Radioaktivität der Leuchtzifferblätter?

The Swiss Watch D ( N.N. o.J. ) ca. 1962

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg war die schweizerische Uhrenindustrie auf den Gedanken gekommen, durch Beigabe von natürlichen radioaktiven Substanzen zu Zinksulfidkristallen einen leuchtenden Farbstoff herzustellen. Die Uhren konnten somit auch im Dunkeln abgelesen werden. ohne elektrische oder mechanische Eingriffe.

In jener Zeit kannte man die Erscheinungen der Radioaktivität noch kaum. Die «International Commission on Radiological Protection» stellte jedoch seit 1928 Empfehlungen auf, die den meisten nationalen Vorschriften auf diesem Gebiet als Grundlage dienen.
Die Öffentlichkeit wurde sich dieser Probleme hauptsächlich nach den Atomexplosionen richtig bewußt. Verschiedentlich wurden in Zeitungsartikeln die Strahlungsgefahren in dem Masse übertrieben, daß sich viele Menschen fragten, ob nicht das Tragen einer Uhr mit Leuchtzifferblatt Gefahr in sich berge.
Die schweizerische Uhrenindustrie konnte an dieser Verwirrung nicht stillschweigend vorbeigehen. Vielmehr empfand sie es als ihre Aufgabe, die gesamten Probleme der Leuchtzifferblattuhren mit wissenschaftlicher Genauigkeit zu überprüfen. Ihr vornehmstes Ziel war dabei, auf Grund der Ergebnisse nur solche Uhren herzustellen, die ihre Träger keinerlei Gefahren aussetzen. Die Aufstellung einer gültigen Norm schien ihr erwünscht, um von seiten der Uhrenfabrikanten jede Übertreibung zu verhüten und im täglichen Leben das Niveau der ionisierenden Strahlungen so niedrig wie möglich zu halten.

Reglemente

Einige Länder, die zu den besten Kunden unserer Uhrenindustrie gehören, haben besondere Reglemente eingeführt oder die Anwendung von internationalen Reglementen (beispielsweise die von der Euratom) vorgeschrieben. Leider stimmen aber diese Reglemente keineswegs alle miteinander überein. Was in einem Land erlaubt ist, steht in einem anderen unter Verbot. Als Beispiel sei der Fall des Radiums angeführt. dem zur Zeit in den Vereinigten Staaten keine Beschränkungen auferlegt sind, das hingegen in Deutschland verboten ist. Für das Promethium trifft praktisch das Umgekehrte zu. Der Uhrenfabrikant kann

nicht immer zum voraus wissen, in welches Land die eine oder die andere von seinen Uhrenserien ausgeführt wird. Somit ist es für ihn besonders schwierig, so widerspruchsvollen Reglementen immer zu entsprechen. Zudem sind diese Widersprüche auch vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus betrachtet weder logisch noch zufriedenstellend. Schon aus diesem Grunde hofft die «Fédération horlogére» (FH) auf die internationale Annahme der von ihr ausgearbeiteten Norm.

Untersuchungen

In diesem Zusammenhang muß daran erinnert werden, daß der Mensch natürlichen Strahlungen ständig ausgesetzt ist, namentlich kosmischen und vom Boden ausgehenden Strahlungen. Dies beweist, daß unter einer bestimmten Schwelle Strahlungsstörungen für den Menschen nicht zu befürchten sind.

Es ergibt sich aus Untersuchungen, daß die Wirkung von Strahlungen, die von einem einzigen Zifferblatt ausgesendet werden, auf die Einzelperson überaus gering ist, teils weil für je ein Zifferblatt eine ganz kleine Menge von Leuchtstoff verwendet und anderseits weil die Uhr auf dem Handgelenk getragen wird, das nicht zu den empfindlichen Teilen des menschlichen Körpers gehört.

Die Untersuchungen und Berechnungen ergeben weiterhin einwandfrei, daß eine Uhr mit normalem Leuchtzifferblatt für den Träger selbst überhaupt keine, für seine Nachkommenschaft eine sehr geringe, ja vernachlässigbare Gefahr darstellt.

Auf Grund ihrer Arbeiten vermochte die Kommission eine Sicherheitsnorm festzusetzen, deren Text nachstehend angegeben ist und welche die für die verschiedenen von der Uhrenindustrie am häufigsten verwendeten Isotope die Grenzen der zulässigen Aktivität für eine einzelne Uhr bestimmt. Dieses Vorgehen erlaubt eine viel genauere Bezeichnung der höchstzulässigen Mengen, als wenn sie in Dosisleistungen ausgedrückt werden.

Nur in den seltenen Fällen von Taschenuhren wurde das Verwenden von Radium verboten, und zwar weil diese Uhren direkt am Körper getragen werden und die durch die Haut aufgenommcne Strahlungen die höchstzulässige Dosis überschreiten.

Im Namen der schweizerischen Uhrenindustrie wurde 1963 ein schweizerisches Projekt zwecks internationaler Vereinheitlichung der nationalen Reglemente für Uhren mit Leuchtzifferblättern der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) vorgelegt.





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