch das Rad um seinen Mittelpunkt mit herum nehmen wird, und wann die Achse des Rades, um welcher man den Strick gewunden hat, überall von gleichem Durchmesser ist, so wird sie von der Last mit gleicher Kraft umgedrehet werden, bis der Strick von der Achse ganz wird abgelauffen seyn; ja je dicker oder je dünner die Achse nach Proportion des Durchmessers ihres Rades ist, um so viel langsamer oder geschwinder wird sie von der hinunter sinkenden Last umgedrehet werden.
Es habe zum Exempel ein Rad 12 Zoll im Durchmesser, und dessen Wellbaum oder Cylinder, worauf es befestiget ist, habe im Durchmesser 6 Zoll; um dieser Achse oder Welle sey ein Strick gewunden, an dessen einem Ende eine Last von 80 Pfunden hänget; so wird man gleich nach den ersten Anfängen der Bewegungs-Kunst urtheilen können, daß die Last der 80 Pfunde um den Umgang der Welle noch einmahl so starke Würkung thun müsse, als um den Umgang des Rades, weilen nemlich der Durchmesser des Wellbaums nur halb so groß ist, als der Durchmesser des Rades, und folglich, wann der Durchmesser des Wellbaums 3 mahl, 4 mahl, 10 mahl etc. kleiner ist, als der Durchmesser seines Rades, so wird die Würkung der Last um den Rade auch nur den 3ten 4ten, 10ten etc. Theil so stark seyn, als um den Wellbaum.
Die Kraft der Bewegung , in denen sich unter einander umtreibenden Rädern, wird verringert, nach dem Verhältnis der Grösse, welche die Durchmesser der Räder zu den Durchmessern ihrer Getriebe haben; ich werde mich bemühen dieses mit aller nur möglichen Deutlichkeit zu zeigen.
Wir wollen zu dem Ende die Anzahl der Räder des ersten Exempels beybehalten. Weilen es uns aber hier eigentlich nur zu thun ist, um recht begreiflich zu machen, auf was Weise die Räder sich unter einander ihre Bewegungs-Kraft mittheilen, so müssen wir die Zahlen dabey in etwas verändern, davon die Ursache sich unten zeigen wird.
1tes Rad 64 32 Die Quotienten des
(6 Durchmessers der Getriebe,
2tes Rad 48 8 welche in den Durchmessern
(5 ihrer Räder enthalten sind.
3tes Rad 30 6
(3
4tes Rad 15 5
Um nicht in allzu grosse Weitläuftigkeit uns einzulassen, so wollen wir annehmen: daß die Durchmesser dieser Räder, und ihrer Getriebe nach ihrer Anzahl proportioniret seyen, wann gleich dieses eben nicht allemahl nohtwendig folgen muß. Wir wollen auch anjetzo das Reiben nicht ausrechnen, so an der ganzen Maschine geschiehet, sondern hievon, und von andern dergleichen Ausrechnungen betreffenden Dingen mehr, an seinem Ort ausführlicher handeln, als welches hier nur Verwirrung anrichten würde.
Weilen es gleichviel gilt, von was für einer Grösse wir die Durchmesser der Räder und ihrer Getriebe annehmen, indem wir hier nur die rechte Proportion zeigen wollen, so wollen wir dem ersten Rade 64, dem zweyten Rade 48, und dem Getriebe des zweyten Rades 8 Linien im Durchmesser geben; die übrigen Räder mit ihren Getrieben, sollen im Durchmesser so viel Linien haben, als oben ausgedrucket worden; weiter wollen wir ein Gewichte oder Last nach Belieben annehmen, und dessen Schwere den Namen der Kraft beylegen, und diese so genannte Kraft, sie sey beschaffen wie sie wolle, zur Erleichterung der Ausrechnung in zehen tausend gleiche Theile eintheilen.
