Die Uhren mit Leuchtausstattung

Die Uhren mit Leuchtausstattung sind ein heikles Problem geworden

NN o.J. ca 1965

Zahlreiche Länder haben unterschiedliche Anordnungen erlassen über den Verkehr mit radioaktiven Stoffen.

Bis etwa 1950 (ab 1930) erfolgte die Leuchtausstattung hauptsächlich Radium 226, das zur Leuchtanregung des Zinksulfids verwendet wurde. Mesothorium I (Radium 228) und Radiothorium (Thorium 228) wurden seltener angewendet. Ihre a-Teilchen bewirken Lumineszenzanregung, und diese werden von der Leuchtfarbe absorbiert; jedoch dringen die von Zerfallsprodukten ausgesandten b-Strahlen durch das Uhrglas nach außen.

Seit ab 1950 billige Spaltprodukte des Uran zur Verfügung stehen, wurde aber auch Strontium 90-Yttrium 90 benutzt, dessen harte b-Strahlen Handgelenkschäden verursachten, was zum Verbot für Leuchtzifferblätter führte.

Nur für Spezialuhren wird Radium 226 in Ausnahmefällen verwendet; in der Schweiz muß der Erwerber einer solchen Uhr - erlaubt bis 1,5 mCi (Mikrocurie) - wenn sie nicht am Handgelenk getragen wird - mit einer Unterschrift bestätigen, daß er vom Inhalt eines vom Eidg. Gesundheitsamt genehmigten Merkblattes Kenntnis genommen hat. In diesem Merkblatt ist die Aktivität der Uhr festgehalten, und es wird empfohlen, die Uhr nur bei besonderen Tätigkeiten zu tragen, für die sie bestimmt ist.

Die unterschiedliche Behandlung von Taschen- und Armbanduhren in den Gesetzen für die Leuchtausstattung ergibt sich dadurch, daß die Taschenuhren in der Nähe der Hüfte getragen werden, und zwar mit dem Leuchtzifferblatt gegen den Körper. Es ist dann möglich, daß die radioaktive Strahlung im Laufe der Zeit eine schädliche genetische Wirkung hervorruft.

Armbanduhren werden jedoch so getragen, daß das Leuchtzifferblatt vom Körper abgewandt ist; außerdem werden die Strahlung durch die Stahlplatte abgeschwächt, die sich zwischen Zifferblatt und Handgelenk befindet.

Handelsüblich werden gegenwärtig Promethium und Tritium benutzt, die wesentlich schwächere Nuklide sind. Immerhin sind auch sie noch stark genug, um beispielsweise Einfuhranzeigen mit Angabe der Aktivität - in Millicurie - notwendig machen.

Während Uhren mit radioaktiven Stoffen mit der Post befördert werden dürfen, dürfen Uhrenzeiger mit radioaktiver Leuchtmasse - da sich dann ihre Wirkung durch die Menge der Zeiger vervielfacht - nur dann von der deutschen Post befördert werden, wenn die Sendung höchstens 1 mCi Tritium, 1 mCi Promethium 147 oder 0,0001 m Ci Radium 226 enthält!

Beim Uhrmacher ist gleichfalls Strahlengefährdung möglich, wenn größere Mengen Leuchtzeiger aufbewahrt werden; und die zuständigen Gewerbeaufsichtsämter sind entsprechend vorsichtig. Es sollen nicht mehr als 20 Paar Leuchtzeiger auf Lager gehalten werden, ihr Aufbewahrungsort sollte von den normalen Arbeitsstellen weit entfernt sein, um jede Dauerbestrahlung auch im ungünstigsten Fall auszuschließen.

Obwohl der Uhrmacher selten oder gar nicht in die Lage kommt, entsprechende Messungen vorzunehmen, mögen die einschlägigen Maßeinheiten angegeben sein:

-Das Curie ist das Maß der Radioaktivität. Das Millicurie ist der 1000. Teil eines Curie. 1 Curie ist dann gegeben, wenn in einer radioaktiven Substanz 37 Milliarden Atomkernzerfälle in jeder Sekunde stattfinden. Die Radioaktivität von 1 Gramm Radium entspricht etwa 1 Curie.

-Das Röntgen ist eine physikalische Einheit der Menge energiereicher Ladung, beispielsweise der Röntgen- oder Gammastrahlung. Das Milliröntgen ist der 1000. Teil eines Röntgen.

Man nennt eine energiereiche Strahlung auch ionisierende Strahlung. Dabei versteht man unter Ionisation einen Vorgang, bei dem unter der Strahleneinwirkung Elektronen von den äußeren Schalen der Atome gelöst werden und dadurch Ionen, d.h. geladene Atome oder Moleküle entstehen.

Wenn in einem Kubikzentimetermeter Luft unter Normalbedingungen etwa 2 Milliarden Atome der darin befindlichen Gase solche Ionisation erlitten haben, hat etwa die Strahlenmenge von einem Röntgen eingewirkt.

600…800 Röntgen bewirken als Ganzkörperbestrahlung den Tod des Menschen durch Strahlenkrankheit.

Heute wird der Uhrmacher kaum noch wie früher Leuchtzeiger neu mit Leuchtfarbe ausfüllen! Die Leuchtmasse wurde mit Bindemittel angerührt und von der Unterseite mit einem Glasstäbchen in die Skelettzeiger gestrichen. Zu dick gewordene Paste mußte mit dem Verdünnungsmittel wieder geschmeidiger gemacht werden.

Bequemer und einfacher - auch billiger - ist es, neue Leuchtzeiger aufzusetzen, zumal sie viel schnellere Arbeitsweisen ermöglichen: man braucht nicht erst warten bis die Leuchtmasse getrocknet ist, sondern kann die Zeiger sofort aufsetzen und damit die Uhr fertig aus der Hand legen.





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