Leuchtende Uhren

Uhren Magazin, J.Gehl, Leserbrief, 2/1991, S.6f

Bei meiner neuen Uhr stellte ich fest, daß auf dem Zifferblatt Leuchtziffern aufgebracht waren, die auch bei völliger Dunkelheit strahlten. Meine Vermutung, daß es sich dabei um radioaktive Leuchtfarbe handelte bestätigte sich im Gutachten eines Fachmannes. Neben "natürlichen" Aktivitäten von 40K, 226Ra und 235U wurde 147Pm und 146Pm gefunden. Das Promethium-Isotop 147 wurde mit einer Aktivität von 5,772 x 106 Bq festgestellt. (Lt. StrlSchV von 1976 ist eine zulässige Grenze für dieses Isotop bei 3,7 x 105 Bq gesetzlich festgesetzt.) Wenn ich meine Uhr weiter tragen wollte, hätte ich den Umgang mit dieser Aktivität erst bei der zuständigen Behörde anzeigen müssen. . . - das konnte ja wohl nicht sein!

Einmal neugierig geworden, schrieb ich das zuständige Bundesministerium an, sowie die Herstellerfirma. Beide Antwortschreiben gingen nicht auf die gutachterlich ermittelten Werte ein und brachten zum Ausdruck: 1.: das sei alles ungefährlich. . . und 2.: aus der Produktion seien solche Fälle nicht bekannt. Damit war mir nicht geholfen! - Ich hielt mich weiter an die Herstellerfirma und erreichte schließlich die Entfernung der Leuchtfarbe von Zifferblatt und Zeigern. Zwar ist wegen des Beta-Zerfalls beim Nuklid 147Pm die gesundheitliche Belastung für den Träger der Uhr gering weil anzunehmen ist, daß die Elektronen - "Geschosse" durch das Deckglas gestoppt werden, die freiwerdenden Gammastrahlen aber durchschießen Uhr und Arm und Umgebung mit einer Energie von 121 keV. Die enthaltene Gammastrahlung des 146Pm hat schon eine Energie von 454 bis 747 keV.

Also: der Normalfall belastet den Träger der Uhr nicht sehr stark - welchem Träger einer solchen Uhr wird aber bewußt sein, daß beim Zerspringen des Deckglases die Leuchtfarbe der Armbanduhr eine ernstzunehmende Gefahr darstellt, wenn durch Hautkontakt (z. B. an einem Unfallort) oder sogar durch Einnahme (beim Aufsammeln von Splittern und Einzelteilen einer zerstörten Uhr vom Fußboden) ein Beta-Strahler mit hoher Aktivität in den Körper gelangen kann? Wenn man die Wirkung der radioaktiven Strahlungen im menschlichen Gewebe miteinander vergleicht und diesen Vergleich "plastisch" durch Übertreibung mit der Wirkung verschiedener Waffen beschreibt, dann ergäbe sich immerhin folgendes Bild: Gammastrahlen verursachen im Gewebe einen "glatten Durchschuß" etwa des Armes, an dem die Uhr getragen wird Wirkung eines Gewehrgeschosses . . . Beta-Strahlung verursacht - verglichen mit der Wirkung von Gamma-Strahlung - die Zerstörungen eines Dumdumgeschosses. . . Alpha-Strahlung hat daran gemessen die Wirkung einer Handgranate im menschlichen Gewebe. Ich wünsche mir da als "Verbraucher'' eine fachgerechte Reaktion der Branche und somit einen Verzicht auf solche Stoffe.




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