Gesetzt nun, es wäre der Cylinder, oder die Welle, worauf das erste Rad befestiget ist, von 32 Linien im Durchmesser, so wird das Gewichte, welches 10000 Grade Kraft hat, indem es an dem einen Ende eines Strickes hänget, dessen anderes Ende um diese Welle gewunden ist, alle Grade seiner Kraft der Welle unstreitig mittheilen; weilen nun die Welle nur 32 Linien, das Rad aber, so darauf befestiget ist, 64 Linien im Durchmesser hat, so folget ganz natürlich, daß die Kraft des Gewichts, welches auf der Welle ganze Würkung thut, auf dem Rade nur halbe Würkung verrichten, und folglich an dem Umkreiß des Rades nur 5000 Grade Kraft behalten werde.
Dahingegen wird das erste Rad alle seine Kraft dem Getriebe des zweyten Rades mittheilen; weilen aber dieses Getriebe nur 8 Linien, das Rad aber, welches mit dem Getriebe auf einer Achse stehet, 48 Linien im Durchmesser hat, so folget, daß die 5000 Grade Kraft, welche dieses Getriebe, von dem ersten Rade so es umtreibet, empfangen hat, an dem Umkreyß des Rades, nach eben der Proportion sich verringern werde, als sich das Maaß des Getriebes von 8 Linien, zu dem Maaß des Rades von 48 Linien im Durchmesser verhält, also, daß das Gewichte zu dem Umkreyß des zweyten Rades nur den sechsten Theil von denen 5000 Graden Kraft, welche seinem Getriebe von dem ersten Rade mitgetheilt worden, übrig behält, welches nur 833 Grade beträget. Ferner, dieses zweyte Rad wird alle seine Kraft dem Getriebe des dritten Rades mittheilen, weilen nun dieses Getriebe nur 6, dessen Rad aber 30 Linien im Durchmesser hat, so ist es klar, daß zu dem Umgange dieses dritten Rades, nur der fünfte Theil Kraft von den 833 Graden, welche sein Getriebe von dem zweyten Rade empfangen hat, übrig bleiben, welches dann nur 166 Grad beträget; endlich so wird das dritte Rad, noch seine 166 Grad Kraft auf das Getriebe des vierten Rades bringen, und weilen dieses Getriebe nur 5 Linien, und dessen Rad 15 Linien im Durchmesser hat, so muß man die 166 Grad Kraft, noch mit 3 dividiren, da dann zuletzt, von allen 10000 Graden Kraft nur 55 Grade vor das letzte Rad übrig bleiben. Sollte man nun das Reiben von diesen 55 Graden noch abrechnen, so würden kaum 30 Grad übrig bleiben.
Also habe ich durch Ausrechnung der Anzahl der Zähne und Triebstecken, an den Rädern und ihren Getrieben, ganz deutlich bewiesen, daß das erste Rad nur einmahl mit seinen Zapfen herum gehet, wann währender Zeit das letzte Rad mit seinen Zapfen 384 mahl herum getrieben wird; ich habe ferner durch die Verhältnisse ihrer Durchmesser dargethan, daß von 5000 Graden Kraft, welche man dem ersten Rade zugeeignet hatte, nur 55 Grad vor das letzte Rad übrig bleiben. Beydes muste vorhero bewiesen werden, damit man die unten weiter vorkommende Sachen, welche sich hierauf beziehen, und zu unserm Zweck unumgänglich nöhtig sind, um so viel besser verstehen lerne.
Man begreiffet anjetzo durch sothane Ausrechnungen, daß das erstere Rad, indem es 3 oder 4 andere Räder obbeschriebener Massen umtreibet, eine gewisse ganz merkliche Zeit zubringen müsse, nur einmahl um seine Achse zu lauffen, und daß diese Zeit noch vermehret, oder vielmehr vervielfältiget werde, nachdem der Strick oft und vielmahl um die Welle des ersten Rades gewunden wird; imgleichen, daß die Zeit des Umganges aller dieser Räder länger oder kürzer seyn müsse, nachdem das Gewichte, so die Räder umtreibet, leichte oder schwer ist. Man wird weiter gewahr, daß, wann die Räder nur richtig und mit Fleiß gemachet sind, und sich frey bewegen können, ihr Umlauff in ziemlich gleicher Zeit geschehen müsse. Weilen aber die ganze Bewegung einer dergestalt mit Rädern und Getrieben zusammen gesetzten Maschine, wegen ihres schnellen Laufs nur kurze Zeit dauren würde, so ist man auf Mittel bedacht gewesen, die allzu geschwinde Bewegung der Räderwerke zu mildern, und die längere Dauer derselben zu vermehren.
