Von der gleichen Zeit habe ich schon oben eine Beschreibung gegeben, und sie von der scheinbaren Zeit unterschieden, wobey ich dann unter andern gesaget: daß sie uns durch den täglichen Umlauf der Erde, in Absicht auf die Fixsterne bestimmet werde. Weilen aber die Periodi (Absätze) dieses Umlauf, mit den Periodis des Umlaufs, der in Absicht auf die Sonne geschiehet, von ungleicher Dauer sind; so werde ich davon erstlich die Ursachen vorbringen, und dann ferner Unterricht geben, auf was Weise man die Zeit, wovon die Rede ist, zu richtiger Stellung der Uhren, mit hinlänglicher Richtigkeit finden könne.
Daß die Zeitdauer der täglichen Umlaufs der Erde, in Absicht auf die Fixsterne, kürzer ist, als besagter Umlauf in Absicht auf die Sonne, solches rühret daher; weilen, da er durch die Ecliptik binnen Jahresfrist geschiehet, es nicht anders seyn kan, als daß die Sonne nach und nach in Conjunction mit einem jeden Fixstern müsse zu stehen kommen.
Gesetzet nun, es befänden sich in der Ecliptik eben so viel Fixsterne, als Tage im Jahre sind, nemlich 365, in gleicher Weite von einander, und die Sonne wäre heute zu Mittage in Conjunction mit dem ersten Fixstern zu stehen gekommen, so wird sie, wann sie ihren Lauf von Abend gegen Morgen fortsetzet, Morgen zu Mittage mit dem zweyten, und Uebermorgen mit dem dritten Fixstern in Conjunction zu stehen kommen. u.s.w.
Indem aber die Sonne ohngefehr den 365sten Theil ihres Laufs, als den Raum, welchen sie von einem in ihrer Strasse befindlichen Fixstern zum andern, von Abend gegen Morgen fortrücken muß, zurücke leget, so drehet sich die Erde auf gleiche Weise rund um ihre Achse herum, und der Erdmeridianus, welcher heute der Sonne gerade gegen über stehet, da sie sich in Conjunction mit dem ersten Fixstern befunden, wird Morgen, in ihrer Conjunction mit dem zweyten Fixstern, auch gegen ihr über zu stehen kommen. Hieraus folget: daß eben der Erdtheil, der heute Mittag, wenn die Sonne in Conjunction mit dem ersten Fixstern ist, gegen ihr über zu stehen kommt, Morgen, etwas vor Mittag, nohtwendig gegen den ersten Fixstern über, zu stehen kommen werde, zu eben der Zeit, wann die Sonne in Conjunction mit dem andern Fixstern gelanget ist; die Erde aber, um ihren Umlauf in Absicht auf die Sonne zu endigen, muß in ihrem Lauf noch so viel fortrücken, als erfordert wird, daß der Theil, der gegen den ersten Stern über stehet, gegen den andern Fixstern über gelangen könne.
Wenn wir allemahl voraus setzen, daß die Sterne, welche sich in der Sonnenstrasse befinden, in der Weite des 365ten Theils besagter Strasse, von einander abstehen, so ist offenbar, daß eben der Meridianus, oder Erdtheil, der heute gegen den ersten Fixstern über stehet, bey dem täglichen Umlauf der Erde, nach und nach, gegen einen jeden gedachter Fixsterne über, werde zu stehen kommen, folglich eben der Meridianus, der einem gewissen Stern gegenüber stehet, wird beynahe in dem 365ten Theil von vier und zwanzig Stunden, so ohngefehr 3 Minuten und 57 Secunden ausmachet, dem nächst bey ihm sich befindenden Fixstern gegen über zu stehen kommen; und derohalben geschiehet der tägliche Umlauf der Erde, in Absicht auf die Fixsterne, in vier und zwanzig Stunden, weniger 3 Minuten, und 57 Secunden.
Weilen nun dieser Umlauff keine merkliche Ungleichheiten hat, sondern sich immerfort in 23 Stunden, 56 Minuten, und 3 Secunden endiget, so nenne ich die daher, durch lauter gleiche Periodos abgemessene Zeit, die gleiche Zeit. Weilen aber im Gegentheil die tägliche Bewegung der Erde, in Absicht auf die Sonne, durch unter sich ungleiche Periodos geschiehet, so gebe ich dieser, solchergestalt abgemessenen Zeit, den Namen der scheinbaren Zeit.
Nunmehro werde ich das nöhtige anführen, auf was Art und Weise man die gleiche Zeit, wovon wir jetzo handeln, vermittelst der Fixsterne finden, und die Uhren darnach richtig stellen könne; und dieses wird durch unsern vorzuschlagenden Weg richtiger, als durch die Sonne selbst können bewerkstelliget werden.
