In denen beyden vorhergehenden Capiteln habe ich mich bemühet zu zeigen, was man von allerhand Gattungen grosser und kleiner Uhren vernünftiger Weise sich versprechen könne. Weilen ich nun im folgenden einigen Unterricht zu geben Vorhabens bin, wie man mit ihnen ordentlich umgehen und sie richtig stellen müsse; so muß ich zuforderst mit möglicher Deutlichkeit, von der Eintheilung der Zeit, als einer, vor diejenigen, welche ihre Stuben- und Taschen-Uhren gut zu handhaben lernen wollen, höchst nöhtigen Sache handeln.
Durch die natürliche Eintheilung der Zeit verstehe ich diejenige, welche uns die Revolutiones (Umläuffe um den ganzen Himmel) der Himmelscörper, unter welchen die Sonne der vornehmste ist, durch die Periodos (Absätze) ihres Umlaufs, verursachen. Ob man nun zwar gemeiniglich davor hält, daß diese Periodi eine genaue Gleichheit halten, so ist es doch gleichwohl gewiß, daß man bey ihnen eine merkliche Ungleichheit wahrnimmt.
Die künstliche Eintheilung der Zeit aber nenne ich diejenige, welche man machet, wann man eine gewisse Anzahl merklicher Absätze, dieser natürlichen Umläuffe der Sonne um den ganzen Himmel, zusammen nimt, und sie, ob sie wohl an sich ungleich sind, doch in vollkommen gleiche Theile eintheilet; zum Exempel:
Das Jahr wird, durch die tägliche Bewegung der Sonne, in 365 merkliche Periodos, welche man so viel natürliche Tage nennet, eingetheilet. Diese Periodos rechnet man von dem Augenblick an, in welchem die Sonne in den Mittags-Cirkel, oder in den Punct trit, wo sie Mittag machet, bis wieder zu dem Augenblick des darauf folgenden Tages, in welchem sie zu eben demselben Punct des Mittags-Cirkels wieder zurücke kehret.
Nun sind diese Periodi, welche die natürlichen Tage machen, unter sich nicht allerdings gleich, ob man gleich gemeiniglich davor hält, daß ein jeder just vier und zwanzig Stunden lang sey; dann einige dauern etliche Secunden länger, einige etliche Secunden kürzer, als vier und zwanzig Stunden. Und dergestalt wird durch den täglichen Umlauf der Sonne die Zeit natürlicher Weise in ungleiche Periodos eingetheilet; welches ich die natürliche Eintheilung der Zeit nenne.
Wann man aber das ganze Jahr, oder die Zeit, dieser, obgleich unter sich ungleichen 365 Periodorum, zusammen nimt; und theilet sie in 365 vollkommen gleiche Theile ein, davon jeder just vier und zwanzig Stunden lang ist, so bekomt man 365 künstliche Tage, welche viel richtiger sind, als die natürlichen Tage; und diese nenne ich die künstliche Eintheilung, weilen man sich dabey des Rechnens bedienen muß.
Weilen man aber gewisse Wörter haben muß, die Eintheilung der Zeit nach oberwehnten beyden Manieren deutlich zu unterscheiden, so wollen wir die erste, nemlich diejenige, welche uns die merklichen Absätze der täglichen Bewegung der Sonnen an die Hand giebet, die scheinbare Zeit, die zweyte aber, welche durch die Rechnungskunst heraus gebracht wird, die gleiche Zeit nennen.
Wir sähen wohl gerne, daß unsere Uhren uns allemahl die scheinbare Zeit, oder die eigentliche Sonnenstunden anzeigeten; allein man kan sie nicht anders als auf die gleiche Zeit einrichten. Weil es nun unmöglich ist, daß ihre Zeigernadeln uns die scheinbare Zeit genau anzeigen können, so lange ihr ganzer Lauf und Einrichtung nach der gleichen Zeit geschiehet, so werde ich unten anweisen, wie man sich ihrer bedienen müsse, wann ihre Zeigernadeln die scheinbare Zeit, auf dem Ziefferblatte, so genau, als es bey sothaner ihrer Einrichtung nach der gleichen Zeit möglich ist, anzeigen sollen.
Damit man aber auch sehen möge, daß der Unterscheid der scheinbaren und gleichen Zeit, nicht ohne Grund sey, so wil ich die Gründe anführen, worauf er gebauet ist.
Die scheinbare Zeit machet uns die tägliche Bewegung der Sonne, von dem Mittagspunct des einen bis zum Mittagspunct des folgenden Tages; oder vielmehr der tägliche Umlauf der Erde um ihre Achse, in Absicht auf die Sonne. Alle richtig verfertigte Sonnenweiser bemerken die scheinbare Zeit.
Dahingegen bekommen wir die gleiche Zeit, zwar auch durch den täglichen Umlauf der Erde um ihre Achse, jedoch in Absicht auf die Fixsterne. Ihre Periodos bemerket man so wohl durch die auf einander folgende Wiederkehr eines gewissen Fixsterns, auf eben den Punct des Himmels, wo er vorher gestanden hat, als auch durch eine richtige Perpendikel-Uhr. Ich werde dieses in den beyden folgenden Capiteln weiter ausführen, und Mittel an die Hand geben, wie man beydes die scheinbare und gleiche Zeit beobachten könne.
Anmerkung des Übersetzers:
Die wahre Zeit, oder wie sie unser Autor nennet, die scheinbare Zeit, ist diejenige, welche die Sonne auf der Mittagslinie bemerket, auch vollkommen richtige, und ganz genau gestellete Sonnenweiser anzeigen. Die nach der mittlern Bewegung der Sonnen eingerichtete Zeit, oder nach unserm Autore, die gleiche Zeit, zeiget uns eine wohl gerichtete Perpendikel-Uhr an. Unter einer wohl gerichteten Perpendikel-Uhr verstehet man diejenige, welche an einem gewissen Tage im Jahre nach der Sonnen gestellet ist, und nach Verlauf eines Jahres, an eben dem selben Tage, just eben dieselbe Stunde bemerket, welche die Sonne alsdann auf einer richtigen Sonnen-Uhr weiset. Hieraus folget: daß die, nach der mittlern Bewegung der Sonnen eingerichtete Zeit, recht das Mittel hält, zwischen denen Zeiten oder Monathen, worinnen die Sonne geschwinde, und denen Zeiten, worinnen sie langsam gehet.
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