Damit man aber um so viel besser begreifen lerne, wie dieses zugehe, so muß man sich erinnern, daß die bewegenden Kraft des letzten Rades allezeit sehr geringe ist; und daß man dahero dessen Bewegung leicht Einhalt thun könne. Man begreiffet auch ohne Mühe, daß, wann man die Bewegung des letzten Rades aufhält oder verzögert, man auch so dann nohtwendig die Bewegung aller übrigen Räder zugleich mit aufhalte oder verzögere, welche allemahl, eine, nach der Anzahl ihrer Zähne proportionierte Geschwindigkeit unter sich behalten, wie ich oben schon gezeiget habe; also darf man nur die Bewegung des letzten Rades solchergestalt mildern, daß es sich nur nach und nach durch gewisse Grade, und in gleicher Zeit bewege.
Diese Milderung der Bewegung eines Räderwerks, geschiehet durch einen Theil des Uhrwerks, welchen man die Unruhe nennet; dieselbe ist also gestaltet, und an das letztere Rad gefüget, daß, wenn sie von jedem Zahn dieses Rades nach und nach gestossen, und durch jedweden Stoß, welchen sie von dem Rade empfänget, gezwungen wird, sich Wechsels-weise von einer Seite zur andern zu bewegen, sie an ihren Seiten zugleich auf das Rad würket, indem sie verursachet, daß dasselbe nur nach und nach fortrücken kan, und lässet, indem sie sich einmahl hin und her beweget, auch nur einen von dessen Zähnen auf einmahl fahren.
Man siehet leicht an der Verzögerung, welche die Unruhe bey der Bewegung der Räder verursachet, daß man die Länge der Bewegung eines also zusammengesetzten Kunstwerks oder Maschine nach eigenem Gefallen einrichten könne, wann nur das Gewichte genugsame Kraft hat, das hin und her Schwanken (die Streiche) der Unruhe zu unterhalten, als welche blos durch Kraft der Stösse, welche sie von den Zähnen des letzten Rades empfänget, beweget wird.
Wann wir nun ein, auf vorbeschriebene Weise verfertigtes Kunstwerk zum Grunde legen, und dabey fest setzen, daß dessen Bewegung nur 24 Stunden dauren könne, so erkennet man ohne Mühe, daß das erste Rad sehr langsam umgehen müsse. Gesetzt, zum Exempel, es drehete sich in zwölf Stunden einmahl herum, und man liesse das eine Ende seiner Achse mitten durch ein Bret gehen, bediente sich dieses Brettes statt eines Ziefferblats, beschriebe darauf einen Cirkul, theilte solchen in zwölf gleiche Theile, und befestigte an das Ende der Achse eine Zeiger-Nadel, welche auf den Cirkul des Zifferblats fallen könnte; wer siehet nicht, daß dieser Zeiger, welcher zu gleicher Zeit, mit dem Rade, auf dessen Achse er befestiget ist, fortgehet, auf die Eintheilung des Zifferblats weisen, und zugleich die Stunden des Tages bemerken werde?
Dieses ist genug zu einem leichten Begriff von Verfertigung schlechter Uhren. Nun wil ich noch mit wenig Worten zeigen, wie man dabey nach und nach noch vieler nützlich erfundenen Sachen, sich zu bedienen gewust, wodurch diese Kunst verbessert worden, und beynahe zur Vollkommenheit gediehen ist.
Die ersten Uhren sind ohne Zweifel sehr ungeschickt, und nur allein tauglich gewesen in Kirchen und öffentlichen Gebäuden aufgestellet zu werden; ja daß auch diese sehr grob verarbeitet worden, kan man noch an denen Uhren, welche das Alterthum übrig gelassen hat, zur Genüge sehen. Es ist auch sehr wahrscheinlich, daß man sich lange Zeit mit diesen schlechten Uhren beholfen hat, ehe man auf die Gedanken gerahten ist, das Schlagwerk, den Wecker, und andere dergleichen Sachen mehr hinzu zu thun. Indessen hat man mit der Zeit kleinere Uhren zum Gebrauch in Häusern ersonnen, und zuletzt versuchet, auch Uhren zu machen, die man bey sich tragen könne, welche man Taschen-Uhren nennet.