Unter vielen dahin einschlagenden Mitteln werde ich nur ein einziges anzeigen, welches aber so leicht ist, daß sich ein jedweder dessen bedienen kan. Hier ist es:
Man erwähle sich eine Thür oder Fenster, welches, so viel möglich, gerade gegen Mittag zu lieget; hieraus bemerke man in einer hinlänglichen Weite einen Thurn, Kirche, Schornstein, Haus, oder sonst etwas, das erhaben, und zu diesem Vorhaben bequem ist; Ferner befestige man ein Stück Eisen, Kupfer, oder etwas von anderer Materie, an das Fenster oder Thüre, wodurch man gegen der Ecke eines Thurns, Schornsteins, etc. als durch ein Flinten-Viesier einige Fixsterne sehen kan, wann sie sich der Ecke nähern. Hierunter suche man einen aus, der vor andern kennbar ist, und gebe wohl Acht, wann der Stern just vor der erwählten Ecke ankömmt, man wird wahrnehmen, daß er einen Augenblick nachher, wann er die Ecke wird berühret haben, sich hinter derselben verbergen wird. Hierauf bemerke man an einer Perpendikel-Uhr die Stunde, Minute und Secunde, wann dieses geschiehet, und schreibe es sich zur Nachricht auf. Wann man nun die folgende Nacht eben diese Observation wieder anstellet, so wird man finden, daß der bemerkte Fixstern just drey Minuten und sieben fünfzig Secunden früher hinter der Ecke sich verbirget, als die vorhergehende Nacht.
Indessen, da dieser Stern den bemerkten Ort alle Nacht um drey Minuten und sieben fünfzig Secunden eher erreichen wird, als in der vorhergehenden Nacht, so siehet man wohl daraus, daß man seine Observationes nicht beständig bey einem und eben demselben Stern anstellen könne; Denn wann man z. B. die erste Observation Abends um 10 Uhr anfinge, und der ersehene Stern käme alle Nacht um drey Minuten und sieben fünfzig Secunden eher an den bemerkten Ort, so wird er binnen fünfzehn Tagen schon um 59 Minuten und 15 Secunden früher als das erste mahl an den bemerkten Ort ankommen, nemlich um 9 Uhr und 45 Secunden, und also, da er binnen Monahtsfrist, zwey ganze Stunden früher an den Ort gelanget, endlich gar verschwinden. Wil man nun seine Observationes noch weiter fortsetzen, so muß man sich einen andern Stern dazu aussuchen.
Auch muß man sich wohl in Acht nehmen, daß man statt eines Fixsterns, keinen Planeten wähle; denn dieses würde ein grosser Fehler seyn, weilen die Planeten, jeder in seiner eigenen Bahn, ihre besondere Bewegung haben, die Fixsterne hingegen ihren Ort unter sich gar nicht verändern. Es ist diese Vorsicht um so viel nöhtiger, weilen diejenigen, welche in der Sternwissenschaft unerfahren sind, einen Planeten, der ihnen vorkäme, leicht vor einen Fixstern halten könten, indem die Planeten der Erden näher sind, und unsern Augen viel grösser scheinen als die Fixsterne.
Es sind aber nur drey Planeten, die zu diesem Irrthum Gelegenheit geben können, nemlich Saturnus, Jupiter und Mars: Denn wegen der Veneris und des Mercurii darf man diesen Irrthum nicht befürchten, immassen der erste nur zu gewissen Zeiten, und zwar allemahl entweder kurz vor, oder bald nach dem Untergang der Sonnen erscheinet, und unter dem Namen des Hirten- auch Morgen- und Abend-Sterns, fast jederman bekannt ist; der andere aber wird selbst von den Astronomis sehr selten gesehen.
Damit man auch die Planeten von den Fixsternen unterscheiden lerne, so wil ich drey Kennzeichen angeben, die nicht nur leicht zu begreiffen, sondern noch leichter ins Werk zu richten seyn werden, sintemahlen man darzu keiner Ausrechnung, und keines andern Werkzeuges, als der blossen Augen, bedarf.
Vors erste sind die Planeten unserer Erde weit näher, und dahero scheinen sie unsern Augen weit grösser, als die Fixsterne, insonderheit Jupiter und Mars; Saturnus, ob er wohl unter diesen dreyen am weitesten von uns entfernet ist, so gleichet er doch denen Sternen erster Grösse am meisten.
Dahingegen glänzen und funkeln die Planeten, zweytens, bey weitem nicht so, wie die Fixsterne, weilen sie kein eigen Licht haben, sondern nur das Licht, so sie, wie der Mond, von der Sonne empfangen, auf uns zurück werfen.
Und drittens, so unterscheiden sich die Planeten, so wohl von den Fixsternen, als auch unter sich, noch an ihrer Farbe. Mars siehet röhtlich aus wie Feuer oder Kupfer. Jupiter klar, wie Silber, und Saturnus ist bleich, wie Bley.
Um noch gewisser hierin zu gehen, so darf man nur einige Nächte hinter einander wohl Acht geben, ob der ausersehene Stern, in Absicht auf die um und neben ihm stehende Sterne, seinen Ort verändert, welches man in wenigen Tagen wird wahrnehmen können; thut ers, so ist er ein Planete, bleibt er aber beständig an einem Orte stehen, so ist er ein Fixstern, und zu unserer Observation bequem.
Zuletzt merke man noch, daß, da die Planeten ihren Umlauf fast in der Ecliptik oder der Sonnenstrasse, verrichten, so wird ein Planete, welcher in Opposition mit der Sonnen, um Mitternacht in dem Mittagscirkel (meridiano) stehet, beynahe eben den Ort, und eben die Höhe anzeigen, in welcher die Sonne von da an nach sechs Monahten erscheinen wird.
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