Röntgen- und Gammastrahlen für therapeutische Zwecke 150 mr 500 mrIsotope für Diagnose und Therapie 17 mr 22 mr
Leuchtzifferblätter 30 mr vernachlässigt
Besonders anschaulich ist auch ein Vergleich der natürlichen Mutationsfrequenz mit der auf Grund der natürlichen Strahlung und der Radium-Strahlung der Uhr erwarteten Zunahme in dieser Mutationsfrequenz.
Die Werte wurden einer in der Schweiz publizierten wissenschaftlichen Arbeit entnommen. Sie basieren auf genetischen Strahlendosen, die im Falle der Uhr bedeutend höher und im Falle der Strahlung in der Medizin bedeutend niedriger angenommen wurde, als üblich publiziert wird.
Trotzdem ist der Vergleich sehr aufschlußreich.
Anzahl Mutationen pro Jahr und pro 5.000.000 Einwohner
Natürliche 48 000
Strahlenbedingt durch natürliche Quellen 3 040
Strahlenbedingt durch medizinische Anwendung
(Annahme: 780 mr/30 Jahr) 710
Strahlenbedingt durch Uhren mit Leuchtzifferblatt
(Annahme: 120 mr/30 Jahr) 110
Die Uhren mit leuchtenden Zifferblättern erhöhen demnach die natürliche Mutationsfrequenz um etwa zwei Promille, die Strahlung aus natürlichen Quellen um ungefähr sechs Prozent. Das Leuchtzifferblatt scheint demnach etwa 500 mal weniger «gefährlich» zu sein als des Menschen eigener Körper und seine Umgebung. Da mit zunehmender Höhe über Meer die Intensität der kosmischen Strahlung zunimmt (vgl. Tabelle «Genetische Dosen einiger natürlicher Strahlenquellen»), kann man die Größenordnung der «Gefahr» des Leuchtzifferblattes auch wie folgt ausdrücken:
Das Risiko für die Nachkommenschaft einer Bevölkerung, die mit selbst leuchtenden Uhren lebt, ist etwa dasselbe, wie wenn diese Bevölkerung ohne diese Uhren etwa 150 m bis 500 m höher leben würde. (Die Spanne ist durch die verschiedenen Werte für die genetische Strahlendosis der Uhr bedingt.)
Nachdem festgestellt wurde, daß selbst im kritischsten Falle demjenigen der genetischen Wirkung von Seiten der Uhr mit Leuchtzifferblatt keine Gefahr droht, kommen wir noch einmal auf die Gefährdung des exponierten Individuums selbst zurück und untersuchen dazu die Uhr als Quelle radioaktiver Strahlung.
Durch Messungen von verschiedener Seite sind die Radiummengen der gegenwärtig getragenen Uhren bekannt:
Radiummenge pro Uhr
Mittlere Qualität 0,1 Mikrogramm per Uhr
Höchste Qualität 0,2Ñ0,5 Mikrogramm per Uhr
(Nur Spezialuhren enthalten mehr).
Die Intensität der radioaktiven Strahlung einer in bezug auf die Radiummenge durchschnittlichen Uhr von 0,1 Mikrogramm in der Abhängigkeit vom Abstand ist die folgende:
Strahlungsintensität der Durchschnittsuhr mit 0,1 Mikrogramm Radium
Unmittelbar am Boden der Uhr 100,00 mr/Woche
In 1,5 cm vom Boden der Uhr 30,00 mr/Woche
In 15 cm vom Boden der Uhr 0,60 mr/Woche
In 30 cm vom Boden der Uhr 0,15 mr/Woche
Zum Vergleich:
Intensität der natürlichen Quellen 2,00 mr/Woche
In 30 cm Entfernung vom Boden der Uhr ist also die Intensität der radioaktiven Strahlung schon auf ein Zwölftel derjenigen aus natürlichen Quellen abgesunken. Diese Distanz entspricht ungefähr der mittleren Entfernung von der Uhr zu den Keimzellen des Trägers. Hingegen ist die Strahlungsintensität von etwa 100 mr unmittelbar am Boden der Uhr bedeutend höher und auch nicht unbedingt vernachlässigbar im Vergleich mit den maximal zulässigen 1500 mr für die Teilkörperbestrahlung, wie in der Tabelle «Maximal zulässige Strahlendosen für das Individuum» gegeben. Immerhin ist sie doch weniger als ein Zehntel der zulässigen Dosis, wie das ab und zu gefordert wird im Falle von Strahlenexpositionen für große Teile der Bevölkerung. Zudem geht aus der Tabelle auch hervor, daß die Intensität mit der Entfernung von der Uhr so schnell abfällt, daß nur einige wenige Gramm Gewebes in unmittelbarster Nähe des Uhrbodens einer Strahlung ausgesetzt sind, deren Intensität wesentlich größer ist als die der natürlichen Quellen. Die erhöht exponierte Partie ist also in seiner Ausdehnung ganz bedeutend kleiner als es für die maximal zulässige Teilkörperbestrahlung von 1500 mr/Woche vorgesehen ist. Im Lichte der Erkenntnis, daß mit der zunehmenden Beschränkung der bestrahlten Körperpartie die biologische Wirkung sogar mehr als nur proportional abnimmt, kann mit Sicherheit gesagt werden, daß auch dem Träger der Uhr selbst keine Gefahr droht.
Zusammenfassung
Die Uhr mit Leuchtzifferblatt könnte gefährlich sein, wenn die von ihr ausgehenden radioaktiven Strahlen intensiver sind als international festgesetzte Normen für maximal zulässige Dosen. Alle Uhren mit Ausnahme ganz weniger Spezialfälle (für Taucher und Piloten z.B.) setzen den Träger bei dauerndem Tragen bedeutend kleineren Strahlendosen aus, als es diese Normen zulassen. Das Risiko für die Nachkommenschaft einer Bevölkerung, die auf Meeresniveau lebt und Uhren mit Leuchtzifferblättern trägt, ist nicht größer, als wenn diese Bevölkerung ohne diese Uhren auf 150 m bis 500 m über Meer leben würde.
Das Risiko für das uhrentragende Individuum ist vernachlässigbar. Einzig einige Gramm Gewebes am Handgelenk; werden einer Strahlungsintensität ausgesetzt, die wesentlich höher ist als die den ganzen Körper erfassende ionisierende Strahlung der allgegenwärtigen, natürlichen Quellen. Schädigungen an dieser Stelle sind unbekannt, selbst bei lebenslänglichem Tragen einer normalen Uhr mit Leuchtzifferblatt.
Sämtliche Werte wurden den folgenden Publikationen entnommen:
"Richtlinien für den Schutz gegen ionisierende Strahlen", Eidg. Gesundheitsamt, Bern 1956
"The Biologial Effects of Atomic Radiation", National Academy of Sciences, Washington 1956
"The Hazards to Man of Nuclear and Allied Radiations", Medical Research Council, London 1956
"Effets des rayonnrments ionisants sur les animaux supérieurs et sur l'homme", Dr.Serge Neukomm, Artikel in "La Suisse Horlogère" Nr.2,1957
"La base expérimentale et la signification de la dos de rayonnement maximum admissible", Prof. G. Joyet und Prof. H.R. Schinz in "Zeitschrift fürmedizinische Isotopenforschung 1, Nr.2 11/1957
"Report of the United Nation Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiations", New York 1958
"Safe Handling of Radioisotopes", International Atomic Energy Agency, Wien 1958
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