Sothane Taschen-Uhren, sind, was das Räderwerk, auch die Art ihrer Bewegung durch die Unruhe zu verzögern anlanget, mit denen Uhren, wovon wir bishero gehandelt haben, vollkommen ähnlich; allein sie unterscheiden sich hauptsächlich in demjenigen, was den Grund (die Ursache) ihrer Bewegung verursachet, welches in den grossen Uhren durch ein Gewicht, in den Taschen-Uhren aber durch die Feder geschiehet.
Man hat aber bald darauf an den Federn etwas sehr mangelhaftes wahrgenommen, nemlich: daß ihre Kraft vom Anfang bis zum Ende ihrer Würkung nicht überall gleich ist; dann je mehr eine Feder sich loßwindet, je weniger behält sie von ihrer ersten Kraft, und derohalben muß die Bewegung der ersten auf vorbeschriebene Weise verfertigten Uhr, sehr ungleich gewesen seyn, weshalb man auf Mittel denken müssen, dieser Unschicklichkeit abzuhelfen.
Nachgehends hat man angefangen die Ungleichheit der Kraft ihrer Federn zu verbessern, und ist erst nach vielen Versuchen, durch die Erfindung der Conischen oder Kegel-Schnecke endlich dazu gelanget.
Diese Conische Schnecke, so mehrentheils wie eine Glocke gestaltet, ist auf der Achse des ersteren Rades befestiget, und bekommt von der Feder, vermittelst einer Schnur ihre Kraft; dann die Feder ist in ihr Feder-Haus, als in einer Trommel eingeschlossen, an dieser Trommel ist das eine Ende der Schnur befestiget, so wie das andere Ende derselben unten an der Conischen Schnecke feste sitzet; wann nun die Uhr aufgezogen wird, so spannet sich die Feder, und ziehet sich in der Trommel zusammen, fänget auch an mit aller Kraft die Schnur an sich zu ziehen. Ob nun wohl ihre Kraft nach und nach immer geringer wird, so, wie sie sich nach und nach loßspannet, und die Schnur von der Conischen Schnecke sich abwindet, so würket sie doch allezeit auf die Gänge der Schnecke als auf Hebel, welche Gänge sich eben so vergrössern, als die Kraft der Feder abnimt, wodurch dann sothane Kraft gleich gemachet wird, dergestalt, daß die Feder, mit Hülfe der Conischen Schnecke, dem Räderwerke der Uhr eine beständige gleiche Kraft mittheilet, obschon ihre Würkung an sich ungleich ist.
Lange Zeit nach Erfindung der Conischen Schnecke, und der Schnur, hat man wohl eingesehen, daß auch die Schnur vielen Mängeln unterworfen sey, als daß sie sich, zum Exempel, bey Veränderung des Wetters entweder ausdehnet, oder einkriechet, oder wohl gar zum öfteren reisset; und dahero ist man auf die Erfindung einer recht dauerhaften Schnur, welche dergleichen Mängel gar nicht unterworfen ist, ich meyne der Kette, gefallen.
Endlich so ist die Erfindung der Spiral-Feder, welche man jetzo unter die Unruhe leget, damit diese eine gleichförmige Vibration, (Schwankung, oder Streiche,) erhalte, noch eine der besten Entdeckungen, so man gemachet, die Bewegung der Taschen-Uhren zur Vollkommenheit zu bringen.
Indessen da man gesuchet die Taschen-Uhren vollkommener zu machen, so hat man doch dabey die grösseren Uhren, so wohl mit Gewichte als mit Federn nicht verabsäumet, und zu beyder Verbesserung vieles, sonderlich den Perpendikel, hinzu gethan, wovon wir unten ein mehreres anführen wollen. Ja noch erst zu unsern Zeiten, hat man diesen künstlichen Maschinen eine grosse Menge schöner Erfindungen beygefüget, die dem gemeinen Wesen keinen geringen Nutzen zuwege gebracht haben. Weilen man aber so wohl von grossen, als von Taschen-Uhren verschiedene Arten verfertiget hat, so wollen wir hievon in nächst folgenden Capitel insbesondere reden.
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