Der Stoff aus dem die Ziffern sind - Tritium

Herstellung von Leuchtziffer und Leuchtzeiger

Uhren Magazin, N.N., 11/1995, S.146

Für die Herstellung von Leuchtziffern,-punkten und -zeigern verwendet die Uhrenindustrie heute meistens Tritium. Tritium ist radioaktiv. Das löst bei vielen Uhrenfreunden Unbehagen aus und wirft Fragen auf. Wir versuchen, einige Fragen zu beantworten.

Die Herstellung von Tritium Leuchtstoffen findet in Spezialunternehmen statt. In der Schweiz sind dies beispielsweise die RC Tritec AG in Teufen und die MB-MICROTEC in Niederwangen. Bei der Herstellung und Verwendung müssen strenge Sicherheits-Auflagen erfüllt werden, die sowohl in der Schweiz als auch in Deutschland von den Behörden festgelegt werden.

Es ist nicht ganz richtig, von Tritium-Leuchtziffern und -zeigern zu sprechen. Sie bestehen nicht aus Tritium, sondern aus Zinkverbindungen (Zinksulfiden oder Verbindungen von Zink und Silizium-Oxyd), deren Kristalle durch die vom Tritium ausgesandten Elektronen zum Leuchten gebracht werden.

Tritium ist ein Isotop* des Wasserstoffs, also eines Elementes, das ungebunden bekanntlich nur als Gas vorkommt (erst ab einer Temperatur von - 260 °C flüssig). Von den Wasserstoffisotopen ist es das einzige instabile, das heißt, es zerfällt und sendet dabei Strahlung aus. Diese Strahlung macht man sich bei den verschiedensten Verwendungen zunutze, von denen der Gebrauch bei Leuchtmassen für Uhren nur eine ist.

* Isotope (von griech. isos - gleich und topos - Platz), chemische Elemente (Grundstoffe), mit gleichen chemischen Eigenschaften, die sich aber dadurch unterscheiden, daß ihre Atomkerne zwar die gleiche Protonenzahl, aber unterschiedliche Neutronenzahlen haben.

Für die Herstellung von Leuchtziffern bedient man sich eines sogenannten Polymers, einer Kohlen-Wasserstoff-Verbindung, bei dem Tritium den Wasserstoffanteil bildet. Bei der RC Tritec AG wird eine Polymerschicht auf die Kristalle des Zinksulfides aufgebracht. Dabei bringt die vom Tritium ausgehende Elektronen-Strahlung die Kristalle zum Leuchten. Die polymerisierten Kristalle werden als Pulver an die Verwender geliefert und können dann mit Hilfe von Bindemitteln für Punkte, Ziffern und Zeiger gebraucht werden.

Einen völlig anderen Weg, Tritium für Leuchtmittel zu verwenden, hat die Firma mb microtec (nach den Firmengründern Merz und Benteli) beschritten. Bei mb-microtec werden sogenannte Traser hergestellt (Traser von Tritium und Laser).

Traser sind Behälter aus dünnem Glas, deren Innenwand mit einer Leuchtstoffschicht überzogen ist. In die Behälter wird Tritium-Gas (also Wasserstoff) gefüllt, dessen Strahlung die Leuchtmasse aktiviert. Mit Hilfe von Lasern werden die zum Teil winzigen Glasröhrchen (Durchmesser 0,5 mm) abgeschnitten (zugeschmolzen).

Was ist Tritium?

Tritium (von griech. tritos - der Dritte) ist das schwerste Isotop* des Wasserstoffs, das als einziges radioaktiv ist.

Was bedeutet der Aufdruck T25 auf Zifferblättern?

Dieser Aufdruck ist für Spezialuhren obligatorisch und bezieht sich auf den maximal zugelassenen Wert der Aktivität in Milli-Curie (Maßeinheit für radioaktive Strahlung).

Woraus bestehen Leuchtziffern?

Das Material für die Herstellung von Leuchtmasse ist nach leuchtendes Zinksulfid, das nach einer speziellen Warmebehandlung die nachleuchtende Eigenschaft entwickelt. Es kann zwar immer aufs neue erregt werden, verliert aber seine Helligkeit schon nach kurzer Zeit. Erst in der Verbindung mit Tritium-Polymer bekommt es eine Dauerleuchtwirkung.

Kann die Strahlung das Gehäuse durchdringen?

Einerseits geht die Strahlung von Tritium in der Luft nur drei bis vier Millimeter weit und wird von festen Stoffen von nur wenigen Mikrometern Starke vollständig zurückgehalten. Andererseits wurde durch Tests der Strahlenschutzabteilung der Universität Innsbruck bei 108 Trägern von Uhren mit Plastikgehäusen (!) eine höhere Tritium-Konzentration im Urin nachgewiesen als bei den Testpersonen einer Vergleichsgruppe. Dies ist damit zu erklären, daß vom Tritium-Polymer abgelöste einzelne Tritiumatome durch Kunststoffgehäuse diffundieren (durchdringen, sich ausbreiten) und über die Haut in die Körperflüssigkeit gelangen können. Die dabei möglicherweise entstehende Strahlenbelastung erreicht aber nur einen Promillebereich der natürlichen Strahlenbelastung (Erdstrahlung, Radon in Gebäuden, Erdstrahlung, kosmische Strahlung usw.).





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