Dosis radioaktiver Strahlungen

Durch die Haut aufgenommene Dosis


THE SWISS WATCH ( N.N. o.J. ) ca. 1960

(Aus einem Bericht der Abteilung Forschung und Technik der Federation suisse des associations de fabricants d'horlogerie)

Die Leuchtmasse des Zifferblattes sendet ihre Strahlen in alle Richtungen aus, wobei viel mehr durch das Glas als durch den Boden dringen, wo sie durch das Metall des Werkes und des Gehäusebodens aufgehalten werden. Trotzdem sind die aus dem Glas dringenden Strahlen nicht die gefährlichsten, denn sie entfernen sich gewissermaßen vom Körper. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Einwirkungsdauer. Aber auch hier ist zu bemerken, daß das Zifferblatt einer Uhr nie längere Zeit mit einem Körperteil in unmittelbarem Kontakt bleibt.

Dagegen ist die Haut, auf der der Gehäuseboden ruht, den Strahlen am meisten ausgesetzt, da sie fast kein Abstand vom Zifferblatt trennt und die Einwirkung solange dauert, wie die Uhr getragen wird.

Das Handgelenk ist somit der am meisten bestrahlte Körperteil.

Aus den Messungen, die das Schweizerische Institut für Uhrenforschung auf unzähligen, direkt aus der Fabrik kommenden Uhren angestellt hat, erwies sich, daß die Strahlenbelastung unter dem Gehäuseboden im Durchschnitt 1 Milliröntgen je Stunde beträgt. Eine ohne Unterbruch getragene Uhr bestrahlt diesen Teil des Handgelenks mit 170 mr je Woche.

Die höchstzulässige Dosis für Hände und Unterarme einer beruflich strahlenexponierten Person ist von der Internationalen Strahlenschutzkommission (Commission internationale de protection contre les radiations CIPR) auf 1500 mr/Woche festgesetzt worden. Wie Sie sehen, nimmt das Handgelenk ungefähr zehnmal weniger Strahlen auf, als eigentlich zulässig wäre. Diese Stelle ist auch viel kleiner als die für die höchstzulässige Dosis maßgebende Zone. Überdies besitzen wir die Erfahrung eines halben Jahrhunderts, ohne daß je auch nur ein lokaler Strahlenschaden oder eine krebserzeugende Auswirkung festgestellt worden wäre. Die Wirkung auf das Handgelenk ist äußerst unbedeutend und kann nicht im geringsten schaden.

Durch die Augen aufgenommene Dosis


Obschon sich die Augen meistens in ziemlicher Entfernung vom Zifferblatt halten, ist die Kristallinse der empfindlichste Körperteil, und als solcher besonders zu berücksichtigen. Die höchstzulässige Dosis für eine beruflich strahlenexponierte Person ist vom CIPR auf 100 mr/Woche festgesetzt worden .

Die in der Kristallinse aufgenommene Dosis hängt von den Gewohnheiten des Trägers einer Leuchtzifferblattuhr ab. Bei einer gewöhnlichen Uhr, die 0,l mc Radium enthält (die im Schweizerischen Institut für Uhrenforschung beobachteten Uhren wiesen durchschnittlich 0,09 mc auf) und ohne Unterbruch normal getragen wird, beträgt die aufgenommene Dosis 1 mr/Woche, also nur ein Hundertstel der zulässigen Dosis.

Die Gefahr für die Augen ist somit völlig ausgeschlossen.

Unter «normal getragen» versteht man, daß das Zifferblatt nicht unaufhörlich mit demselben Körperteil in Berührung bleibt und die Leuchtmasse der Uhr nicht eingenommen wird.

Maßeinheiten


Gemessen wird die Dosierleistung mit rem oder Röntgen pro Zeiteinheit, d.h. je Jahr, Woche oder Stunde (r/Jahr, r/Woche oder r/Stunde).

Häufiger verwendet man den tausendmal kleineren Wert, also den Milliröntgen pro Zeiteinheit (mr/Stunde zum Beispiel).

Bei den uns hier beschäftigenden Strahlen darf man ein Millirem einem Milliröntgen gleichsetzen. Die Dosisleistung hängt von der Quellentätigkeit, dem Abstand und den zwischen Leuchtmasse und bestrahltem Körper stehenden Gegenstand ab.

Die Quellentätigkeit mißt sich nach Curies, bzw. Microcuries (1c = 1000000 mc), der Maßeinheit für die Radioaktivität.

Radioaktivität der verschiedenen Uhrenerzeugnisse


Damenuhren

Das bisher Gesagte gilt in erster Linie für die Herrenuhren. Um so zutreffender ist es für die Damenuhren, die im Durchschnitt halb so schwache Leuchtmassen aufweisen.


Sonderuhren

Es gehört sich, auch von Uhren für besondere Verwendung, wie den Taucheruhren, zu sprechen. Ihr Zweck ist gerade, viel stärker als gewöhnliche Uhren zu leuchten. Und das ist allerdings nur mit einer entsprechenden Steigerung der Radioaktivität möglich, die jedoch noch keine Gefahr darstellt. Es ist deshalb notwendig, den Käufer darauf aufmerksam zu machen und ihm zu empfehlen, sie nur zum Tauchen zu gebrauchen.

Da diese Uhren nicht einmal 1 % der gesamten Produktion ausmachen, dürften sie auf die genetische Dosis der Bevölkerung keinen Einfluß haben.


Weckeruhren

Kein Problem stellen die Weckeruhren dar, da ihre Radioaktivität im allgemeinen sogar geringer ist als die der Armbanduhren. Die Leuchtfläche ist nämlich nicht maßgebend: Die Tätigkeit dieser Massen schwankt nicht unbedingt im Verhältnis zur Fläche. Die für Weckeruhren bestimmten Leuchtfarben sind in der Regel billig, aber auch schwächer. Zudem ist der Abstand zwischen Wecker und Mensch im allgemeinen viel größer und die Einwirkungsdauer viel kürzer als bei den Armbanduhren. Man kann annehmen, daß die Gonadendosis der Wecker zehnmal geringer ist als die der Armbanduhren.





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