Dipl.-Ing.Joachim Gehl, 2370 Rendsburg,
Uhren Magazin, N.N., 6/1991, S.122

Wie gefährlich die strahlenden Zifferblätter sind?

Viele Leser sind verunsichert. Leuchten Zeiger und Stundenindexe auf den UhrenZifferblättern nur, oder strahlen sie etwa? Mögen vor Jahrzehnten strahlende Materialien verwendet worden sein, so gehört das heute verwendete Tritium sicher nicht dazu. Es sind absolut keine gesundheitsschädigenden Auswirkungen selbst über lange Zeit bekannt. Auch das Gewerbeaufsichtsamt erlaubt, festhaftende Tritiumteile (z. B. Zifferblätter) in den Hausmüll zu schmeißen. Zum besseren Verständnis, was wir an unseren Handgelenken herumschleppen, folgende sachliche Erklärung.

Grundsätzlich unterscheidet man heute zwischen inaktiven nachleucht- und selbstleuchtenden Markierungen auf Uhren und Instrumenten. Die Gruppe der phosphoreszierenden Pigmente oder Nachleuchtpigmente besteht aus Zinksulfidverbindungen, die ähnlich einer Lichtbatterie funktionieren. Durch Anregung mit Tages- und Kunstlicht werden diese Pigmente aufgeladen und geben, nach Beendigung der Anregung, dieses gespeicherte Licht während Minuten bis Stunden mit abfallender Intensität wieder ab. Dieser Vorgang ist unendlich oft wiederholbar.

Hauptanwendung dieser Pigmente sind Fluchtwegmarkierungen, Notsignalisation, Spielzeug und z. T. Anwendungen in der Uhrenindustrie. Diese Pigmente sind frei von radioaktiven Stoffen, haben aber nur eine ganz beschränkte Nachleuchtdauer, so daß eine Ablesbarkeit in der Dunkelheit während Stunden nicht garantiert werden kann.

Ausreichende Ablesbarkeit wird nur mit Selbst- oder Dauerleuchtfarben erreicht. Früher verwendete man als Energiequelle, zur Anregung der Zinksulfid-Leuchtpigmente Radium. Dieses nicht unbedenkliche Isotop (Alpha- + Beta- + Gamma-Strahlung) wurde mit der Verfügbarkeit von reinen Beta- oder Elektronenstrahlen mit sehr schwachen Energien vollständig ersetzt. Nach heutigen ISO-Normen und internationalen Strahlenschutzvorschriften sind nur noch Tritium und Promethium als Energieträger zugelassen. Tritium .sendet Elektronen von derart geringer Energie aus, daß sie gerade ausreicht, die Leuchtkristalle an zuregen. In der Luft werden diese Elektronen nach 2Ñ4 mm und in micrometerdicken Schichten von irgendeinem Material vollständig abgebremst. Deshalb können Uhren, die mit Tritium Dauerleuchtziffern versehen sind, keine Strahlung außerhalb des Gehäuses abgeben und stellen für den Träger kein Strahlenrisiko dar.




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